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Weinbauinfo Tuniberg Nr. 20

Datum: 30.08.2020

Allgemeiner Entwicklungsstand

Was der Juli nicht kocht, kann der August nicht backen. Nach dieser alten Regel scheint der Juli in seiner letzten Woche seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Das Land erlebt heisse Tage und dürstet. Und immer dieser Wind, der die Verdunstung verstärkt. Ein Blick in die Daten zeigt, dass wir nun seit vier Jahren immer mehr austrocknen. 2016 brachte in der ersten Jahreshälfte eine sehr gute Versorgung, seither leben wir unter Niveau mit einer zusätzlich starken Unterbodenaustrockung. Für die Gebiete mit leichtem Hagel ist die Trockenheit von Vorteil, trocken die Schadstellen doch aus. Die Bestände stehen noch überwiegend sehr gut, man kann nur staunen, nur an den bekannten kritischen Punktenzeigen – flachgründige Standorte, Böschungskanten – zeigen sich immer stärkere Trockenschäden. Bei den Jungreben sind besonders die Nachpflanzungen gefährdet. Ansonsten nimmt ein frühes Jahr mit kerngesunden Beständen den Weg in Richtung Herbst auf. Der Reifeverlauf scheint sich beim Burgunder, wahrscheinlich Trockenheitsbedingt, etwas zu verlangsamen, bei Solaris, Regent und Müller-Thurgau verläuft die Reife normal.

Zu den Pilzkrankheiten

Am Tuniberg ist der Pflanzenschutz gegen die Pilzkrankheiten abgeschlossen. Am Bodensee steht noch die Abschlussbehandlung an. Auf Grund der häufigeren Niederschläge im Bodenseeraum, die ab Konstanz Richtung Osten den Juli prägten, sind dort vereinzelt Ölflecken im Zuwachs zu finden, Meldungen zu Oidium liegen nicht vor. Eine Epidemie entwickelt sich aber nicht mehr, die Hauptwachstumsphase liegt lange hinter uns. Der aktuelle Zuwachs wird in der Regel nochmals gegipfelt. Dabei zeichnet sich eine Situation vergleichbar 2019 ab. Zum Termin sind Gewitter angesagt. Es wird empfohlen, daher den Abschluss auf das anstehende Wochenende vor die Gewitter zu legen und einen guten Kontaktbelag zu haben. Zum Einsatz kommen: Gegen Peronospora ein Kupfermittel wie z.B. Funguran progress mit 2 kg / ha, Cuprozin progress mit 1,6 l / ha, Airone SC mit 2,6 l / ha, Coprantol Duo mit 2,5 l / ha; allesamt WZ 21 Tage. Die aufgeführten Mittelmengen entsprechen der Zulassung. Gegen Oidium ein organisches Mittel wie Topas mit 0,32 l / ha, WZ 35 Tage, oder Systhane / Misha mit 0,24 l / ha, WZ 28 / 14Tage. Im Hinblick auf Resistenzmanagement (Schonung der Azole) und Rückstandsreduktion sind die beiden Mittel auf Hydrogencarbonatbasis, Kumar mit 5,0 kg / ha; WZ 1Tag, und Vitisan mit 8kg / ha + Wetcit 200ml pro 100l fertige Spritzbrühe; keine WZ, eine sehr sinnvolle Alternative. Achtung! Die Hydrogencarbonate sollten mit nicht zu geringem Brühaufwand, nicht bei zu hoher Strahlung, Temperatur (über 30°C), oder bei gestressten Anlagen eingesetzt werden. Es gibt sonst Verbrennungen. Durch die insgesamt lockeren Trauben und die nach wie vor eher trockene Wetterlage besteht kein zwingender Grund für einen zweiten Einsatz von Botrytismitteln.

Bitte beachten Sie grundsätzlich die aktuellen Anwendungsbestimmungen und die Gebrauchsanleitung!

Zu den tierischen Schädlingen

An Böschungen ist an wilden Reben Reblausbefall zu finden, an sonstigen Sorten, die immer wieder auffallen, gibt es nur sehr sporadisch Symptome. Für die kommenden Wochen ist die Frage nach der Kirschessigfliege von grösserer Bedeutung. Vom bisherigen Auftreten kann nicht auf den Weinbau geschlossen werden, diese Erfahrung liegt vor. An Brombeeren und Holunder ist ein deutlicher Befall zu sehen, bei den Kirschen gab es lange regionale Unterschiede beim Verlauf, aber ab der ersten Juliwoche war starker Befall überall vorhanden. Die hohe Sonneneinstrahlung hat die Abhärtung der Beerenhäute positiv beeinflusst. Die vorbeugenden Massnahmen sind allgemein bekannt, an die eigene Beobachtung kritischer Stellen und Sorten wird erinnert. Ab Mitte August laufen grossflächig die notwendigen Eibonituren. Erst aus diesen Ergebnissen ergeben sich eventuell weitere Massnahmen. Wie gewohnt, werden die Ergebnisse in VitiMeteo unter http://monitoring.vitimeteo.de eingestellt.

Weinbauliche Hinweise
Auf Trockenheit gefährdeten Standorten sind die Junganlagen / jüngere Anlagen weiterhin besonders zu beobachten und im Bedarfsfall zu wässern. Das gilt ebenfalls für die diesjährigen Hochstammpflanzungen generell, die besonders gefährdet sind. Egal von welcher Seite betrachtet, es ist teuer und arbeitsaufwändig, aber nur so kann die Produktivität der Anlagen gehalten werden. Halten Sie den Pflanzstreifen in Junganlagen sauber. Zur Regulierung des Stickstoffverlaufes in Richtung Herbst sollten offen gehaltene Gassen und Junganlagen mit z.B. Phacelia (6 kg / ha) – Buchweizen (10 kg / ha) eingesät werden. Von vielen Vermarktungsbetrieben kommen Vorgaben zum Ertrag. Besonders verbliebene Kümmertriebe oder dritte Trauben sollten entfernt werden, ansonsten bietet sich beim Spätburgunder der Farbumschlag zur endgültigen Einstellung der Anlagen an. Junganlagen mit starkem Behang sollten zum Stockerhalt und zum Schutz gegen Trockenheit entlastet werden. Das Trauben teilen ist unter den trockenen Bedingungen nach wie vor möglich, beschädigte Beeren trocknen ein. Bei allen restlichen Entblätterungsarbeiten sollte auf das schützende Dach über den Trauben geachtet werden, also nur moderat gearbeitet werden. Viel zu oft wird bei händischen Nacharbeiten stark Laubwerk entfernt. Denken Sie als Konsequenz der frühen Jahre an den Erhalt der Fruchtaromatik und der Säure oder bei den hohen Temperaturen an das Sonnenbrandrisiko. Begrünungen sollten höher gemulcht werden, um den Nachwuchs der Gräser nicht anzuregen, bei abblühenden Einsaaten wird bevorzugt das Walzen empfohlen.

Sofern nicht anderst erforderlich erfolgt das nächste Weinbauinfo in ca. zwei Wochen. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter, bitte informieren Sie ihre Kollegen.



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