Weinbauinfo Tuniberg Nr. 4

Allgemeiner Entwicklungsstand

Lieben Sie Kontraste? In der Musik? In der Kunst? Die Natur sorgt im Jahr 2021 bisher für ausreichend und krassen Kontrast. 2020 hatten wir um diese Zeit schon die erste Pflanzenschutzbehandlung hinter uns. Der April war weit überdurchschnittlich zu warm, dieses Jahr weit überdurchschnittlich zu kühl. Die regionalen Unterschiede sind erheblich, mit fast - 2° C liegt die Abweichung zum langjährigen Mittel in den Regionen um Freiburg rund doppelt so hoch wie im Bodenseeraum. Dazu sind die Tage mit Temperaturen unter 0°C viel häufiger, 10 Tage unter Null ist ungewöhnlich. Das spiegelt sich auch in den Frostschäden wieder, am Tuniberg stabilisiert sich die Schadensquote bei rund 40 %, im Bodenseeraum sind in Ertragsanlagen keine Schäden feststellbar. Die Wetterscheide ist hier der Klettgau, dort sind bei jüngeren Ertragsanlagen Schäden vorhanden, stark begrenzt auf Chardonnay und Muscaris. Überall unbefriedigend ist die Lage bei den Niederschlägen. Der April schliesst mit einem Defizit um die 50% ab. Damit stehen wir wieder einer ausgeprägten Frühjahrstrockenheit gegenüber. In der Natur ist dies deutlich sichtbar, es sind nicht nur die kühlen Temperaturen. In den kommenden Tagen soll es nach den leichten Regen vergangener Nacht weitere Niederschläge geben, die mittelfristige Wettervorhersage ist bei den Temperaturen gemässigt. Die sehr rasche Entwicklung der letzten warmen Tage zum inzwischen Ein bis Zwei Blatt entfaltet in den guten und mittleren Lagen wird voraussichtlich wieder ruhiger verlaufen. Massstab sind bei der Beurteilung der Entwicklung die unversehrten Augen. Damit sind wir wohl einige Tage hinter dem Schnitt, aber selbst der der berühmte Negativjahrgang 1977 dagegen war früher. Soll heissen: es ist noch vieles drin, was wir – zum Glück – nicht sehen. Der Frost hat die Stimmung stark gedämpft, aber es gilt nun, mit dem Vorhandenen weiter zu arbeiten, wie immer.

Zu den tierischen Schädlingen

Achten Sie darauf, dass die regelmässige Kontrolle Fallen zur Überwachung der Pheromonverfahren stattfindet. Ansonsten gibt es keine Auffälligkeiten. Mit fortschreitender Entwicklung werden die Reben für das Wild attraktiv. Beobachten Sie die bekannten Lagen. Zeichnet sich Wildverbiss ab, sollten vorbeugende Maßnahmen zur Vergrämung oder Verhinderung des Zugangs (z.B. Einzäunung der Rebfläche, Elektrozaun am Waldrand, Hasendraht / Rebschutzrohr) eingeleitet werden. Zur Vergrämung stehen flüssige Buttersäure oder angegorenes Bio – Aminosol für getränkte Lappen oder auch Vergrämungsgranulate wie z.B. Wildgranix zur Verfügung. Bei Schäden müssen diese umgehend auf der Gemeinde gemeldet werden, damit die Ansprüche gegen den Jagdpächter geltend gemacht werden können.

Zu den Pilzkrankheiten

Aus den trockenen Vorjahren ist kein hoher Druck bei der Schwarzfleckenkrankheit vorhanden. Vorbeugende Massnahmen sind nur bei sehr empfindlichen Sorten nötig. Überprüfen Sie PIWI – Anlagen, durch den verringerten Pflanzenschutz kann sich dort die Krankheit aufbauen, da hierfür keine Resistenz vorliegt. Dafür brauchen wir aber zuerst Feuchtigkeit zu Keimung der Dauerfruchtkörper, danach macht eine Behandlung vor Regen Sinn. Aktuell besteht kein Handlungsbedarf.

