Allgemeine Situation:
Auffallend saubere Bestände mit einem guten Ertragspotenzial prägen das Markgräflerland. Der letzte Heftdurchgang ist in vollem Gange, vielerorts sind die Laubwände bereits weit über den obersten Draht hinaus. Aktuell befinden wir uns zwischen BBCH 71 „Fruchtknoten vergrößern sich“ und BBCH 75 „Erbsengröße“. Die kühle Witterung lässt das Wachstum nun gemächlich voranschreiten.
Für eine verlässliche Aussage zur Verrieselung ist es noch etwas zu früh, zu beobachten ist jedoch aktuell eine verstärkte Verrieselung in lockerbeerigen Spätburgunderklonen.
Wie so oft gab es in der letzten Woche nur sehr lokal größere Niederschläge. In der Breite ging es jedoch nicht über 15 Liter hinaus. Ab nächster Woche steigen die Temperaturen wieder an und es wird wieder etwas sommerlicher.
Rebschutz:
In vielen Betrieben wurde am Wochenende bzw. Anfang der Woche die letzte Behandlung gefahren.
Der Fokus liegt aktuell weiter auf Oidium, der Behandlungsabstand liegt bei 10-12 Tagen. Somit ergibt sich der nächste Termin Mitte bis Ende nächster Woche. In dieser Behandlung muss in den Befallsgebieten auch gegen die Rebzikade behandelt werden.
Bitte achten Sie auch auf die Abdriftgefahr durch zu starken Wind und richten Sie Ihre Applikationstermine auch nach dem Windaufkommen.
Mittelempfehlung:
Peronospora
Da aktuell so gut wie keine Ölflecken zu finden sind, müssen die Infektionen weiterhin als Primärinfektionen vom Boden aus starten.
Es kann also weiterhin mit den „günstigen“ Kontaktmitteln gearbeitet werden wie z.B. Folpan 80 WDG (1,2 kg/ha) oder Folpan 500 SC (1,8 l/ha).
In Anlagen, welche in den nächsten 2 Wochen noch kein Laub geschnitten wird, kann um den Neuzuwachs besser zu schützen Phosphonaten wie z.B. Veriphos, Foshield, (jeweils 1,5 l/ha) oder Frutogard (2,25 l/ha) hinzugegeben werden. (Aufwand x1,5 reicht aus)
Oidium
Gegen Oidium sollten aktuell weiterhin wirkungsstarke Mittel eingesetzt werden, wie
Talendo (0,3l/ha) (Gruppe J) (Keine Mischung mit Netzschwefel, kann ausflocken),
Belanty (1,5 l/ha) (1,0l/10.000 m2) (Gruppe G) Hier finden Sie auch einen Dosierungsrechner für Belanty.
Dynali (0,6 l/ha) (Gruppe R/G)
Bitte achten Sie auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel! Es dürfen niemals zwei Mittel mit demselben Wirkstoff hintereinander eingesetzt werden.
Die Kombination eines Multi-Site-Wirkstoffes (Netzschwefel 3kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich beim organischen Mittel Resistenzen entwickeln. Aktuell fehlen dazu allerdings noch ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Beratung keine allgemeine Empfehlung für diesen Einsatz ausgesprochen werden.
Die Mittelmenge errechnet sich aus der Basismenge x 3
Stiellähme
Für eine bessere Versorgung und um der Stiellähme vorzubeugen, kann nach der Blüte der Zusatz von Epsotop-Bittersalz (12-14 kg/ha) mitappliziert werden. Keine Mischung mit Phosphonaten!
Traubenlockernde Maßnahmen
Durch eine gute Blüte ist die Wahrscheinlichkeit von kompakten Trauben und Fäulnis erhöht. Eine effektive Maßnahme, um die Kompaktheit der Trauben zu reduzieren, ist das „Ausblasen“, das ab dem Stadium „Schrotkorngröße“, möglich ist. Dabei sollten aber die Triebe den obersten Draht erreicht haben. Bei Anlagen mit einem höheren Anteil von Kurztrieben sollte noch gewartet werden. Ich weiß, das Zeitfenster für das „Ausblasen“ ist kurz. Dennoch sollten wir auf die Bevölkerung Rücksicht nehmen und nicht bereits mitten in der Nacht mit der Arbeit beginnen. Parzellen in direkter Dorfnähe sollten am Tag gefahren werden.
In den nächsten Tagen können in frühen Lagen auch andere Entblätterungsmaßnahmen starten. Gerade durch eine frühe Entblätterung wird das Botrytisrisiko gesenkt und die Applikationsqualität in der Traubenzone wird verbessert. Achten Sie bei allen Entblätterungsmaßnahmen, besonders bei den Weißweinsorten, auf eine schonende Umsetzung, um dem Sonnenbrand und den Aromaverlusten vorzubeugen. Bei der Handentblätterung hat sich das Entfernen der unteren Blätter bis zur ersten Traube bewährt.
