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Weinbauinfo-Nr. 13-2020

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Agenda      Erste Ölfleckenmeldung
                  Ansteigender Peronosporainfektionsdruck
 
Stand der Vegetation, Witterung und Weinbau

Nur noch die höheren, späteren Reblagen am Kaiserstuhl befinden sich in der Blüte. Damit haben wir einen zeitlichen Verzug von 14 Tagen gegenüber den frühen Lagen am Kaiserstuhl, die schon vor Pfingsten in der „Abgehenden Blüte“ waren. Im Moment befinden wir uns überwiegend im Stadium der Fruchtentwicklung, „Fruchtknoten beginnen sich zu vergrößern, die Beeren putzen sich“, BBCH 71. In diesem Stadium lösen sich die unbefruchteten Beeren vom Stielgerüst. Beim Strippen oder auch bei der pneumatischen Entblätterung fallen diese bevorzugt ab. Stärkere Verrieselungen sind bisher nur in Einzelfällen zu beobachten. Insgesamt kann von einem überraschend guten Blüteverlauf berichtet werden. Insbesondere, wenn man an die Auswirkungen des Spätfrostes vom 12.05., die Trockenheit und an die stark abkühlenden Nachttemperaturen vor der Blüte zurückdenkt.
Die Niederschläge seit dem 03.06. mit ca. 30 mm haben wiederum für eine gute Durchfeuchtung des Oberbodens gesorgt und fördern die N-Mineralisierung. Die Anlagen scheinen nun deutlich grüner, vitaler und wüchsiger. In vielen Anlagen ist die Laubwand oben und es wird schon über den ersten Gipfeltermin nachgedacht. In den überwiegenden Flächen läuft der letzte Heftgang. Aber es gibt auch einige schwachwachsende Anlagen mit deutlicher Kurztriebigkeit, die im Wachstum hinterherhinken. Gerade auf den Trockenstandorten fehlte zum Vegetationsbeginn die Nährstoffmineralisation und das Wasser um ein gleichmäßiges Wachstum zu generieren. Einige Winzer überlegen eine Nachblütedüngung. Andere Denken an Bodenbearbeitung. Beides kann das Wachstum der Reben anregen, kann aber auch das Fäulnisrisiko, besonders in frühen Vegetationsjahren wie 2020, steigern. Eine gezielte Blattdüngung kann hier die Entwicklung fördern!
Die Junganlagen wachsen prächtig. Hier haben die Niederschläge der letzten Wochen ausgereicht um für ein nachhaltiges Wachstum zu sorgen.
Die ersten Ölflecke der Peronospora wurden gemeldet. Witterungsbedingt richten sich die nun anstehenden Pflanzenschutztermine nach der Peronospora aus.
Die Wettervorhersage meldet für Morgen und Donnerstag weitere Schauer, evtl. Gewitter, wobei die Niederschlagswahrscheinlichkeit gerade wieder etwas abnimmt. Ab Freitag und Samstag wird überwiegend trockenes Wetter mit deutlich ansteigenden Tageshöchsttemperaturen bis 28°C, vorhergesagt. Ab Sonntag und im Verlauf der nächsten Woche besteht erhöhte Schauer- und Niederschlagswahrscheinlichkeit.
Bestes Spritzfenster diese Woche ist am Freitag!!!
 
Rebschutz
Traubenwickler
In Gebieten ohne Pheromonverwirrung
findet man, teilweise trotz Bekämpfung des Heuwurms, leere Gespinste. Es ist davon auszugehen, dass der Flug des Traubenwicklers in den nächsten Tagen beginnt. Bitte tauschen sie jetzt, wo noch nicht geschehen, die Leimböden und Köder in Ihren Kontrollfallen und rüsten Sie diese für die Flugbeobachtung der zweiten Generation!!!
 
