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Weinbauinfo Tuniberg Nr. 19

Datum: 05.09.2019

Allgemeiner Entwicklungsstand

Inzwischen sind wir in der Frühphase des Herbstes angekommen. Der August ging als eher feuchter Monat, aber nur nach den Zahlen. Dabei ist ein starkes West – Ost Gefälle vorhanden, der Bodenseeraum erhielt wesentlich mehr Regen. So fielen im Raum Kressbronn über 330 mm von Ende Juli bis Ende August, das rund dreifache wie im Oberrheintal. Trotz der Regen haben wir im Westen tendenziell eher trocken, was an den generell höheren Temperaturen mit stärkerer Verdunstung liegen kann. Der August schliesst mit rund 2° C über dem langjährigen Mittel ab. Das Beratungsgebiet blieb von Einflüssen wie Hagel bisher verschont. Insgesamt haben wir einen erfreulichen Gesundheitszustand, wobei im Bodenseeraum – wen wundert’s nach solchen Regemengen – Botrytis häufiger zu sehen ist. Hier zeigt sich nun der Wert der vorbeugenden lockernden Massnahmen: bei Lockerung finden sich kaum frühe Botrytisstellen. Die Niederschläge haben in den kompakten Sorten oder Klonen zu sehr satten Trauben geführt. Die Reifeentwicklung verläuft erfreulich positiv. Für eine gute physiologische Reife braucht es aber noch Zeit. Wir bewegen uns vergleichbar 2016, was damals der langjährige Schnitt war. Die Aussichten für die kommenden ca. 10 Tage sind für uns positiv. Wenig Regen und moderate Temperaturen mit Maximum bis um die Mitte 20° C und nachts um 10°C. Das fördert und erhält die Frucht, bringt keinen raschen Säureabbau und keine Botrytisschübe. Gäbe es einen Preis für die bestwachsende Pflanze im Jahr, Amarant hätte beste Chancen.

Zu den tierischen Schädlingen

Trotz der phasenweise starken Hitze hatten wir insgesamt ein eher günstiges Jahr für die KEF, was auch an der höheren Luftfeuchte liegt. Die Flugzahlen sind höher wie in den vergangenen Jahren. So ist es nicht verwunderlich, dass in den Frühsorten wie Accolon, Regent, Dunkelfelder, Roter Muskateller, Dornfelder und dem im Markgräflerland verbreiteten Roten Gutedel inzwischen in vielen Anlagen Befall zu finden ist. Teilweise liegen schon schäumende Beeren vor. Etliche Anlagen sind schon unter Behandlung, was sich sofort in den Befallszahlen niederschlägt. Ebenso wurde die Produktion von Neuem Süssen für die weitere Befallsverhinderung genutzt. Für die Produktion von Weinen aus reifen Trauben sind Behandlungen aber unumgänglich. Darüber hinaus findet man in Anlagen mit kompakten Trauben – abhängig von den regionalen Niederschlagsmengen - immer wieder Botrytisnester und allgemein immer wieder aufgeplatzte oder durch Ameisen oder Wespen verletzte Beeren. Diese waren zurückliegend und sind derzeit, sowohl für die Einheimische Essigfliege, als auch für die KEF einladende Orte zur Eiablage.

Für alle frühen Sorten gilt, dass bei sichtbarem Besatz von Fliegen, ca. 5 – 10 / Stock – oder ersten Eifunden eine Behandlung durchzuführen ist. Bei Vorliegen von schäumenden Beeren ist es „höchste Eisenbahn“, da hier schon aktive Maden vorhanden sind, die die Population weiter zusätzlich anschieben. Achten Sie auf die Wartezeit von 14 Tagen, bei Exirel von 10Tagen. Eine Eingrenzung des Behandlungsumfangs ist dieses Jahr nur empfehlenswert, wenn durch Bonituren – eigene oder externe - die Befallsfreiheit gesichert ist.

Die Tabelle gibt den derzeitigen Zulassungs- bzw. Genehmigungsstand wieder, sofern Behandlungen erforderlich werden sollten. Schwerpunkt ist das Kombinationsverfahren, da dies den grössten Bienenschutz bietet, wie Dr. Wallner vom Institut für Bienenkunde der Universität Hohenheim immer wieder darlegte. Beim Einsatz von Exirel in der Kombinationsmethode sind 15 ml Exirel zu verwenden.

