Weinbauinfo Tuniberg Nr. 22

Allgemeiner Entwicklungsstand

Dieses Jahr hält alles straff in seinen Zügeln und bietet alle Schadbilder. Die Entwicklung in den Anlagen entspricht dem gewohnten Bild des Jahres: es bildet sich eine breite Streuung aus, die nicht unbedingt mit den bekannten Reifeunterschieden verknüpft ist und fordert den Winzern auf den letzten Metern noch einiges ab. Es gibt Anlagen, die der raschen Lese bedürfen, vorwiegend in den Sortengruppen Müller – Thurgau und Spätburgunder. In Letzterem hat sich in den vergangenen 10 Tagen oft Essigfäule, seltener stärker Botrytis, entwickelt und die ganze Palette der Möglichkeiten ist zu finden: Abdrücken, Ameisenfrass, Ansteckung, weiche Beerenhäute am Stielende und natürlich nicht zu vergessen, die Fruchtfliegen. Am stärksten betroffen sind die Strukturreichen Lagen, hier gibt es auch erste sehr kritische Gewürztraminer. Auf der anderen Seite ist bei den Sorten Grau – und Weissburgunder überwiegend ein sehr schöner Bestand vorzufinden. Zu Wochenbeginn wurde die Hauptlese eröffnet und durch die geringeren Erträge sowie die inzwischen vorhandene Schlagkraft bei den Lesemaschinen kann der Herbst schnell verlaufen. Der Lesebeginn liegt damit eine gute Woche vor dem langjährigen Mittel, das Ende September liegt. Die Strategie wird wohle eine Lese nach Zustand er einzelnen Anlagen sein, weniger Lagen bezogen. Die Regen der letzten Tage haben die Reife, nicht unbedingt aber die Mostgewichte gefördert. Die angekündigten warmen Temperaturen der kommenden Tage werden die Abreife beschleunigen und bei morgendlichen Nebeln auch die normale Reifebotrytis. Für den in der Reife zurückliegenden Bodenseeraum sind die Beobachtungen im Oberrheingraben ein Hinweis, wie es kommen könnte.

Zu den tierischen Schädlingen

Bei den Fruchtfliegen wie immer: KEF = Kirschessigfliege, HEF = Heimische Essigfliege

Durch den absehbar schnelleren Herbstverlauf schliesst sich das Fenster für Behandlungen rascher als gedacht. Strukturreiche Lagen wurden von etlichen Winzern noch am letzten Wochenende behandelt. Die Laborergebnisse aus Opfingen ergaben eine rasche zunehmende Anfangsbelegung bei Spätburgunder. Die weitere Vorgehensweise wird in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen, der Beratung und den Monitoringergebnissen erfolgen. Sofern noch Entscheidungen getroffen werden, werden diese nur an den örtlichen Anschlagstafeln bekannt gegeben. Alle Empfehlungen werden nur auf der Basis des Kombinationsverfahrens ausgesprochen. Die übergebietliche Lage beim Befallsverlauf der KEF ist unter www.monitoringvitimeteo.de zu finden.

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben.

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.

Zum Reifeverlauf

Es entwickelt sich anderst wie gedacht. Die Einflüsse des Gesundheitszustandes werden doch zu einer schnelleren Lese führen. Auffällig ist der Essigbefall in überwiegend Spätburgunder, der zu intensiven Verlesearbeiten führt. Die Mostgewichte haben sich gut entwickelt, spiegeln aber nicht alles wieder. Es gibt auch Meldungen von wesentlich tieferen Werten an den Annahmestationen. Die Zunahmen in den Proben liegen bei rund 13°Öchsle in den letzten 14 Tagen, ein ähnlicher Verlauf ist bei der angesagten warmen Witterung zu erwarten. Sollte es kühler werden, ist die Zunahme langsamer. Die Beeren der Proben pressen sich inzwischen leicht, was auch auf eine gute Zunahme der physiologischen Reife schliessen lässt. Die Mostfarben bei Weisssorten haben sich gut in Richtung gelb entwickelt, nur die Spätburgunderproben sind kein Vergleich zu den Vorjahren. Die angegebenen Mostgewichte und weitere Werte basieren auf Messungen vom 21.09.2021 aus überwiegend mittleren und guten Lagen des Tuniberges und Glottertales. Die analytischen Werte ermittelte das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg durch Grape Scan. Die Messungen vom Bodenseeraum zeigen einen Rückstand von rund 10°Öchsle. Das Gebiet liegt weiterhin eine gute Woche zurück, ohne die Einflüsse wie z.B. Hagel.

