Pflanzenschutzhinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 43.2)

Kohlfliege
Auch nach den drei wärmeren Tagen dieser Woche waren nur einzelne Eier der Kohlfliege zu finden. Der Flug ist für dieses Jahr offenbar weitgehend beendet. Behandlungen sind nicht mehr nötig. Auch Kulturschutznetze können jetzt abgenommen werden.


Möhrenfliege
Trotz günstiger Temperaturen gab es in dieser Woche nur einzelne Möhrenfliegen auf den Gelbtafen. Offenbar geht auch deren Aktivität für diese Saison zuende. Maßnahmen sind hier keine mehr erforderlich.


Lauchminierfliege
Die Aktivität der Lauchminierfliegen hat nach dem Temperaturanstieg zur Wochenmitte deut-lich zugenommen. Die trockenen, warmen Tage am Wochenende können genutzt werden, um Bestände von Lauch, Zwiebeln und Knoblauch, in denen die letzte Spritzung mehr als zwei oder drei Wochen zurückliegt, zu behandeln. Das sollte zumindest dort passieren, wo die Befallsgefahr hoch ist, weil sich in der Umgebung (mehrere hundert Meter) Flächen befinden, auf denen im April und Mai Lauch- und Zwiebelgewächse mit Befall standen.


Raupen
Kohlbestände müssen jetzt nicht mehr gegen Raupen behandelt werden, wenn nicht noch alter Befall aus dem September vorhanden ist. Die Zahl der Kohlweißlinge, die an sonnigen Tagen über die Felder flattern, hat deutlich abgenommen, auch Kohl- und Gemüseeule legen im Freiland kaum noch Eier ab. Kohlmotten und Baumwoll-kapseleule sind zwar noch aktiv, aber bei nass-kühler Witterung entwickeln sich diese wärmeliebenden Raupen nur langsam und mit hohen Verlusten. Aus diesem Grund kann auch bezüglich Raupen im Freiland-Salat Entwar-nung gegeben werden.
Anders sieht die Situation in den Gewächshäusern aus. In mehreren Beständen von Salat, Spinat und Mangold wurde in der vergangenen Woche zum Teil starker Befall mit verschiedenen Eulenraupen festgestellt. Auch andere Blattgemüse und Kräuter sollten auf Löcher und Kotkrümel kontrolliert werden.
Die Raupen sind meist noch sehr klein, haben aber im geschützten Anbau gute Chancen, im Laufe der nächsten Wochen und Monate an Größe und Appetit zuzulegen. Deshalb sollte bald behandelt werden.
Karate Zeon (in Spinat, Mangold) wirkt noch bei 5 °C, Steward (in Salate) braucht mindes-tens 10 °C. Im Bio-Anbau ist gegen Eulenraupen im Gewächshaus – abgesehen von XenTari mit den nicht erfüllbaren Belichtungsauflagen - nur Dipel DF breit ausgewiesen (u. a. in Salat-Arten, Spinat, Mangold, Postelein, Kohlarten, verschiedene Wurzel- und Zwiebelgemüse). Für die Wirkung sind Temperaturen über 15 °C günstig. Auch Spruzit Neu wirkt gegen Rau-pen, ist aber z. B. in Spinat und Mangold im Gewächshaus nicht zugelassen. Es wirkt schon bei niedrigen Temperaturen. Die Behandlung sollte abends durchgeführt werden, weil viele Raupen sich tagsüber verstecken. Deshalb ist auch eine Diagnose über die Ausscheidungen einfacher als über die Schädlinge selbst: Je nach Größe der Raupen ist ihr Kot krümelig oder ballenförmig. Klebt nur schnurförmiger Kot an den Pflanze, sind Schnecken für die Löcher in den Blättern verantwortlich.


Wintergetreidemilbe
Die ersten Wintergetreidemilben sind in betroffenen Gewächshäusern zu beobachten. Die Tiere sind noch klein. Offenbar handelt es sich um die erste, aus den Sommereiern ge-schlüpfte Generation. Die Bekämpfung sollte möglichst bald stattfinden, bevor die Milben mit der Eiablage beginnen und die Population anwächst.


Pilzkrankheiten
Salate im Gewächshaus müssen jetzt noch gegen Falschen Mehltau geschützt werden.
Wenn 10 °C nicht mehr für mehrere Stunden täglich erreicht werden, gibt es keine Neuinfek-tionen mehr. In der lichtarmen Jahreszeit werden dafür pilzliche Salatfäulen wichtiger.
Der Erreger der „Schwarzfäule“ (Rhizoctonia solani) dringt in die bodenaufliegenden Blätter ein und bringt dann Blatt für Blatt unter Fäule zum Absterben. Der Strunk bleibt lange intakt. Botrytis infiziert meist am Wurzelhals. Dieser wird morsch, bricht leicht ab und zeigt oft einen grauen Pilzrasen („Grauschimmel“). Betroffene Pflanzen verwelken. Welke gibt es auch bei einer Infektion mit Sclerotinia („Sclerotinia-Fäule“), typischerweise bei den äußeren Blättern beginnend. Der Strunk verfault, unter den absterbenden Blättern wächst ein schneeweißes, wattartiges Pilzgeflecht. Bei fortgeschrittenem Befall verschwindet dieses und es werden ein bis zehn Millimeter große, schwarze Sklerotien gebildet. Mit diesen überdauert der Pilz jahre-lang im Boden.
Zur Vorbeugung von Salatfäulen wird in sauberes (!) Bändchengewebe oder Folie gepflanzt. Das stellt eine mechanische Barriere gegen Pilze aus dem Boden dar. Sorten mit eher auf-rechtstehenden Umblättern, hohes Pflanzen und großzügiger Abstand helfen, Umblätter und Wurzelhals trocken zu halten und damit ungünstige Bedingungen für die Pilze zu schaffen.
Eine regelmäßige Anwendung von Contans WG auf die Ernterückstände vor dem Einarbeiten reduziert mittelfristig die Anzahl der Sklerotien und damit den Befall mit Sclerotinia. Spritzun-gen von RhizoVital vermindern Infektionen mit Rhizoctonia und Botrytis.
Werden synthetische Fungizide (z. B. Switch, Teldor) gegen Fäulen eingesetzt, muss die erste Behandlung wenige Tage nach dem Pflanzen stattfinden, um die Blattunterseiten und die Bodenoberfläche zu treffen, die zweite etwa zwei Wochen später. Wegen der Gefahr von Pflanzenschäden und Minderwirkung sollte nur bei Temperaturen über 12 °C gespritzt werden.

Rhizoctonia und Botrytis an Salat
Ganz oben: Rhizoctonia (Schwarzfäule) beginnt an den bodenaufliegenden Blättern und lässt den gan-zen Kopf Blatt für Blatt zusammenfaulen.
Oben: Typisch für Botrytis ist ein grauer Pilzrasen und ein leicht abbrechender Wurzelhals.

Unten: Bei einem Befall mit Sclerotinia welken die äußeren Blätter zuerst.
ganz unten: Bei Sclerotinia-Befall fault der Stängel / Strunk (links), im späten Stadium entstehen schwarze Sklerotien an der absterbenden Pflanze (rechts).Sclerotinia an Salat



 

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