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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 8
Allgemeine Situation:
Das frühsommerliche Wetter sorgt nicht nur für ein irrsinniges Wachstum, sondern beschert uns eine rasante Rebblüte, welche nun seit den letzten Tagen in den frühen und mittleren Lagen zwischen Beginn und Vollblüte steht. Bis zum Wochenende bleiben uns diese Temperaturen auch weiterhin erhalten, weshalb sich während der aktuell laufenden Heftarbeiten auch Gedanken zum Einsatz von Bioregulatoren gemacht werden sollten. Das aktuelle Wetter verspricht eine rasante und perfekt verlaufende Blüte, was gleichzeitig auch zu einer dichten Traubenstruktur führt. In Verbindung mit dem Gescheinsansatz sowie deren Größe, darf also auf eine große Ernte gehofft werden, auch wenn der Weg bis dorthin noch lange ist. Genauer gesagt noch etwas mehr als 100 Tage…
Auf Sonntag und Anfang nächster Woche sind Niederschläge gemeldet. Zwar aktuell nur in geringem Ausmaß, jedoch mit Gewitterwahrscheinlichkeit. Was diese an unvorhergesehenem Regen mit sich bringen könne, wissen wir alle… Zeit also die nächste Pflanzenschutzmaßnahme zu planen.
Rebschutz:
Mittlerweile wurden die ersten Ölflecke gefunden. Diese sind zwar bei aktuellem Wetter kein Problem, zeigen jedoch im Nachhinein, wie wichtig ein sauberer Pflanzenschutz von Beginn an ist.
Selbst bei Betrieben, welche vergangenes Wochenende ihre letzte Behandlung durchgeführt haben, liegt der Zuwachs bei mehr als 600cm2. Somit wird die nächste Behandlung auf diesen Freitag/Samstag empfohlen, um sämtliche Peronosporainfektionen, welche die Niederschläge am Sonntag mit sich bringen, sauber abzufangen.
Mittelempfehlung:
Peronospora
Sollten die prognostizierten Niederschläge weiterhin unter 15L bleiben, kann weiterhin mit den „günstigen“ Kontaktmitteln gearbeitet werden wie z.B. Folpan 80 WDG (0,8 kg/ha), Folpan 500 SC (1,2 l/ha), Delan WDG (0,4 kg/ha, dieses Jahr aufbrauchen) oder das neue Delan SC (0,4l/ha) (0,4 l/10.000 m2).
Alternativ können bei höheren Niederschlägen auch Mittel wie Profiler (1,5 kg/ha), Phosphonat schon enthalten) oder Videryo F (1,25 l/ha) eingesetzt werden.
Um den Neuzuwachs besser zu schützen wird der Zusatz von Phosphonaten wie z.B. Veriphos, Foshield, (jeweils 1,5 l/ha) oder Frutogard (2,25 l/ha) zur Spritzbrühe empfohlen. (Aufwand x1,5 reicht aus) Werden andere Produkte eingesetzt, sind die entsprechenden Aufwandmengen zu beachten. Alternativ kann auch das Kombinationsmittel Delan Pro (2,4l/ha) eingesetzt werden.
Oidium
Gerade in der Blüte sind die Reben sehr anfällig gegen Oidium, weswegen nun organische Mittel zum Einsatz kommen sollten wie z.B. Prosper Tec (0,66 l/ha) (Gruppe H), Spirox (0,4 l/ha) (Gruppe H). Als Alternative bzw. Folgeprodukt z.B. Dynali (0,4 l/ha) (Gruppe R/G) oder Belanty (1 l/ha bei 1m Laubwandhöhe bzw. 3 Düsenpaare und 2m Gassenbreite, ansonsten 1,0 l/10.000 m2) (Gruppe G)
Hier finden Sie auch einen Dosierungsrechner für Belanty.
Sollten Ihre Anlagen bis zur nächsten Behandlung in Vollblüte stehen, sollten Mittel aus der SDHI-Gruppe zum Einsatz kommen, wie z.B. Sercadis (0,12 l/ha) (Gruppe L), Luna Experience (0,25 l/ha) (Gruppe G/L), aber nicht, wenn zuletzt azolhaltige Mittel appliziert wurden oder Luna Max (0,66 l/ha) (Gruppe G/H) aber nicht, wenn zuletzt Prosper Tec bzw. Spirox appliziert wurde.
