Allgemeine Situation:
Es ist heiß! Und das bleibt auch noch eine ganze Weile so, denn es sind vorerst keine Niederschläge in Sicht, welche allerdings durchaus willkommen wären.
Tagestemperaturen von bis zu 37°C erschweren die Arbeiten im Weinberg dementsprechend und hinterlassen vor allem bei jungen Reben erste Spuren.
In Ertragsanlagen hingegen ist die Entwicklung durchweg positiv und die Traubenzone füllt sich nun von Tag zu Tag mehr. Somit bewegen wir uns in frühen Lagen mit raschen Schritten Richtung Traubenschluss. Allgemein sind nur sehr lokal Verrieselungen zu beobachten, (außer L-Klon) im Großen und Ganzen zeigt sich ein sehr üppiger Beerenansatz.
Rebschutz:
Durch die absolute Trockenheit wird Peronospora immer mehr zum Randthema. In vielen Betrieben läuft momentan die 5. oder 6. Behandlung. Aktuell beträgt die Aufwandmenge „Basis x3,5“. Bleiben die Wettervorhersagen weiterhin ohne Regen, kann aus fachlicher Sicht die Aufwandmenge der Kontaktwirkstoffe auf „Basis x 2,5“ reduziert werden. Das schont den Geldbeutel und wir reduzieren Pflanzenschutzmittel!
Oidium hingegen findet mit der Taubildung in den Morgenstunden weiterhin sehr guten Bedingungen vor. Hier darf von der gewohnten Aufwandmenge nicht abgewichen werden.
Der Spritzabstand beträgt weiterhin ca. 12 Tage.
Bitte denken Sie in den Befallsgebieten der Rebzikade weiterhin an den Einsatz der vorgeschriebenen Mittel. Wo möglich, sollte nicht in den heißen Mittagsstunden appliziert werden.
Mittelempfehlung:
Peronospora
Da aktuell so gut wie keine Ölflecken zu finden sind, müssen die Infektionen weiterhin als Primärinfektionen vom Boden aus starten.
Es kann also weiterhin mit den „günstigen“ Kontaktmitteln gearbeitet werden wie z.B. Folpan 80 WDG (1,4 kg/ha) oder Folpan 500 SC (2,1 l/ha).
Wer wie angesprochen reduzieren möchte, kann folgende Aufwandmengen Einsetzen:
Folpan 80 WDG (1,0 kg/ha) oder Folpan 500 SC (1,5 l/ha).
Oidium
Gegen Oidium sollten aktuell weiterhin wirkungsstarke Mittel eingesetzt werden, wie
Talendo (0,35l/ha) (Gruppe J) (Keine Mischung mit Netzschwefel, kann ausflocken),
Belanty (1,5 l/ha) (1,0l/10.000 m2) (Gruppe G) Hier finden Sie auch einen Dosierungsrechner für Belanty.
Dynali (0,7 l/ha) (Gruppe R/G)
Kusabi (0,26 l/ha) (Gruppe K)
Bitte achten Sie auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel! Es dürfen niemals zwei Mittel mit demselben Wirkstoff hintereinander eingesetzt werden.
Die Kombination eines Multi-Site-Wirkstoffes (Netzschwefel 3kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich beim organischen Mittel Resistenzen entwickeln. Aktuell fehlen dazu allerdings noch ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Beratung keine allgemeine Empfehlung für diesen Einsatz ausgesprochen werden.
Die Mittelmenge errechnet sich aus der Basismenge x 3,5
Stiellähme
Für eine bessere Versorgung und um der Stiellähme vorzubeugen, kann nach der Blüte der Zusatz von Epsotop-Bittersalz (12-14 kg/ha) mitappliziert werden.
Keine Mischung mit Phosphonaten! Bei Applikation in den Mittagsstunden sollte drauf verzichtet werden.
Botrytis
Kompakte Trauben, in Kombination mit abgestorbenen Blüteresten, hohe Temperaturen und Niederschläge sind in der Reifeendphase Garanten für Botrytis- und Essigfäulnis. Wir wissen, der wirkungsvollste Schutz gegen Botrytis- und Essigfäulnis sind lockere Trauben und eine luftige Traubenzone. Viele Anlagen, wurden in den vergangenen Tagen mechanisch entblättert, bzw. „ausgeblasen“. Das ist die wichtigste und effektivste Maßnahme zur Fäulnisvorbeuge. Ob darüber hinaus durch den Einsatz eine Botrytismittels zum Zeitpunkt „Kurz vor Traubenschluss“ eine zusätzliche Wirkungsgradsteigerung erzielt werden soll, muss jeder Betrieb für sich entscheiden.
