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Weinbauinfo Tuniberg Nr. 9

Datum: 06.06.2019

Allgemeiner Entwicklungsstand

Der Witterungsverlauf des Monats Juni begann mit einem Paukenschlag. Hochsommerliche Temperaturen von über 30° C in den letzten Tagen bilden einen starken Kontrast zum kühlen Mai und treiben die Entwicklung rasant voran. Die Reben wuchsen bis zu 5 cm an einem Tag. In den frühen Lagen sehen wir in etlichen Anlagen Blühbeginn, früher als gedacht. In den späteren Lagen am Tuniberg und im Bodenseeraum stehen die Reben bei 8 – 10 Blatt. Im Vergleich zum Tuniberg stehen die Reben im Bodenseeraum sehr einheitlich. Über Pfingsten bleibt es nach der Vorhersage warm und schön, so dass das Wachstum anhält. Für kommende Woche wird generell nicht so warmes und wechselhaftes Wetter mit häufigeren, teils kräftigen Regen angesagt.

Zu den tierischen Schädlingen

Auffälligkeiten liegen aktuell nicht vor.

Zu den Pilzkrankheiten

Inzwischen sind vom Tuniberg die ersten Meldungen von einzelnen Ölflecken der Peronospora eingetroffen, die teilweise auch sporulieren. Der Bodenseeraum zeigt sich gesund. Der hohe und rasante Zuwachs in den Beständen lässt keine zu langen Abstände zu, da durch die nun vorliegende wärmere Witterung die Entwicklung der Peronospora ebenfalls stark begünstigt wird. Die grosse Mehrheit der Winzer hat zu Wochenanfang behandelt. Hier steht der nächste Termin eigentlich bis spätestens Mitte kommender Woche an, allerdings verbunden mit dem Risiko, auf Grund der aktuellen Wettervorhersage eine tiefenwirksame Strategie wählen zu müssen. Bei häufigeren Regen ist hier aber die Umsetzung gefährdet. Die Feiertage liegen nicht günstig, da diese den besten Termin darstellen. Sollte sich daher die Wettervorhersage im Trend verdichten, wäre selbst hier Samstag dieser Woche der bessere Tag. Wer vor dem vergangenen Wochenende behandelt hat, behandelt auf jeden Fall direkt vor den Pfingstfeiertagen. Achten Sie unbedingt auf die Wetteransage. Zum Einsatz kommen für die nächste Behandlung: ein Peronosporakontaktmittel wie z.B. Polyram WG mit 1,6 kg / ha oder Folpan 80 WDG mit 0,8 kg / ha Mittelaufwand. Beim Zusatz von Phosphonaten beträgt der Mittelaufwand 2,0 l / ha Veriphos. Alternativ können auch Mittel, die Phosphonat schon enthalten, wie z.B. Delan Pro mit 2,4 l / ha Mittelaufwand verwendet werden. Für ein neues Mittel wäre dies ein Termin für das Mischprodukt Zorvac ZB, der flüssige Anteil mit 0,16 l / ha Mittelaufwand. Die Aufwandmenge des Granulat - Mischungspartners richtet sich nach Folpan 80 WDG. Die Packungsgrössen sind aber ungünstig für Kleinbetriebe. In diesjährigen Junganlagen ist der Einsatz von Phosphonat noch viel zu früh, die Trieblänge sollte mindestens 20 cm betragen. Sollte zum Pflanzenschutztermin kräftiger Regen fallen, muss tiefenwirksam mit Forum Star, Melody Combi, Vincare oder ähnlichen Mitteln mit der empfohlenen Aufwandmenge (Basisaufwand x 2) umgehend danach behandelt werden. Dazu Schwefel gegen Odium und Kräusel – und Pockenmilben mit 3,6 kg / ha Mittelaufwand, was bei den aktuell kurzen Abständen vor der Blüte ausreicht. Der Wasseraufwand beträgt 800 l / ha im Spritz – und 400 l / ha im Sprühverfahren.

Die sich abzeichnende Blüte ist der Einsatzzeitpunkt für die Bioregulatoren Gibberellin, Produkte Gibb3 oder Berelex 40 SG, oder Regalis Plus in Sorten und Klonen mit kompakten Trauben. Der optimale Einsatzzeitpunkt ist Vollblüte, 50% Blütenkäppchen offen, also nicht das ganze Geschein weiss. Beobachten Sie ihre Anlagen und den Blüteverlauf ab jetzt genau, um Lagenunterschiede abgreifen zu können. Nachtemperaturen unter 10° C sind für einen Einsatz kritisch. Der Einsatz von Gibb 3 zum Termin „Vollblüte“ mit einem Aufwand von 10-12 Tabletten / ha mit Gibb 3 bei Spätburgunder, 9 – 10 bei Weissburgunder und 14 bei Grauburgunder oder gleiche Beutelzahl bei Einsatz von Berelex 40 SG, hat sich in der Praxis bestens bewährt. Alternativ hat Regalis Plus eine Zulassung für alle Rebsorten. Erfahrungsgemäß kann es bei der Anwendung von Regalis zu stärkeren Ertragsreduzierungen kommen. Deshalb empfehlen wir die Variante mit der reduzierten Aufwandmenge von 1,0-1,2 kg / ha für Burgundersorten und 1,2-1,5 kg/ha für Sauvignon blanc, Riesling, Gewürztraminer, Scheurebe, Muskateller ebenfalls zum Termin „Vollblüte“. Bitte beachten sie, dass bei Benetzung der Triebspitzen phytotoxische Reaktionen (Berostungen, Triebspitzen können abbrechen) entstehen können. Uneinheitliche Anlagen im Wuchs sind nur durch exakte Einstellung der Düsen besser zu handhaben. Es empfiehlt sich daher, nicht von unten nach oben zu sprühen, sondern eher horizontal bzw. von oben leicht nach unten! Ansonsten gleiche Verfahrensweise wie bei Gibberellin. Bitte beachten Sie genau die Bestimmungen auf dem Beipackzettel, ins besonders die empfohlene Beimischung der Zitronensäure zur Reduzierung der Wasserhärte der Spritzbrühe (Regalis Plus Pack = Regalis plus Zitronensäure).

Bitte beachten Sie grundsätzlich die aktuellen Anwendungsbestimmungen und die Gebrauchsanleitung!

Weinbauliche Hinweise
Es gilt, bei den Heftarbeiten den Anschluss zu halten. Durch das rasche Wachstum sind die Triebe sehr brüchig.

Sonstige Hinweise

Für eine rasche weitere Bearbeitung des Förderverfahrens ist es wichtig, dass die Pfropfrebenrechnung sowie die Rechnung für Tropfschläuche zeitnah an das Landratsamt geschickt werden, sobald die beantragten und zu fördernden Maßnahmen (Pflanzung, Tröpfchenbewässerung, evtl. Erstellung des Drahtrahmens) abgeschlossen sind. Letzte Frist für das Vorliegen dieser Rechnungen im Landratsamt ist der 15.07.2019. Ein Drahtrahmen ist nur in den Flächen zu erstellen, die im Flächenverzeichnis zum Infoschreiben mit der Hinweis-Nr. 3370 geführt werden. Ein Drahtrahmen gilt als erstellt, wenn entweder Pflanzstäbe, Endpfähle und der erste Draht, oder Pflanzstäbe, und Mittelpfähle erstellt sind.

Sofern nicht anderst erforderlich erfolgt das nächste Weinbauinfo am 13. Juni 2019.



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