Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 12 

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Allgemeine Situation:

Die andauernde Hitze schlaucht weiterhin Mensch und Natur. Doch es ist tatsächlich ein Ende in Sicht. Ab nächster Woche fallen die Temperaturen auf „angenehme“ 27°C bis 29°C. Hinzu kommen eventuell kleinere Niederschläge welche die ganze Landwirtschaft sehr gut gebrauchen könnte.

Mittlerweile ist auch das Ende der diesjährigen entspannten Pflanzenschutzsaison in Sicht. In Absprache mit dem WBI wird der Termin für die Abschlussbehandlung auf den 25.07.2026 terminiert. Für Sekt und Federweißer auf den 18.07.2026. Bitte beachten Sie jedoch vorrangig die Vorgaben Ihrer Vermarktungsbetriebe. 

Rebschutz:

Mit dem Abschlusstermin können die restlichen Spritzungen nun gut aufgeteilt werden, sodass vermutlich in vielen Betrieben die nächste Behandlung um den Monatswechsel stattfindet. Im Juli, bis zum 25.07, können zwei weitere Behandlungen im Abstand von ca. 13 Tagen geplant werden. 

Ein Vorziehen der kommenden Behandlung wegen den möglichen Niederschlägen am Montag ist nicht notwendig. Durch die trockenen Böden kommt es vermutlich zu keiner Primärinfektion und für eine ernstzunehmende Sekundärinfektion fehlen schlichtweg die Ölflecke im Bestand. 

Bleiben die Wettervorhersagen weiterhin ohne Regen, kann aus fachlicher Sicht die Aufwandmenge der Kontaktwirkstoffe auf „Basis x 2,5“ reduziert werden. Das schont den Geldbeutel und wir reduzieren Pflanzenschutzmittel!

Auch wenn Oidium als Schön-Wetter-Pilz bekannt ist, passiert bei 38°C nicht mehr viel…

Tau gibt es morgens nur noch in bestimmten Lagen, was sich bei Witterungswechsel aber auch wieder ändern wird. Mit zunehmender Beerengröße schwindet die Anfälligkeit gegen Oidium, der Fokus liegt nun mehr auf der Gesundheit der oberen Laubwand. 

Der Behandlungsabstand bleibt weiter bei ca. 12 Tagen, kann in Anlagen ohne bekanntem Oidiumrisiko auch problemlos bei 14 Tagen liegen.    

Im Zikadengebiet steht mit der nächsten Überfahrt die zweite Behandlung an. Wo möglich, sollte das Mittel Sivanto Prime eingesetzt werden. Alternativ Karate Zeon oder Trebon

Mittelempfehlung:

Peronospora

Da aktuell so gut wie keine Ölflecke zu finden sind, müssen die Infektionen weiterhin als Primärinfektionen vom Boden aus starten.  

Es kann also weiterhin mit den „günstigen“ Kontaktmitteln gearbeitet werden wie z.B. Folpan 80 WDG (1,4 kg/ha) oder Folpan 500 SC (2,1 l/ha).

Wer wie angesprochen reduzieren möchte, kann folgende Aufwandmengen Einsetzen: 

Folpan 80 WDG (1,0 kg/ha) oder Folpan 500 SC (1,5 l/ha).

Oidium  

Gegen Oidium sollten aktuell weiterhin wirkungsstarke Mittel eingesetzt werden, wie 

Talendo (0,35l/ha) (Gruppe J) (Keine Mischung mit Netzschwefel, kann ausflocken), 

Belanty (1,5 l/ha) (1,0l/10.000 m2) (Gruppe G) Hier finden Sie auch einen Dosierungsrechner für Belanty.

Dynali (0,7 l/ha) (Gruppe R/G)

Kusabi (0,26 l/ha) (Gruppe K)

Bitte achten Sie auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel! Es dürfen niemals zwei Mittel mit demselben Wirkstoff hintereinander eingesetzt werden. 

Die Kombination eines Multi-Site-Wirkstoffes (Netzschwefel 3kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich beim organischen Mittel Resistenzen entwickeln. Aktuell fehlen dazu allerdings noch ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Beratung keine allgemeine Empfehlung für diesen Einsatz ausgesprochen werden.

Die Mittelmenge errechnet sich aus der Basismenge x 3,5

Stiellähme 

Für eine bessere Versorgung und um der Stiellähme vorzubeugen, kann nach der Blüte der Zusatz von Epsotop-Bittersalz (12-14 kg/ha) mitappliziert werden. 

Keine Mischung mit Phosphonaten! Bei Applikation in den Mittagsstunden sollte drauf verzichtet werden.

Botrytis

Siehe Weinbauinfo Nr.11

Amerikanische Rebzikade

Um eine zusätzliche Verbreitung der Rebzikade zu verhindern, denken Sie bitte an die Säuberung von Traktor und Laubschneider, wenn Sie aus dem Befallsgebiet rausfahren.

Hier der Link zur Befallskarte: Amerikanische Rebzikade Bitte studieren Sie die Karte genau und überprüfen Sie, ob nun Flächen von Ihnen im Roten Gebiet liegen. Ist dies der Fall, sollte mit der kommenden Behandlung mit einem geeigneten Mittel behandelt werden. 

Hier noch einmal die wichtigsten Informationen zusammengefasst, bitte sorgfältig durchlesen.