Bei Selektionsanlagen und bei Anlagen mit mischbeerigen Trauben der Sorten Spätburgunder und Grauburgunder– insbesondere in den kritischen Randbereichen – sollte ab jetzt eine intensive Kontrolle durchgeführt werden, da diese in der Reife vorauslaufen. Bei festgestellter deutlicher Flugaktivität (durchschnittlich mehr als 5-10 KEF pro Stock) in der Traubenzone und / oder Eibefall empfehlen wir auch in diesen Anlagen eine Bekämpfung durchzuführen. Für einen großflächigen Einsatz besteht keine Notwendigkeit, da in der Burgundergruppe bisher in den Proben kein Eibefall vorliegt und die Reife für eine grössere Attraktivität noch fehlt. Drehen Sie bei der Probe die Trauben um, da die KEF Eier bevorzugt im Schatten ablegt. In entblätterten Anlagen findet sich der Befall daher bevorzugt auf der Rückseite der Trauben. Dies gilt ebenso für alle anderen Sorten.

Beachten Sie unbedingt die Hinweise zum Bienenschutz, die im letzten Info von Kollegen Stücklin mitgeteilt wurden.

Zum Reifeverlauf

Das Jahr 2019 verspricht eine Lese, die sich wieder im Normalbereich befindet. Das zeigt die starken Schwankungen, denen wir in den vergangenen Jahren unterworfen werden. Die physiologische Reife braucht noch Zeit. So reift die Hoffnung auf einen fruchtig – frischen Jahrgang und eine Lese, bei der die gewünschten Alkoholgrade gezielt erreicht werden. In der Gesamtheit gehen wir mit schönen und gesunden Beständen dem Herbst entgegen. Der Gesundheitszustand besonders in den kompakten Trauben hängt stark von den regionalen Niederschlägen ab. Botrytisnester finden sich dort häufiger, wo Einzelniederschläge im August sehr hoch waren oder generell die Regenmange weit über dem Schnitt. In warmen Lagen finden sich schon in Essig umgewandelte Botryitisnester. Hier wird empfohlen, diese Nester aus den Anlagen zu entfernen, auch um die Ausbreitung der Fruchtfliegen einzudämmen. Ebenfalls wie in den letzten Jahren findet sich öfters Ameisenfrass. Die Einzelbeeren sind oft von Fruchtfliegen belegt, werden aber oft rasch ausgefressen und trocknen ein. In diesem Zusammenhang ist die Wetterprognose für uns sehr günstig. Wie schon angedeutet, ist der bisherige Reifeverlauf erfreulich. Die Reifezunahme war besonders in der letzten Woche ausgeprägt, über 10° Oe sind oft eingetreten. Eigene Daten werden erst zu Anfang kommender Woche vorliegen, aber die Daten vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg, von Kollegen und Ergebnisse aus den Saftlesen zeigen im südlichen Oberrheingebiet aktuell folgende Werte:

Regent:

Aus den ersten Lesen für Wein und von Bonituren um die 80° Oe bei gesunden Trauben, abgesehen von KEF.

Müller – Thurgau:

64 bis 74° Oe bei überwiegend gutem Gesundheitszustand. Leichte Botrytis gelegentlich zu finden.

Gemeldete aktuelle Tankdurchschnitte von neuem Süssen: 65° Oe

Burgundergruppe:

Abhängig von Ertrag und Lage von Mitte 60° Oe bis Mitte 70° Oe, Selektionsanlagen überschreiten 80° Oe.

Weinbauliche Hinweise

In den Anlagen sollten noch hochstehende Begrünungen nun umgehend gemulcht oder gewalzt werden. Späte Entblätterungen sind vorteilhaft, achten Sie aber auf Verletzungen. Leichte Beerenrisse sind schnell vorhanden.

Das nächste Weinbauinfo erscheint mit Hinweisen zum Reifeverlauf und zur Lage bei der KEF nächste Woche. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

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