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Pflanzenschutzhinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 36)

Datum: 04.09.2020

Lauchminierfliege
Noch ist keine Aktivität der Lauchminierfliege zu beobachten. Mit ihrem Erscheinen muss aber in den nächsten ein bis zwei Wochen gerechnet werden. Wo der Einsatz von Kultur-schutznetzen (0,8 mm) als alleinige Maßnahme vorgesehen ist, sollten diese bei Gelegenheit aufgelegt werden.

Kohl
Die Zahl der Erdflöhe geht nun auf den meisten Flächen deutlich zurück.
Auch die Eiablage des Kleinen Kohlweißlings hat stark nachgelassen. In manchen Kohlbe-ständen haben sich dafür Kohlmotten etabliert. Deren kleinen Raupen darf man nicht unter-schätzen. Wenn die Raupen im Herzen der Pflanzen fressen, können sie die Entwicklung neuer Blätter und der Blumen empfindlich stören. Besonders Rosenkohl oder Blumenkohle vor der Blumenbildung sind gefährdet.
In Chinakohl sitzen in seltenen Fällen größere Eulenraupen. Die Raupen selbst sind schwer zu finden. Eher verraten dunkelgrüne Kotballen in den Blattachseln einen Befall. Beim Ein-satz von SpinTor und allen Pyrethroiden ist eine Nebenwirkung gegen Kohlfliege zu erwarten. Deren Eiablage bewegt sich allerdings noch auf sehr niedrigem Niveau.
Praktisch in allen Kohlbeständen trifft man auf junge Kolonien der Mehlige Kohlblattlaus. Wo nützlingsschonend gearbeitet wurde, tun sich bereits Schwebfliegenlarven daran gütlich. Die weitere Entwicklung muss beobachtet und es sollte eingegriffen werden, bevor es zu Blattverkrüppelungen kommt.
Die Blattläuse werden mit allen Mitteln erfasst, die auch gegen die Kohlmottenschildlaus ein-gesetzt werden. Deren Bekämpfung darf nicht vernachlässigt werden. In der Nähe befallener Bestände werden neue Pflanzungen schnell besiedelt und sollten deshalb frühzeitig behandelt werden.

Kohlmottenpuppe in Kokon
Bilder: Zwei Kokons der Kohlmotte, knapp 1 cm lang. Auf dem Bild oben erkennt man im netzartigen Kokon die am Hinterende zugespitzte Puppe der Kohlmotte. Vor dem Schlüpfen verfärbt diese sich bräunlich. In dem Kokon unten hat sich die Larve einer Schlupfwespe (Diadegma semiclausum) verpuppt, welche sich in der Raupe entwickelt hatte. Sie hat im Kokon der Kohlmotte einen eigenen, grau-braunen, ovalen Kokon gesponnen. Wenn die Schlupfwespen in der Überzahl sind, tilgen sie noch im September den Kohlmottenbefall.Kohlmottenkokon mit Kokon von Diadegma semiclausum

Bohnen, Tomaten, Zuckermais
Die Pheromonfallen zeigen starke Aktivität der Baumwollkapseleule an. Besonders in Tomaten und Zuckermais muss auf Fraßschäden und Raupen an Früchten und am Kolben geach-tet und rechtzeitig behandelt werden.

Pilzkrankheiten
Die Niederschläge der vergangenen Woche haben neue Infektionen ermöglicht, die aktuell starke Taubildung fördert die weitere Ausbreitung von pilzlichen Krankheitserregern. Gegen Septoria an Sellerie und Falschen Mehltau an Petersilie, Salat oder auch Kohlgemüse (Brokkoli, Kohlrabi) sowie gegen Phoma- und Alternaria–Blattflecken in Chinakohl sollten Behand-lungen durchgeführt werden, sobald der Boden befahren werden kann.
Wo Echter Mehltau nicht wirksam bekämpft wurde, breitet er sich bei sonnigem Spätsom-merwetter weiter aus, egal ob in Gurken im Gewächshaus oder an Möhren im Freiland. Auch hier sind weitere Spritzungen erforderlich.
In Lauch gibt es bereits verbreitet Rost und Purpurflecken.
Das Laub von Spargel sollte noch gesund gehalten werden, damit er die jetzt endlich vorhandene Bodenfeuchtigkeit noch lange nutzen kann. Für eine Abschlussbehandlung mit einem nicht resistenzgefährdeten Wirkstoff bietet sich Funguran Progress in Mischung mit Kumar an. Amistar Opti darf seit Mai nicht mehr eingesetzt werden und ist entsorgungspflichtig.

Kürbis
Ein Kürbis, der Anfang September geerntet wird, hält eher bis ins Neue Jahr als einer, der Mitte Oktober vom Feld geholt wird. Tiefe Temperaturen und Nässe gefallen dem Kürbis nicht. Früchte, die für längere Lagerung vorgesehen sind, sollten keine Temperaturen unter 10 °C abbekommen, auch nicht auf dem Feld.
Die Ernte sollte bei Trockenheit erfolgen, mit Stiel und die Kürbisse sind möglichst schonend zu handhaben. Nach der Ernte sind sie für mindestens 2 Wochen luftig, hell, trocken und warm (20-25 °C, z. B. in einem leeren Folientunnel) aufzustellen, damit Verletzungen verhei-len können. Anschließend erfolgt die Lagerung bei 12-15 °C und 60-70 % Luftfeuchte. So können die Früchte mehrere Monate halten.
Kürbisse, die gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Frost geerntet werden, müssen sofort vermarktet werden.

Kürbis knappreif mit grünem Stiel
Bild: Am nicht vollständig verkorkten, teilweise noch grünen Stiel erkennt man, dass der Kürbis noch nicht voll ausgereift ist. Für eine längere Lagerung sollte er bereits in diesem Zustand geerntet werden.

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