-        Es gibt mittlerweile 2 Allgemeinverfügungen. „AV Rebzikade“ (Befallsgebiet rot, gefährdetes Gebiet gelb) und die AV „Goldgelbe Vergilbung“ (Befallsgebiet lila, Gefährdetes Gebiet türkis) 

-        Eine Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade ist nach der Allgemeinverfügungen der Landratsämter Lörrach und Breisgau Hochschwarzwald in den Gebieten Rot, Lila, Blau bzw. Türkis verpflichtend und auch nur dort vorgesehen. Im Gelben Gebiet muss NICHT behandelt werden. In diese Karte kann man hineinzoomen, wodurch das Befallsgebiet flurstücksscharf abgebildet wird. 

-        Details zur Allgemeinverfügung finden Sie auf der Homepage des LRA Lörrach und Breisgau Hochschwarzwald. 

-        Die Insektizide können mit dem regulären Pflanzenschutz mitgefahren werden. Es ist keine extra Überfahrt nötig.

-        3-4 Tage vor der Bekämpfung sollten alle Stockausschläge entfernt werden, da die Zikade sich gerne darauf aufhält.

-        Zur Bekämpfung der Larven im konventionellen Anbau stehen folgende Insektizide zur Verfügung

Trebon 30 EC (0,3l/ha, max. 1 Anwendung)

Karate Zeon (75 ml/ha, max. 2 Anwendungen)

SIVANTO Prime (0,5l/ha, max. 1x Anwendung, nur wenn letztes Jahr auf der Fläche nicht eingesetzt)

-        Die erste Behandlung sollte mit dem Mittel Trebon 30 EC oder Karate Zeon erfolgen, die zweite Behandlung mit Sivanto Prime. Da die Anwendung nur alle 2 Jahre erlaubt ist, muss bei letztjähriger Applikation dieses Jahr auch die zweite Behandlung mit Karate Zeon erfolgen.

-        Die Mittel SIVANTO prime und Karate Zeon haben die Einstufung B4 (nicht bienengefährlich), solange diese nicht mit Mittel aus der Gruppe G (Azole) gemischt werden. 

-        Das Mittel Trebon 30EC hat die Einstufung B2 und darf nur nach Ende der Bienenflugzeit ausgebracht werden. Hier ist auch die Uhrzeit in der Dokumentation aufzuzeichnen.  

-        Das Mittel Karate Zeon und Trebon 30 EC in den Abendstunden ausbringen. Zu dieser Tageszeit sind die Zikaden weniger aktiv und bleiben somit länger mit dem Mittel in Kontakt. Bei über 25°C verringert sich auch der Wirkungsgrad des Mittels.

-        Das Mittel Sivanto Prime sollte erfahrungsgemäß nicht mit den Wirkstoffen Spiroxamin (Spirox, Prosper Tec und Luna Max) und Dithianon (Delan WG, Delan Pro und Aktuan) gemischt werden

Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Zikade sollten Betriebe, denen es möglich ist, jede Gasse befahren. Es ist weiterhin von Vorteil, wenn jede Gasse gemulcht ist, verpflichtend ist dies jedoch nicht mehr, da die Mittel nicht in B1 eingestuft sind. 

Weinbauliche Maßnahmen

Bei Temperaturen über 30°C sollten die Entblätterungsarbeiten pausiert werden. Hierbei ist die Sonnenbrandgefahr zu groß. 

Gerade durch eine frühe Entblätterung wird das Botrytisrisiko gesenkt und die Applikationsqualität in der Traubenzone wird verbessert. Achten Sie bei allen Entblätterungsmaßnahmen, besonders bei den Weißweinsorten, auf eine schonende Umsetzung, um dem Sonnenbrand und den Aromaverlusten vorzubeugen. Bei der Handentblätterung hat sich das Entfernen der unteren Blätter bis zur ersten Traube bewährt. 

Trockenheit in Junganlagen

Bei der aktuellen Trockenheit sollte eine zu hohe Wasserkonkurrenz in Anlagen bis zum 3. Standjahr vermieden werden. Das oberflächliche bearbeiten mit der Kreiselegge jeder 2. Gasse oder das mulchen bzw. Walzen von Begrünungen kann Abhilfe schaffen. Das Gleiche gilt für Ertragsanlagen auf sehr trockenen Standorten. Ein zu tiefes Mulchen wirkt sich ebenfalls negativ aus, da die Böden keinerlei Beschattung mehr haben. 

Reben im Pflanzjahr sollten im Unterstockbereich generell frei von Bewuchs sein. Das Abdecken der Gassen mit Stroh oder Heu beugt dem sonst sehr schnellen austrocknen der Böden vor und stellt eine effektive Maßnahme dar, bevor Wasser gefahren werden muss.

Bitte denken Sie auch an die 2- und 3-jährigen Reben in den Ertragsanlagen. Bei zu hohem Trockenstress hilft es, die Reben auf einen Trieb zu vereinzeln. Das schwer bekämpfbare Weidelgras im Unterstockbereich dieses Jahr stellt eine hohe Belastung für die Jungreben dar. 

Sollten weiterhin keine Niederschläge fallen, muss auf trockenen Standorten über eine Wassergabe nachgedacht werden. Hierbei sollten ca. 10l pro Rebe gegossen werden. 

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 02.07.                          

gez. Mattmüller