Herbizide
Es häufen sich die Meldungen von nicht absterbendem Weidelgras in den Reben. Beim Einsatz von Glyphosat kann Fusilade Max (1 l / ha) zugesetzt werden, um eine Wirkung zu erzielen. Die Gräser bleiben im weiteren Verlauf stehen. Das typische Absterben und Umfallen bleiben jedoch aus. In Anlagen mit hohem Bewuchs sollte von jeder Seite behandelt werden.
Durch die Zunahme solcher Gräser müssen zukünftige Behandlungsstrategien überdacht werden. Im Zweifelsfall muss mechanisch bekämpft werden.
Nach der Mischung von Glyphosat und Fusilade Max sollte in der Spritze keine Restmenge verbleiben. Andernfalls kann es zu schmierigen Ausflockungen kommen.
Amerikanische Rebzikade
Mit der kommenden Behandlung muss in den Befallsgebieten gegen die Rebzikade behandelt werden. Wie auch letztes Jahr, werden nach der Ernte Stichprobenkontrollen durchgeführt.
Bitte beachten Sie dringend den „Rebschutzhinweis Amerikanische Rebzikade“ des WBI!
Hier noch einmal die wichtigsten Informationen zusammengefasst, bitte sorgfältig durchlesen, es gibt einige Neuerungen
- Es gibt mittlerweile 2 Allgemeinverfügungen. „AV Rebzikade“ (Befallsgebiet rot, gefährdetes Gebiet gelb) und die AV „Goldgelbe Vergilbung“ (Befallsgebiet lila, Gefährdetes Gebiet türkis)
- Eine Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade ist nach der Allgemeinverfügungen der Landratsämter Lörrach und Breisgau Hochschwarzwald in den Gebieten Rot, Lila, Blau bzw. Türkis verpflichtend und auch nur dort vorgesehen. Im Gelben Gebiet muss NICHT behandelt werden. Hier geht’s zur Befallskarte. In diese Karte kann man hineinzoomen, wodurch das Befallsgebiet flurstücksscharf abgebildet wird.
- Details zur Allgemeinverfügung finden Sie auf der Homepage des LRA Lörrach und Breisgau Hochschwarzwald.
- Durch die Nymphenbonitur des WBI ergibt sich ein Behandlungszeitraum für die 1. Behandlung ab dem 15.06.-22.06
- Die zweite Behandlung erfolgt 7-10 Tage später
- Die Insektizide können mit dem regulären Pflanzenschutz mitgefahren werden. Es ist keine extra Überfahrt nötig.
- 3-4 Tage vor der Bekämpfung sollten alle Stockausschläge entfernt werden, da die Zikade sich gerne darauf aufhält.
- Zur Bekämpfung der Larven im konventionellen Anbau stehen folgende Insektizide zur Verfügung
Trebon 30 EC (0,3l/ha, max. 1 Anwendung)
Karate Zeon (75 ml/ha, max. 2 Anwendungen)
SIVANTO Prime (0,5l/ha, max. 1x Anwendung, nur wenn letztes Jahr auf der Fläche nicht eingesetzt)
- Die erste Behandlung sollte mit dem Mittel Trebon 30 EC oder Karate Zeon erfolgen, die zweite Behandlung mit Sivanto Prime. Da die Anwendung nur alle 2 Jahre erlaubt ist, muss bei letztjähriger Applikation dieses Jahr auch die zweite Behandlung mit Karate Zeon erfolgen.
- Die Mittel SIVANTO prime und Karate Zeon haben die Einstufung B4 (nicht bienengefährlich), solange diese nicht mit Mittel aus der Gruppe G (Azole) gemischt werden.
- Das Mittel Trebon 30EC hat die Einstufung B2 und darf nur nach Ende der Bienenflugzeit ausgebracht werden. Hier ist auch die Uhrzeit in der Dokumentation aufzuzeichnen.
- Das Mittel Karate Zeon und Trebon 30 EC in den Abendstunden ausbringen. Zu dieser Tageszeit sind die Zikaden weniger aktiv und bleiben somit länger mit dem Mittel in Kontakt. Bei über 25°C verringert sich auch der Wirkungsgrad des Mittels.
- Das Mittel Sivanto Prime sollte erfahrungsgemäß nicht mit den Wirkstoffen Spiroxamin (Spirox, Prosper Tec und Luna Max) und Dithianon (Delan WG, Delan Pro und Aktuan) gemischt werden
Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Zikade sollten Betriebe, denen es möglich ist, jede Gasse befahren. Es ist weiterhin von Vorteil, wenn jede Gasse gemulcht ist, verpflichtend ist dies jedoch nicht mehr, da die Mittel nicht in B1 eingestuft sind.
Bei Rückfragen rufen Sie mich gerne an!
Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 18.06.
gez. Mattmüller