Weinbauliche Hinweise

Sollten die angesagten Niederschläge eintreten, laufen die bisherigen Einsaaten auf und es bestehen gute Voraussetzungen, noch nicht umgesetzte Einsaaten abzuschliessen, die auf Grund der zunehmenden Trockenheit nicht durchgeführt wurden. Momentan ist dies vor allem die Wolffmischung, für die einfachen Sommereinsaaten ist es noch zu früh. Die mineralische Stickstoffdüngung muss auf vielen Standorten an das Schadensniveau angepasst werden. Es empfiehlt sich, noch etwas abzuwarten, bis der Austrieb sich deutlicher zeigt. Viele Anlagen wurden in jeder zweiten Gasse geöffnet, was bei der Düngung mit eingerechnet werden sollte. Eine intensivere Bodenbearbeitung z.B. zur Saatbeetbereitung kann gut mit 20 kg / ha Stickstoff aus Mineralisierung eingerechnet werden. Nur wenige zweijährige Anlagen sind noch nicht geschnitten. In den Frostgebieten muss der deutliche Austrieb abgewartet werden, um zu sehen, wie tief auf schön treibende Augen zurückgegangen werden muss. In den diesjährigen Junganlagen kann nach der Pflanzung als empfehlenswerte Massnahme gegen Trockenheit der Pflanzstreifen mit Kompost abgedeckt werden.

Sonstige Hinweise

Die erste Runde der gemeinsamen Begehungen des Badischen Winzerkellers ist auf Grund der nach wie vor bestehenden Corona – Lage abgesagt.

Eine Überbeantragung der in der Umstrukturierung beantragten Fläche ab 20 % führt zu Sanktionen und damit zum unnötigen Verlust von Fördergeldern. Eine Korrektur der beantragten Fläche ist bis zum 15. Mai über Fiona möglich. Dafür ist je nach Bearbeitungsstand ein weiterer Abschluss des Gemeinsamen Antrages erforderlich. Dieser muss nochmals per Post dem zuständigen Landwirtschaftsamt zugesendet werden. Die Förderung erfolgt Flurstücks bezogen. Eine Rückrechnung auf das einzelne Flurstück ist unumgänglich.

Die Rücknahme leerer Pflanzenschutzmittelpackungen – PAMIRA startet am 19.05.2021. Alle Sammelstellen und Termine sind unter www.pamira.de veröffentlicht.

Zu den Zulassungen und Aufbrauchfristen des Jahres 2021, beachten Sie die Produktnamen:

Anwendungsverbot haben: Kerb 50 W, Dithane Neo Tec

Aufbrauchfrist läuft aus für: Enervin am 30.03.0221, Katana Duo und Chikara Duo zum 15.06.2021, Vincare zum 30.06.2021, Cueva Wein-Pilzfrei zum 31.07.2021, Funguran zum 31.07.2021. Bis zum Jahresende sollten aufgebraucht sein: Envidor zum 31.01.2022, Electis zum 04.01.2022.

Die Firma Bayer teilt folgendes mit: Für das „alte“ Melody Combi mit der Zulassungsnummer 005215-00 gilt eine Aufbrauchfrist bis zum 30.09.21. Das „neue“ Melody Combi, welches ausschließlich im Handel verkauft wird (Zulassungsnummer: 025215-00), hat eine Zulassung bis zum 31.07.21 und eine neue Basisaufwandmenge von 0,55 kg/ha, statt bisher 0,6 kg/ha.

Zum Abschluss noch einen interessanten Termin:

Im Rahmen des Projektes „Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel in Bildung und Beratung – digital – (DiKliWa)“ veranstaltet die Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum (LEL) am Dienstag, 04.05.2021 ein Farminar zum Thema „Anpassungsmaßnahmen gegen Spätfröste im Weinbau“. Die Live-Übertragung beginnt um 18.00 Uhr und dauert etwa 90 Minuten. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, jedoch nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Infos und Anmeldung unter https://lel.landwirtschaft-bw.de/farminar-klimawandel. Anmeldeschluss ist Montag, 03.05.2021.

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo zum 12.05.2021.

 

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