Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 9 

Lesezeit:
  • Teilen

Allgemeine Situation:

Aktuell kennen unsere Reben nur eine Richtung, - immer weiter aufwärts. Ist der erste Heftdurchgang abgeschlossen, steht der zweite unmittelbar bevor oder ist bereits in vollem Gange. Auch die Rebblüte ist dank der sommerlichen Temperaturen in Rekordtempo durchgelaufen. 

Mit dem Termin der „Vollblüte“ am 28.05. reiht sich das Jahr 2026 zu den anderen „frühen Jahren“ 2018 und 2020 ein.  Aktuell befinden wir uns 17 Tage vor dem langjährigen Mittel. Sektgrundweine und Federweißer werden somit vermutlich bereits Ende August gelesen werden können. 

Die Temperaturen sind seit dem Wochenende vor allem nachts wieder etwas niedriger, was auch das Wachstum zumindest etwas bremst. Die Niederschläge sind im Beratungsgebiet bisher sehr unterschiedlich ausgefallen und liegen zwischen 5mm und 20mm. Es bleibt weiterhin wechselhaft mit Tagesniederschlägen zwischen 5L und 10L, ab nächster Woche sollen die Temperaturen wieder etwas ansteigen. 

Rebschutz:

Aktuell herrschen perfekte Bedingung für Oidium. Durch die rasante Blüte sollte die nächste Behandlung im Abstand von 7-9 Tagen erfolgen. Hier bietet sich hier der Zeitraum zwischen Freitag und Montag an. 

Somit erhalten auch die Nachzügler den so wichtigen Schutz kurz nach dem Abwurf der Blütenkäppchen. Gerade der Gutedel, welcher bekanntermaßen etwas später blüht, aber mittlerweile voll dabei ist, wird somit sehr gut abgedeckt. 

Bitte achten Sie auch auf die Abdriftgefahr durch zu starken Wind und richten Sie Ihre Applikationstermine auch nach dem Windaufkommen. 

Mittelempfehlung:

Peronospora

Da aktuell so gut wie keine Ölflecken zu finden sind, müssen die Infektionen weiterhin als Primärinfektionen vom Boden aus starten.  

Sollten die prognostizierten Niederschläge auf niedrigem Niveau bleiben, kann mit den „günstigen“ Kontaktmitteln gearbeitet werden wie z.B. Folpan 80 WDG (1,0 kg/ha), Folpan 500 SC (1,5 l/ha) oder Delan SC (0,48l/ha) (0,4 l/10.000 m2) (max. 4 Anwendungen/Jahr).

Alternativ können bei höheren Niederschlägen auch Mittel wie Profiler (1,9 kg/ha) (Bereits Phosponat enthalten, Mischreihenfolge beachten, nur 1 x pro Saison), oder Videryo F (1,6 l/ha) eingesetzt werden.

In Anlagen, welche in den nächsten 2 Wochen noch kein Laub geschnitten wird, kann um den Neuzuwachs besser zu schützen Phosphonaten wie z.B. Veriphos, Foshield, (jeweils 1,5 l/ha) oder Frutogard (2,25 l/ha) hinzugegeben werden. (Aufwand x1,5 reicht aus) 

Oidium  

Wo noch nicht geschehen, kommen nun Mittel aus der SDHI-Gruppe zum Einsatz, wie z.B. 

Sercadis (0,15 l/ha) (Gruppe L)

Luna Experience (0,32 l/ha) (Gruppe G/L), aber nicht, wenn zuletzt azolhaltige Mittel appliziert wurden, 

Luna Max (0,83 l/ha) (Gruppe G/H) aber nicht, wenn zuletzt Prosper Tec bzw. Spirox appliziert wurde.

Als Alternative bzw. Folgeprodukt z.B. 

Talendo (0,25l/ha) (Gruppe J) (Keine Mischung mit Netzschwefel, kann ausflocken), 

Dynali (0,5 l/ha) (Gruppe R/G) oder 

Belanty (1,2 l/ha) (1,0l/10.000 m2) (Gruppe G) Hier finden Sie auch einen Dosierungsrechner für Belanty.

Bitte achten Sie auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel! Es dürfen niemals zwei Mittel mit demselben Wirkstoff hintereinander eingesetzt werden. 

Die Kombination eines Multi-Site-Wirkstoffes (Netzschwefel 3kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich beim organischen Mittel Resistenzen entwickeln. Aktuell fehlen dazu allerdings noch ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Beratung keine allgemeine Empfehlung für diesen Einsatz ausgesprochen werden.

Die Mittelmenge errechnet sich aus der Basismenge x 2,5

Traubenlockernde Maßnahmen

Durch eine gute Blüte ist die Wahrscheinlichkeit von kompakten Trauben und Fäulnis erhöht. Eine effektive Maßnahme, um die Kompaktheit der Trauben zu reduzieren, ist das „Ausblasen“, das ab dem Stadium „Schrotkorngröße“, möglich ist. Dabei sollten aber die Triebe den obersten Draht erreicht haben. Bei Anlagen mit einem höheren Anteil von Kurztrieben sollte noch gewartet werden. Ich weiß, das Zeitfenster für das „Ausblasen“ ist kurz. Dennoch sollten wir auf die Bevölkerung Rücksicht nehmen und nicht bereits mitten in der Nacht mit der Arbeit beginnen. Parzellen in direkter Dorfnähe sollten am Tag gefahren werden.   