Die Mittelmenge errechnet sich aus der Basismenge x 2
Amerikanische Rebzikade
In den kommenden Tagen werden Sie über die aktuell zugelassenen Mittel gegen die Amerikanische Rebzikade informiert. Die Behandlung wir dieses Jahr vermutlich Mitte Juni stattfinden müssen. Mehr dazu in der nächsten Weinbauinfo.
Bitte bedenken Sie, dass vor der Behandlung sämtliche Stammaustriebe entfernt werden müssen, damit die Zikadenlarven an die Bogrebe wandern und dort erfasst werden können.
Hier finden Sie die aktuelle Befallskarte.
Traubenlockernde Maßnahmen
Gerade bei solch einem perfekten Blütewetter zeigt die Erfahrung, dass sich der Einsatz von Bioregulatoren auszahlt und das Fäulnisrisiko deutlich gesenkt wird.
Der Einsatz von Bioregulatoren wäre also durchaus sinnvoll. Dies gilt auch für die Langzapfenkordon-Anlagen.
Der Einsatz von Gibb 3 zum Termin „Vollblüte“ (50% der Blütenkäppchen abgeworfen) mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten/ha bei Spätburgunder, 9 – 10 bei Weißburgunder und 14 bei Grauburgunder, hat sich bei den kompakten Burgundersorten in der Praxis bestens bewährt.
Bitte beachten Sie die Anwendungsempfehlungen (Tabletten gut auflösen, Zusatz von Haftmittel, z.B. Adhäsit, jede Gasse fahren, Spritzung solo, nicht mit PSM mischen, ca. 600 l/ha Wasseraufwand, langsame Antrocknung, deshalb bei hohen Temperaturen und niederer Luftfeuchtigkeit nur frühmorgens oder in den Abendstunden spritzen). Das Produkt Berelex 40 SG, Wirkstoff Gibberelinsäure, hat eine Zulassung für Spät-, Grau- und Weißburgunder, sowie für Schwarzriesling und Portugieser. Aufwandmenge 5g/hl Brühe bei 500l Wasser/ha. Gleiche Einsatzbedingungen wie Gibb 3.
Alternativ hat Regalis Plus aktuell eine Zulassung für alle Rebsorten. Erfahrungsgemäß kann es bei der Anwendung von Regalis Plus zu stärkeren Ertragsreduzierungen, insbesondere bei der Sorte Weißburgunder, kommen. Als Aufwandmenge wird empfohlen: 1,0 -1,2kg/ha für Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Auxerrois, 1,2 kg/ha für Spätburgunder, Grauburgunder, Gewürztraminer, Muskateller und 1,5 kg/ha für Riesling, Müller-Thurgau, Gutedel, Dornfelder und Acolon, ebenfalls zum Termin „Vollblüte“. Bitte beachten Sie, dass bei Benetzung der Triebspitzen phytotoxische Reaktionen (Berostungen, Triebspitzen können abbrechen) entstehen können. Dies kann insbesondere die Nachpflanzreben (Hochstamm) treffen. Es empfiehlt sich daher nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ansonsten gleiche Verfahrensweise wie bei Gibb 3. Bitte beachten sie genau die Bestimmungen auf dem Beipackzettel, (Regalis Plus Pack = Regalis plus Zitronensäure).
Eine Alternative hierzu stellt das Ausblasen mittels Drucklufttechnik dar. Nutzen Sie diese Technik und nehmen Sie frühzeitig Kontakt zu einem Lohnunternehmer auf, um das kurze Zeitfenster nutzen zu können.
Piwis
Aufgrund der Rebblüte sollten Piwis mit den nächsten 2 Überfahrten mitbehandelt werden.
Junganlagen:
Junganlagen ab dem 3-Blatt-Stadium sollten vor den nächsten großen Niederschlägen ebenfalls behandelt werden.
Nächster Aufruf am Mittwoch, dem 03.06.
gez. Mattmüller