Vor allem aber in Anlagen mit kompakten Klonen, in denen keine Druckluftentblätterung stattgefunden hat, wird dieses Jahr eine Botrytisbehandlung zum Stadium „Kurz vor Traubenschluss“ empfohlen. Zum Einsatz kommen z.B. Switch (0,48kg /ha), Teldor (0,75kg/ha), Cantus (0,56 kg/ha) oder Kenja (0,75 l/ha).
Bitte beachten: Sind in der letzten Behandlung Oidiummittel der Gruppe L (Luna, Sercadis, Collis) zum Einsatz gekommen, darf weder Cantus noch Kenja gegen Botrytis appliziert werden. Auch in der Spritzung danach sollten diese nicht eingesetzt werden.
Die Mittelmengen beziehen sich auf eine Traubenzonebehandlung und errechnen sich aus dem Basisaufwand x2. Für eine maximale Wirkung sollte bei dieser Maßnahme jede Gasse gefahren werden. Bei einer Behandlung der gesamten Laubwand errechnet sich die Mittelmenge aus dem Basisaufwand x4.
Amerikanische Rebzikade
Wie bereits in der Rundmail angesprochen, ergaben sich durch die Nymphenbonitur des WBI weitere Fundorte der Amerikanischen Rebzikade.
Die Gebiete, in denen die Behandlung gegen die Rebzikade durchgeführt werden muss, vergrößern sich also.
Hier der Link zur Befallskarte: Amerikanische Rebzikade
Bitte studieren Sie die Karte genau und überprüfen Sie, ob nun Flächen von Ihnen im Roten Gebiet liegen. Ist dies der Fall, sollte mit der kommenden Behandlung mit einem geeigneten Mittel behandelt werden.
Sollten Sie in den letzten Tagen bereits behandelt haben, sollte die Insektizidbehandlung in den kommenden zwei Behandlungen mitlaufen.
Das "Hinterherfahren mit einer Solobehandlung" ist also nicht notwendig.
Bitte beachten Sie die Hinweise zur Behandlung gegen die Amerikanische Rebzikade aus Weinbauinfo Nr. 10
Weinbauliche Maßnahmen
Bei Temperaturen über 30°C sollten die Entblätterungsarbeiten pausiert werden. Hierbei ist die Sonnenbrandgefahr zu groß.
Gerade durch eine frühe Entblätterung wird das Botrytisrisiko gesenkt und die Applikationsqualität in der Traubenzone wird verbessert. Achten Sie bei allen Entblätterungsmaßnahmen, besonders bei den Weißweinsorten, auf eine schonende Umsetzung, um dem Sonnenbrand und den Aromaverlusten vorzubeugen. Bei der Handentblätterung hat sich das Entfernen der unteren Blätter bis zur ersten Traube bewährt.
Trockenheit in Junganlagen
Bei der aktuellen Trockenheit sollte eine zu hohe Wasserkonkurrenz in Anlagen bis zum 3. Standjahr vermieden werden. Das oberflächliche bearbeiten mit der Kreiselegge jeder 2. Gasse oder das mulchen bzw. Walzen von Begrünungen kann Abhilfe schaffen. Das Gleiche gilt für Ertragsanlagen auf sehr trockenen Standorten. Ein zu tiefes Mulchen wirkt sich ebenfalls negativ aus, da die Böden keinerlei Beschattung mehr haben.
Reben im Pflanzjahr sollten im Unterstockbereich generell frei von Bewuchs sein. Das Abdecken der Gassen mit Stroh oder Heu beugt dem sonst sehr schnellen austrocknen der Böden vor und stellt eine effektive Maßnahme dar, bevor Wasser gefahren werden muss.
Bitte denken Sie auch an die 2- und 3-jährigen Reben in den Ertragsanlagen. Bei zu hohem Trockenstress hilft es, die Reben auf einen Trieb zu vereinzeln. Das schwer bekämpfbare Weidelgras im Unterstockbereich dieses Jahr stellt eine hohe Belastung für die Jungreben dar.
Sollten weiterhin keine Niederschläge fallen, muss auf trockenen Standorten über eine Wassergabe nachgedacht werden. Hierbei sollten ca. 10l pro Rebe gegossen werden.
Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 25.06.
gez. Mattmüller