In den nächsten Tagen können in frühen Lagen auch andere Entblätterungsmaßnahmen starten. Gerade durch eine frühe Entblätterung wird das Botrytisrisiko gesenkt und die Applikationsqualität in der Traubenzone wird verbessert. Achten Sie bei allen Entblätterungsmaßnahmen, besonders bei den Weißweinsorten, auf eine schonende Umsetzung, um dem Sonnenbrand und den Aromaverlusten vorzubeugen. Bei der Handentblätterung hat sich das Entfernen der unteren Blätter bis zur ersten Traube bewährt. 

Piwis

Aufgrund der Rebblüte sollten Piwis mit den nächsten 2 Überfahrten mitbehandelt werden. 

Herbizide

Es häufen sich die Meldungen von nicht absterbendem Weidelgras in den Reben. Beim Einsatz von Glyphosat kann Fusilade Max (1 l / ha) zugesetzt werden, um eine Wirkung zu erzielen. Die Gräser bleiben im weiteren Verlauf stehen. Das typische Absterben und Umfallen bleiben jedoch aus. Durch die Zunahme solcher Gräser müssen zukünftige Behandlungsstrategien überdacht werden. Im Zweifelsfall muss mechanisch bekämpft werden. 

Amerikanische Rebzikade

Das Wichtigste zuerst: Die anstehende Behandlung Nr. 5 ist für den Insektizideinsatz noch zu früh! Die Bekämpfung wird erst mit der darauffolgenden Behandlung Nr. 6 stattfinden. 

Bitte beachten Sie dringend den „Rebschutzhinweis Amerikanische Rebzikade“ des WBI!

Hier noch einmal die wichtigsten Informationen zusammengefasst, bitte sorgfältig durchlesen, es gibt einige Neuerungen

-        Es gibt mittlerweile 2 Allgemeinverfügungen. „AV Rebzikade“ (Befallsgebiet rot, gefährdetes Gebiet gelb) und die AV „Goldgelbe Vergilbung“ (Befallsgebiet lila, Gefährdetes Gebiet türkis) 

 

-        Eine Bekämpfung der Amerikanischen Rebzikade ist nach der Allgemeinverfügungen der Landratsämter Lörrach und Breisgau Hochschwarzwald in den Gebieten Rot, Lila, Blau bzw. Türkis verpflichtend und auch nur dort vorgesehen. Im Gelben Gebiet muss NICHT behandelt werden. Hier geht’s zur Befallskarte. In diese Karte kann man hineinzoomen, wodurch das Befallsgebiet flurstücksscharf abgebildet wird.

-        Details zur Allgemeinverfügung finden Sie auf der Homepage des LRA Lörrach und Breisgau Hochschwarzwald. 

-        Durch die Nymphenbonitur des WBI ergibt sich ein Behandlungszeitraum für die 1. Behandlung ab dem 15.06.-22.06

-        Die zweite Behandlung erfolgt 7-10 Tage später

-        Die Insektizide können mit dem regulären Pflanzenschutz mitgefahren werden. Es ist keine extra Überfahrt nötig.

-        3-4 Tage vor der Bekämpfung sollten alle Stockausschläge entfernt werden, da die Zikade sich gerne darauf aufhält.

-        Zur Bekämpfung der Larven im konventionellen Anbau stehen folgende Insektizide zur Verfügung

Trebon 30 EC (0,3l/ha, max. 1 Anwendung)

Karate Zeon (75 ml/ha, max. 2 Anwendungen)

SIVANTO Prime (0,5l/ha, max. 1x Anwendung, nur wenn letztes Jahr auf der Fläche nicht eingesetzt)

-        Die erste Behandlung sollte mit dem Mittel Trebon 30 EC erfolgen, die zweite Behandlung mit Sivanto Prime. Da die Anwendung nur alle 2 Jahre erlaubt ist, muss bei letztjähriger Applikation dieses Jahr auf Karate Zeon ausgewichen werden.

-        Die Mittel SIVANTO prime und Karate Zeon haben die Einstufung B4 (nicht bienengefährlich), solange diese nicht mit Mittel aus der Gruppe G (Azole) gemischt werden. 

-        Das Mittel Trebon 30EC hat die Einstufung B2 und darf nur nach Ende der Bienenflugzeit ausgebracht werden. Hier ist auch die Uhrzeit in der Dokumentation aufzuzeichnen.  

-        Das Mittel Karate Zeon und Trebon 30 EC in den Abendstunden ausbringen. Zu dieser Tageszeit sind die Zikaden weniger aktiv und bleiben somit länger mit dem Mittel in Kontakt. Bei über 25°C verringert sich auch der Wirkungsgrad des Mittels.

-        Das Mittel Sivanto Prime sollte erfahrungsgemäß nicht mit den Wirkstoffen Spiroxamin (Spirox, Prosper Tec und Luna Max) und Dithianon (Delan WG, Delan Pro und Aktuan) gemischt werden

Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Zikade sollten Betriebe, denen es möglich ist, jede Gasse befahren. Es ist weiterhin von Vorteil, wenn jede Gasse gemulcht ist, verpflichtend ist dies jedoch nicht mehr, da die Mittel nicht in B1 eingestuft sind. 

Bei Rückfragen rufen Sie mich gerne an! 

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 11.06.                          

gez. Mattmüller