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Weinbauinfo Tuniberg Nr. 17

Datum: 07.08.2019

Allgemeiner Entwicklungsstand

Eine Regenfront mit teilweise Gewittern brachte eine ersehnte Entspannung wenigstens im Oberboden in der Wasserversorgung, besonders am westlichen Tuniberg. Dies tut bevorzugt den jüngeren Anlagen gut. Schäden wie z.B. durch Hagel sind zum Glück nicht zu verzeichnen. Inzwischen sieht man beginnende Verfärbung bei Regent, glasig werden der Beeren bei Müller - Thurgau und erste färbende Beeren im Burgunderbereich. Diese Regen fördern nun auch das Beerenwachstum. Es soll kurzfristig nochmals heiss werden, für die kommende Woche sind dann angenehme Sommertemperaturen angesagt. Dazu gelegentlich Schauer, so auch auf das Wochenende.

Zu den tierischen Schädlingen

Die erste Besprechung im Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg zur Lage bei der KEF zeigt bisher ein ruhiges Bild, die Flugzahlen sind verhalten. Die Eibefallskontrolle des Institutes wird ab nächster Woche in frühen Sorten aufgenommen. Das Labor der Tuniberger Winzer wird um den 20. August die Arbeit aufnehmen. Sehr schwierig war die Lage in Kirschen, ebenso wieder in den Beeren. Die Entwicklung im Weinbau bleibt abzuwarten. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren ist es aber um die aktuelle Jahreszeit feuchter. Die Tabelle gibt den derzeitigen Zulassungs, bzw. Genehmigungsstand wieder, sofern Behandlungen erforderlich werden sollten. Schwerpunkt ist das Kombinationsverfahren, da dies den grössten Bienenschutz bietet, wie Dr. Wallner vom Institut für Bienenkunde der Universität Hohenheim auf der ersten Besprechung erläuterte.



Zu den Pilzkrankheiten

Bei dem wechselhaften Wetter sind die gesunden Bestände von Vorteil. Die Tageslängen werden kürzer und die Reben konzentrieren ihre Energie auf die Trauben. Eine späte Epidemie einer Pilzkrankheit ist nicht mehr zu befürchten. Der Pflanzenschutz gegen die Pilzkrankheiten ist am Tuniberg abgeschlossen. Im Bodenseeraum ist dieser auf das kommende Wochenende bei sehr gesunden Beständen abzuschliessen. Zum Einsatz kommen für die Abschlussbehandlung: Mittel auf Kupferbasis wie Funguran Progress mit 2,0 kg / ha oder Cuprozin Progress mit 1,6 l / ha Mittelaufwand. Gegen Odium Systhane 20 EW mit 0,24 l / ha oder Topas mit 0,32 l / ha Mittelaufwand. Im Hinblick auf Resistenzmanagement und Rückstandsreduktion sind in den sauberen Anlagen die beiden Mittel auf Hydrogencarbonatbasis, Kumar mit 5,0 kg / ha oder Vitisan mit 8-10 kg / ha + Wetcit 200ml pro 100l fertige Spritzbrühe, eine Alternative. Bei zweimaliger Anwendung zeigen diese Mittel auch eine gute Botrytiswirkung. Achtung! Diese Mittel sollten nicht bei zu hoher Strahlung oder Temperatur eingesetzt werden, es gibt sonst Verbrennungen. Der Wasseraufwand beträgt 1600 l / ha im Spritz – und 800 l / ha im Sprühverfahren. Alle genannten Mittel haben eine Tafeltraubenzulassung. Nach der Abschlussbehandlung sollten die diesjährigen Jungfelder noch bis Monatsende August mit einem Peronosporakontaktmittel und Schwefel weiter behandelt werden.

Eine zweite Botrytisbehandlung ist mit den Vermarktungsbetrieben abzuklären. Sofern eine Behandlung erfolgt, kommen zum Einsatz: zur Traubenzonenbehandlung ein Botrytismittel wie z.B. Switch mit 0,48 kg / ha oder Cantus mit 0,6 kg / ha, Teldor mit 0,8 kg / ha oder Prolectus mit 0,6 kg / ha Mittelaufwand. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Dabei muss aus Resistenzgründen auf den erforderlichen Mittelwechsel zur ersten Behandlung geachtet werden.

Bitte beachten Sie grundsätzlich die aktuellen Anwendungsbestimmungen und die Gebrauchsanleitung!

Weinbauliche Hinweise
Halten Sie den Pflanzstreifen in Junganlagen sauber. Generell ist der Unterstockbereich nun zur Vorsorge bei der KEF sauber zu halten, wobei mechanisch bearbeitende Arbeiten auf Grund der Botrytisförderung abgeschlossen sein sollten. Ebenso sind die Begrünungen in den Gassen durch walzen oder mulchen in geordnetem Zustand zu halten, englischer Sportrasen ist aber nicht nötig. Zur Regulierung des Stickstoffverlaufes in Richtung Herbst sollten offen gehaltene Gassen und Junganlagen mit z.B. Phacelia (6 kg / ha) – Buchweizen (10 kg / ha) eingesät werden. Die guten Ertragsaussichten machen in Sorten wie Müller – Thurgau, Weissburgunder oder in den grösser Traubigen Klonen des Spätburgunders entlastende Massnahmen nötig. Besonders verbliebene Kümmertriebe oder dritte Trauben sollten entfernt werden, ansonsten bietet sich beim Spätburgunder der Farbumschlag zur endgültigen Einstellung der Anlagen an. Die Gesamtübersicht über die Massnahmen für Baden wird Ihnen zugesandt, sobald diese vorliegt. Junganlagen mit starkem Behang sollten zum Stockerhalt und zum Schutz gegen Trockenheit entlastet werden. So gilt bei zweijährigen Anlagen die goldenen Regel: pro voll durchgewachsener Trieb eine Traube. Bei dreijährigen Anlagen sollte nicht nach einer überlieferten Aussage verfahren werden: Im dritten Jahr sind muss man die Reben voll herbsten, weil im vierten und fünften tragen sie nicht. Produktiver Stockaufbau steht im Vordergrund. Bei allen restlichen Entblätterungsarbeiten sollte auf das schützende Dach über den Trauben geachtet werden, also nur moderat gearbeitet werden. Denken Sie an den Erhalt der Fruchtaromatik oder, wie man sieht, an das Sonnenbrandrisiko. Neben der Entfernung der vielen ESCA – Stöcke bietet sich als Alternative nur eine Kennzeichnung und ein späterer Rückschnitt des Stammes im Frühjahr an.

Sonstige Hinweise

Das vor wenigen Wochen bekannt gewordene geplante Volksbegehren für eine weitgehende Ökologisierung der Landwirtschaft per Gesetz zeigt jetzt schon verunsichernde Auswirkungen. In den Betrieben zeichnen sich Entscheidungen zum Investionsstop ab, was die innerbetriebliche Entwicklung hemmt und weiterführende Auswirkungen auf die Zulieferer hat. Einzelne Betriebe überdenken die Ausbildung in Richtung ausserhalb der Landwirtschaft.

Das nächste Weinbauinfo erscheint, sofern nicht anderst zur Lage bei der KEF erforderlich, nach der Sommerpause Anfang September. Die Vertretung vom 19.08. bis zum 30.08.2019 übernehmen die Kollegen Hansjörg Stücklin, Weinbauberatung Markgräflerland, und Steffen Renz, Weinbauberatung Nördl. Kaiserstuhl und Breisgau. Dieses Info wird nicht auf dem Anrufbeantworter besprochen.





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