Pflanzenschutzhinweis Gemüsebau Südbaden 2021 (KW 15)

Kohlfliege
Dort, wo das Feld länger war als das Vlies, sind an nicht bedeckten Kohlpflanzen ganz ver-einzelt erste Eier der Kohlfliege zu finden. Bei steigenden Temperaturen wird deren Aktivität in den kommenden Tagen zunehmen. Kohl- und Radies-Kulturen, die nicht unter Vlies oder Netz stehen, sollten mit Insektiziden geschützt werden. Eine Wirkung gegen die Kohlfliege haben z. B. Coragen (zugelassen in Blumenkohle, Kopfkohl), SpinTor (zugelassen in allen Kohlarten) oder Minecto One (zugelassen in Blumen- und Kopfkohle sowie in Rettich und Radies). Auch Pyrethroide (z. B. Karate Zeon) haben eine Wirkung gegen die Fliege. Bei Kohl, der ohne Bedeckung gepflanzt oder nach weniger als drei Wochen aufgedeckt wird, sollte die Möglichkeit einer Jungpflanzen-Behandlung genutzt werden. Zugelassen sind hier SpinTor (zugelassen in allen Kohlarten mit 1 x 12 ml/m²) oder Verimark (Notfallzulassung bis 08.07.2021 in Jungpflanzen von Blumen- und Kopfkohle mit 1 Anwendung mit 15 ml/1000 Pflanzen).
Lauchminierfliege
Seit zwei Wochen ist die Lauchminierfliege im ganzen Gebiet zu finden. Ihr Tatendrang wur-de bisher von der eher spätwinterlicher Witterung gebremst. Jetzt wird sie ihre Verspätung aber schnell aufholen. Verbreitet ist bereits mäßige bis starke Eiablage zu finden. Wo die Kulturen nicht mit Vlies oder Netzen geschützt werden, ist in den nächsten Tagen Zeit für ei-nen Insektizideinsatz, sofern ein solcher noch nicht erfolgt ist. Wirksam sind u. a. NeemAzal-T/S, SpinTor oder Minecto One. Damit diese (teil-)systemischen Mittel wirken, sollte die Temperatur für mehrere Stunden nach der Behandlung über 12, besser 15 °C liegen. Spruzit Neu und Pyrethroide (Lamdex forte, Karate Zeon u. a.) wirken als Kontaktmittel nur gegen die Fliegen, nicht gegen Maden in den Blättern, dafür aber schon bei niedrigen Temperaturen. Minecto One darf nicht mehr in Lauch eingesetzt werden.
Blattläuse
Im Freiland haben mancherorts auch in diesem Winter Gierschläuse an Petersilie überdau-ert. Bisher sind nur einzelne Exemplare zu finden. In den kommenden Wochen sollten re-gelmäßig Kontrollen und bei Bedarf Behandlungen durchgeführt werden.
In den Gewächshäusern nimmt mit der Wärme die Vermehrung der Blattläuse zu. Auch dort, wo es nur geringen Befall durch Pfirsich- oder Kartoffelläuse am Salat, Postelein, Kohlrabi etc. gab, können diese auf die folgenden Fruchtgemüse überwandern. Die Gefahr ist beson-ders groß, wenn die Häuser nicht komplett geräumt werden, sondern schiff- oder beetweise geräumt und gepflanzt wird. Das Abflammen von Pflanzenresten und Unkräutern nach der Ernte reduziert zumindest die Zahl der Blattläuse.
Spinnmilben
Der April ist ein Frühlingsmonat ist. Das könnte man beim aktuellen winterlichem Wetter fast vergessen, Spinnmilben lassen sich davon aber nicht irritieren. In frühen Gurkensätzen tre-ten regelmäßig um diese Jahreszeit erste Befallsnester auf. Deren Ursprung ist meist unklar. Ein in der vergangenen Woche festgestellter Befall an frisch gepflanzten Tomaten wurde aber mit hoher Wahrscheinlichkeit mit den Pflanzen geliefert. Kontrollen sollten deshalb nicht nur in den Beständen sondern auch an ankommenden Jungpflanzen durchgeführt werden.

Schäden durch Spinnmilben an Tomate

Bilder: Spinnmilbenschäden zeigen sich an Tomate zunächst als helle Pünktchen, später als flächige gelbliche Verfärbungen mit nekrotischen, braunen Flecken (oben). Das Schadbild ähnelt einem Nährstoffmangel. Ein feines Gespinst und die Milben selbst auf der Blattunterseite verraten die tatsächliche Ursache (unten).

Spinnmilben an Tomatenblatt

Spargel
In Neupflanzungen kann vor dem Durchstoßen der Triebe gegen Unkräuter 2-3 l/ha Stomp Aqua in Mischung mit 0,5 l/ha Spectrum eingesetzt werden. Um Schäden zu verhindern, muss der Boden feinkrümelig sein und das Rhizom lückenlos bedecken. Im Zweifelsfall kann mit einer Kreiselegge o. Ä. gleich nach dem Pflanzen nachgeholfen werden.
Zulassungen
Asulox (400 g/l Asulam): Notfallzulassung vom 01.05. bis 28.08.2021 in Frische Kräuter und Spinat im Freiland gegen Kreuzkraut- und Knötericharten mit 1 x 40 ml/Ar nach dem Auflau-fen. Wartezeit = F. In Abhängigkeit von Kultur, Sorte, Anbauverfahren und den Umweltbe-dingungen können Schäden an der zu behandelnden Kultur nicht ausgeschlossen werden. Die Pflanzenverträglichkeit sollte daher unter den betriebsspezifischen Bedingungen geprüft werden.
Zorvec Enicade (100 g/l Oxathiopiprolin): in Rettich und Radies im Freiland gegen Falschen Mehltau, 2 x 1,5 ml/Ar. Wartezeit = 7 Tage. Wegen hoher Resistenzgefahr nur in Kombinati-on mit einem Kontaktmittel einsetzen.
U 46 D Fluid: In Spargel gegen zweikeimblättrige Unkäuter; 1 x 15 ml/Ar in mind. 10 l Was-ser/Ar spritzen nach der Ernte; Einzelpflanzenbehandlung mit Abschirmung. Wartezeit = F.

 

Informationen  zum Datenschutz und zum Einsatz von Cookies auf dieser  Seite finden Sie in unserer Datenschutzerklärung