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Weinbauinfo Tuniberg Nr. 14

Datum: 11.07.2019

Allgemeiner Entwicklungsstand

Das Wachstum läuft, als ob im Hintergrund jemand „Allez hopp“ ruft. Zuwachsraten von nach wie vor von 5 bis 7 cm am Tag beim Triebwachstum und Traubenschluss bei den Trauben sprechen für sich. Selbst im Bodenseeraum steht die Entwicklung kaum nach. Die Bestände sind bis auf Einzelfälle gesund und bieten ein schönes Bild. In verbliebenen noch nicht fertig gehefteten und gegipfelten Anlagen steigt der Arbeitsdruck jedoch mit jedem Tag. Die magischen „Drei G“ – gegipfelt, gespritzt, gemulcht – sind noch nicht überall erreicht. Weit fortgeschritten sind die Entblätterungsmassnahmen. Vorsicht ist geboten bei der Wasserversorgung. Fehlende Reserven im Untergrund und sommerliche Temperaturen in Verbindung mit trockenen Winden sorgen für eine schnelle Ausbildung von Trockenheit. Betroffen sind bisher sehr flachgründige Standorte, besonders, wenn dort Junganlagen stehen. Angenehm sommerliche Temperaturen für die kommenden Tage bieten weiterhin günstiges Rebenwetter. Auf das Wochenende ist wohl eine kleine Störung angesagt, nachhaltige Niederschläge sind aber bisher nicht enthalten. Deutlich sichtbar sind die ersten Absterbeerscheinungen in Form der BDA – Symptomatik. Die Blätter falten sich zusammen, hängen und trocknen ein, anfänglich nur einzelne Triebe, bei starkem Verlauf stirbt der Stock rasch ab.

Zu den tierischen Schädlingen

In den Pheromonverfahren ist die Lage ruhig. Ausserhalb der Pheromongebiete hält der Flug der Traubenwickler an. Nahrungspflanzen der Windenglasflügelzikade an Böschungen wie Brennnesseln sind vorerst zu erhalten, da deren Flug begonnen läuft.

Zu den Pilzkrankheiten

Die Reben geben im gesamten Beratungsgebiet ein gutes Bild ab. Einzelne Ölflecken der Peronospora sind inzwischen eher ein Schönheitsfehler als noch eine Bedrohung, da Trauben und Hauptlaubwand einen stabilen Grundbelag haben. Beobachten Sie aber ihre Junganlagen, diese sind weiterhin sehr empfindlich. Oidium wurde noch nicht beobachtet oder gemeldet. Der bisherige Pflanzenschutz kann als sehr erfolgreich angesehen werden und war notwendig, sieht man den Vergleich zu den wenig befallenen Anlagen. Nach Traubenschluss verlassen wir das empfindliche Oidiumfenster. Rechnet man bis zum 03. August als Abschlusstermin, so könnten unter guten Wetterbedingungen noch zwei Behandlungen reichen. Den endgültigen Verlauf macht aber das Wetter. Im gesamten Beratungsgebiet läuft aktuell vor dem Wochenende der Pflanzenschutz. Zum Einsatz kommen: ein Peronosporakontaktmittel wie z.B. Polyram WG mit 2,8 kg / ha, Folpan 80 WDG mit 1,4 kg / ha. Zum Schutz gegen Odium im noch empfindlichen Entwicklungsbereich ein organisches Oidiummittel wie z.B. Vivando mit 0,28 l / ha, Talendo mit 0,35 l / ha oder Sercadis mit 0,21 l / ha Mittelaufwand. Bitte beachten Sie den Wechsel in den Wirkstoffklassen, sofern ein genanntes Produkt schon zweimalig eingesetzt wurde. In den frühen Lagen können die Mittel Dynali mit 0,7 l / ha oder Kusabi mit 0,263 l 7 ha Mittelaufwand verwendet werden, bevor der Wechsel auf Topas oder Systhane 20 EW erfolgt. Dort ist das kritische Oidiumfenster schon vorbei. Das Einsatzfenster aller Phosphonat haltigen Mittel ist abgeschlossen. Sollte kurz vor oder zum Pflanzenschutztermin kräftiger Regen aus der angesagten Störung fallen, muss tiefenwirksam mit Orvego, Melody Combi, Sanvino, Vincare oder ähnlichen Mitteln mit der empfohlenen Aufwandmenge (Basisaufwand x 3,5) umgehend danach behandelt werden. Ab den Blütebehandlungen ist bei Trauben für den Essgebrauch dringend auf die Tafeltraubenzulassung zu achten. Der Wasseraufwand beträgt 1400 l / ha im Spritz – und 700 l / ha im Sprühverfahren. Sofern keine Wetter bedingte zwingende Behandlung notwendig wird, kann die nächste Behandlung im Abstand von 12 bis 14 Tagen eingeplant werden. Der Zusatz von Magnesium in Form von Bittersalz – Epso Top – wird in Stiellähme empfindlichen Sorten wie Muskateller oder Gewürztraminer, alle Cabernet Kreuzungen, dazu gehören auch PIWI – Sorten, mit 12 – 15 kg / ha empfohlen.