Müller – Thurgau:

Mitte 70° Oe bis Ende 70° Oe, dabei Säurewerte um die 6 - 7ºº Säure bei pH – Werten um die 3,35. Der Müller – Thurgau zeigt eine breite Streuung bei der Botrytisentwicklung. Es gibt Anlagen, die sind überfällig zur Lese mit hohem, aber noch gesundem Botrytisbefall, was Kellerwirtschaftlich kein Problem ist. Bei warmer Witterung wird der Müller – Thurgau rasch ausreifen und vorrausichtlich bis Ende kommender Woche gelesen sein.

Burgundergruppe:

Die Mostgewichte haben überwiegend Mitte 80° Oe erreicht oder überschritten, die Säurewerte liegen durchweg bei 12 - 13ºº Säure bei Spätburgunder, 10 -11 ºº Säure bei den weissen Burgundersorten. Der pH liegt bei um 3,1, ein sehr guter Wert. Der Essigbefall in etliche Spätburgunderanlagen ist nicht zwingend an die Reife gekoppelt. Probleme zeigen zwar bevorzugt kompakte Trauben, aber auch in lockeren Klonen gibt es sichtbaren Befall, schön verteilt auf die Traube. Grossen Einfluss hat auch die Umgebung der Anlagen. Gegen dieses Bild stehen noch sehr viele erfreuliche Anlagen. Die Farbtiefe ist lange nicht so ausgeprägt wie in den Vorjahren, vielleicht wird es ein Jahr, in dem eine Partie Deckwein durchaus willkommen ist. Am einheitlichsten zeigt sich der Grauburgunder und der Weissburgunder, wobei letzterer aktuell an Menge zunimmt. Weissburgunder scheint nach aktueller Lage wieder einmal der Mengengewinner der Burgundergruppe zu werden.

Sonstige Sorten:

Die weiteren Sorten wie Muskateller, Gewürztraminer (mit Ausnahmen in Strukturreichen Lagen) oder Sauvignon blanc zeigen nach wie vor einen guten gesundheitlichen Zustand. Die Mostgewichte liegen bei Mitte 70º Oe bei Muskateller, Anfang 80º Oe bei Sauvignon blanc und Chardonnay. Die Mostgewichte bei Riesling liegen Mitte 70º Oe in guten Lagen, der Sonderfall Glottertal mit Frost und Hagel dieses Jahr Anfang Ende 60º Oe. Die Säurewerte liegen vergleichbar der Burgundergruppe, bei Riesling aber alles über 15ºº Säure.

Sonstige Hinweise

In den Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten und Kern – und Pflegzonen von Biosphärenreservaten ist seit dem 09.09. der Einsatz von Glyphosat mit sofortiger Wirkung verboten. Dieses Verbot aus der 5.VO zur Änderung der Pflanzenschutzanwendungs – VO kam sehr überraschend und wirft für den Weinbau mit Blick auf schwer zu bearbeitende Lagen oder dem Nebenerwerb nachhaltige Fragen auf. Über den Kartendienst des LUBW unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de sind die betroffenen Flächen rasch zu finden. Ein generelles Verbot gilt ab dem 01.01.2024, sofern vorher in der EU keine andere Entscheidung fällt. Ein weiteres wichtiges Verbot ist der Einsatz von Herbiziden sowie Insektiziden mit den Anwendungsbestimmungen B1 bis B3 und NN 410 in Naturschutzgebieten, Nationalparks, Naturdenkmäler, § 30 BNatschG – Biotopen und FFH – Gebieten. Für Letztere gilt im Weinbau das Verbot nicht.

Es gibt auch noch Meldungen zu besseren Anlässen. Am 09. Und 10.10.2021 feiern die Tuniberger Winzer ihr Herbstfest auf dem Attilafelsenplatz. Nach diesem Jahr sicher ein willkommener Anlass.

Das nächste Weinbauinfo erfolgt nach Bedarf. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

 

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