 
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Die Niederschläge seit dem 03.05. haben zu weiteren Bodeninfektionen der Peronospora geführt. Erste Ölflecke sorgen für ein höheres Sprorenpotential in den Reben und erhöhen das Peronosporainfektionsrisiko von ungeschützten Trauben, Stielgerüsten, Blättern und Trieben (Neuzuwachs). Weitere vorhergesagte Niederschläge können unter den gegebenen Bedingungen auch Sekundärinfektionen der Rebenperonospora auslösen. Der Spritzabstand beträgt maximal 10 Tage!!!
Um dieser Situation im Pflanzenschutz gerecht zu werden empfehlen wir zur Peronosporabekämpfung, für anstehende Behandlung in dieser Woche, je nach Spritzabstand und Mitteleinsatz der vorherigen Spritzung, schwerpunktmäßig den Einsatz von tiefenwirksamen Peronosporafungiziden wie z.B. Zorvec Zelavin Bria (2 Komponenten) 0,24 L/ha Zelavin und 1,2 Kg/ha Folpet (maximal 1 Anwendung pro Saison) oder Orvego 1,2 L/ha oder Melody Combi 1,8 Kg/ha oder Aktuan 1,5 Kg/ha oder Forum Gold 1,44 Kg/ha oder Fantic F 1,8 Kg/ha.
Bei Einsatz von Kontaktfungiziden wie z.B. Folpan 80 WDG empfehlen wir den Zusatz von Veriphos 3 L/ha oder Frutogard 3 L/ha oder alternativ das Kombinationspräparat Delan Pro 3,6 l/ha (Kontaktfungizid + Phopshonat).
Mit der vorhergesagten Witterung (höhere Tagestemperaturen, morgendlicher Tau etc.) nimmt das Oidiuminfektionsrisiko zu. Die wachsenden Beeren sind in einem hochempfindlichen Stadium. Deshalb empfehlen wir gegen Oidium den Einsatz eines potenten organischen Oidiumfungizid wie z.B. Talendo 0,3 L/ha (J) oder Dynali 0,6 L/ha (R/G) oder Kusabi 0,225 L/ha (K) bzw. Vivando 0,24 L/ha (K). Bitte beachten Sie hierzu die Tabelle Antiresistenzstrategie im Rebschutz 2020, S. 11!!! Führen sie bei jeder anstehenden Behandlung eine Wirkstoffwechsel durch.  
Bei letztjährigen Befallsanlagen, besonders gefährdeten Rebsorten und Lagen, sowie bei ungenügender Applikationstechnik empfehlen wir die Behandlung jeder Zeile (jede Gasse fahren) um eine gute Applikationsqualität zu erreichen.
Bitte beachten Sie die Angaben und Vorschriften auf dem Beipackzettel der angewendeten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz und zur Persönlichen Schutzausrüstung des Anwenders und betreffend die weinbaulichen Nacharbeiten!!! Der Wasseraufwand beträgt 600-800 L/ha im Spritz- bzw. 350-500 L/ha im Sprühverfahren. Die angegebene Mittelkonzentration bezieht sich auf die fertige Spritzbrühe je ha (= Basisaufwand x 3,0) und orientiert sich am aktuellen Entwicklungsstand der Reben.
 
Blattdüngung

Zur vorbeugenden Behandlung gegen Stiellähme empfehlen wir ab der jetzt anstehenden Behandlung den Zusatz von Bittersalz 10-12 Kg/ha. Alternativ einen flüssig formulierten Magnesiumdünger wie z.B. Provita Magnesium 3 L/ha oder Lebosol Magnesium 400 SC 3 L/ha.
Schwachwüchsige, kurztriebige Reben können mittels einem stickstoffhaltigen Blattdünger im Stoffwechsel angeregt werden. Hierzu empfiehlt sich z.B. Aminosol 2-3 L/ha oder Aminofert-N 3 L/ha oder Harnstoff 0,5 Kg je 100 L Spritzbrühe.
 
 
 
 
Weinbauliche Arbeiten
Teilentblätterung der Traubenzone

Nach Blüteende stehen die Teilentblätterung der Traubenzone auf dem Arbeitskalender. Mit dem „pneumatischen Entblättern, Ausblasen“ wurde bereits begonnen, da hier oft nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung steht. Bitte achten sie auf ein moderates Ausblasen der Traubenzone (mittlerer Druck ca. 0,5-0,6 bar). Bei der Handentblätterung sollte bei den roten Sorten jetzt zuerst die Sonnenseite entblättert werden damit sich die Trauben früh an die Sonne gewöhnen. Es sollten aber maximal die untersten 2 Blätter und die Geiztriebe in der Traubenzone entfernt werden. Bei den Weißweinsorten sollte generell nur von der Schattenseite und ebenfalls nur die unteren zwei Blätter und die Geiztriebe entfernt werden. Für den Einsatz der Saug-Zupftechnik ist es je nach Entwicklung noch etwas zu früh. Optimaler Termin ist das beginnende Hängen der Trauben.
Junganlagen und Rebschulen
Aufgrund der bodennahen Triebe und Blätter sind die Junganlagen besonders hohem Peronospora und Oidiumrisiko ausgesetzt. Ein konsequenter wöchentlicher Pflanzenschutz mit Kontaktmittel und einem organischen Oidiummittel sind hier durchzuführen.
Termingerechtes Aufheften der Triebe ist die beste Voraussetzung für einen geraden Stamm.
Pilzwiderstandsfähige Reben (PIWI)
Das aktuelle, witterungsbedingte Infektionspotential der Pilzkrankheiten erfordert vor während und nach der Blüte auch Pflanzenschutzbehandlungen in diesen Rebanlagen um diese insbesondere von Oidiumbefall zu schützen.
Tafeltrauben
Tafeltrauben haben beim Pflanzenschutz eine separate Zulassung der möglichen einzusetzenden Pflanzenschutzmittel. Besonders, wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden ist zu beachten, dass nur PSM mit entsprechender Tafeltraubenzulassung angewendet werden.
 
 
Der nächste Aufruf erfolgt vegetationsbezogen innerhalb einer Woche.
 
Gez. Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

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