Die im Bodenseeraum ebenfalls sehr schnelle Traubenentwicklung führt zur raschen Umsetzung der wichtigen „Vor – Traubenschlussbehandlung“. Beobachten Sie unbedingt ihre Anlagen, um diesen wichtigen Termin zur Botrytisbehandlung nicht zu verfehlen. Zum Einsatz kommen: zur Traubenzonenbehandlung ein Botrytismittel wie z.B. Teldor mit 0,8 kg / ha, Switch mit 0,48 kg / ha oder Cantus mit 0,6 kg / ha Mittelaufwand. Als Mittel aus der Wirkstoffgruppe von Teldor Prolectus mit einem Mittelaufwand von 0,6 kg / ha. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Gutes Handwerk bei dieser Massnahme bedeutet das fahren jeder Gasse.

Bitte beachten Sie grundsätzlich die aktuellen Anwendungsbestimmungen und die Gebrauchsanleitung!

Weinbauliche Hinweise
Auf Trockenheit gefährdeten Standorten sind die Junganlagen / jüngere Anlagen besonders zu beobachten und im Bedarfsfall zu wässern. Das gilt ebenfalls für die diesjährigen Hochstammpflanzungen generell. Halten Sie den Pflanzstreifen in Junganlagen sauber. Zur Regulierung des Stickstoffverlaufes in Richtung Herbst sollten offen gehaltene Gassen und Junganlagen mit z.B. Phacelia (6 kg / ha) – Buchweizen (10 kg / ha) eingesät werden. Durch die schnelle Traubenentwicklung können Ertrags regulierende Massnahmen wie Trauben teilen aufgenommen werden. Bei allen Entblätterungsarbeiten sollte auf das schützende Dach über den Trauben geachtet werden, also nur moderat gearbeitet werden. Glücklicherweise beinhaltet die mittelfristige Wettervorhersage nur ein geringes Sonnenbrandrisiko, so dass die Arbeiten zügig weitergeführt werden können. Begrünungen sollten eher etwas höher gemulcht werden, um den Nachwuchs der Gräser nicht anzuregen, bei abblühenden Einsaaten bietet sich das Walzen an.

Sonstige Hinweise

In gemeinsamer Abstimmung des Staatlichen Weinbauinstitutes Freiburg und der Weinbauberatung wurde als Abschlusstermin des Pflanzenschutzes im Oberrheingraben der 03.08.2019 festgelegt. Für Sektgrundweine und in Anlagen für Neuer Süsser muss der Termin entsprechend früher gelegt werden.

Terminhinweis des Regierungspräsidium Freiburg:

Rebflächen, die zwischen dem 01.08.2016 und dem 31.07.2017 gerodet und bisher nicht wiederbepflanzt wurden, verlieren demnächst ihr Pflanzrecht! Dieses Pflanzrecht kann aber für drei Jahre verlängert werden, wenn der Bewirtschafter noch bis 31.07.2019 (Ausschlussfrist, es gilt der Eingang beim Regierungspräsidium!) einen Antrag auf „Genehmigung einer Wiederbepflanzung“ stellt.

Mit diesem Antrag kann das Pflanzrecht gleichzeitig auch auf eine andere Fläche des eigenen Betriebes verlegt werden. Falls der Antrag nicht fristgerecht gestellt wird, verfallen die Pflanzrechte genau 3 Jahre nach dem Tag der Rodung. Den Antrag und entsprechende Erläuterungen finden Sie im Internet auf meiner Webseite. Für Rückfragen stehen Simon Zipf (0761/208-1292) und Volker Steinmetz (0761/208-1304) telefonisch zur Verfügung.

Sofern nicht anderst erforderlich erfolgt das nächste Weinbauinfo am 18. Juli 2019.



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