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Pflanzenschutzhinweis Gemüsebau Südbaden 2019 (KW 26)

Datum: 28.06.2019

Möhrenfliege
Von der Sommergeneration der Möhrenfliege ist noch auf keinem der beobachteten Standor-te etwas zu sehen. Vermutlich ist es ihr noch zu heiß. Bei hohen Bodentemperaturen gehen die fertig entwickelten Puppen im Boden in eine Sommerruhe, statt die Fliegen zu entlassen. Maßnahmen sind derzeit noch nicht erforderlich.
Lauchmotte
Die Lauchmotte fliegt immer noch, die Fangzahlen in den Pheromonfallen sind aber leicht zu-rückgegangen.

Lauchmotte
Bild oben: Die knapp 1 cm lange Lauchmotte (hier an Schnittlauch) mit dem charakteristischen weißen Fleck auf dem „Rücken“ be-kommt man nur selten zu Gesicht.
Bild unten: Bekannt sind dagegen leider ihre Raupe und das Schadbild.

Lauchmottenraupe mit Fraßschaden


Kohlfliege
Auch die Eiablage der Kohlfliege verharrt auf meist niedrigem Niveau. Maßnahmen sind nur bei Neupflanzungen (Jungpflanzenbehandlung) oder Rettich / Radies / Kohlrüben erforder-lich.
Raupen in Kohl
Die Eiablage des Kleinen Kohlweißlings hat stark zugenommen. Aber bei hochsommerlichen Temperaturen wie zurzeit entwickelt sich erfahrungsgemäß kaum eine Raupe. Behandlungen sollten deshalb nur stattfinden, wenn tatsächlich Raupen zu sehen sind.
Kohlerdflöhe
Drängendstes Problem im Freiland sind derzeit immer noch die Kohlerdflöhe. Zumindest die Zuwanderung neuer Exemplare hat nachgelassen. Eine Behandlung sollte jetzt länger halten als zwei Tage, weil tote Käfer nicht sofort durch Neuzugänge ersetzt werden – es sei denn, in der Nähe wird ein Kohlfeld abgeerntet. Dann konzentrieren sich die Erdflöhe auf die ver-bleibenden Sätze. Es kann hilfreich sein, z. B. Blumenkohl nach der Ernte noch stehen zu lassen, um die dort vorhandenen Erdflöhe nicht auf benachbarte junge Kohlpflanzungen zu treiben. Allerdings geht der Schuss nach hinten los, wenn auf dem „alten“ Kohl andere Schädlinge vorhanden sind, die sich dort vermehren können. Vor allem die Kohlmottenschild-laus profitiert von solchen Altbeständen.
Kohlmottenschildlaus
Die Kohlmottenschildlaus ist in vielen Kohlbeständen zahlreich vorhanden. Um ihr die Besied-lung von Wirsing, Rosen- und Grünkohl für den Winter nicht unnötig leicht zu machen, sollten diese deshalb möglichst weit entfernt von den Sommerkohlen gepflanzt werden. Nach der Pflanzung sollte mindestens wöchentlich auf die „Weiße Fliege“ kontrolliert werden. Beim ers-ten Auftreten muss sofort mit Behandlungen begonnen werden. Nur bei kleinen Pflanzen er-reicht man auch die Blattunterseite mit der Spritzbrühe.
Die Kohlmottenschildlaus vollendet etwa alle drei Wochen eine neue Generation. Mit jeder Generation wächst die Population etwa auf das 20-fache. Wird Kohl drei Wochen später ge-pflanzt als üblich, hat die „Weiße Fliege“ entsprechend weniger Zeit sich zu vermehren. Statt 200 „Weiße Fliegen“ sitzen dann nur 10 auf dem Blatt. Bei Rosenkohl funktioniert das nicht, aber bei Grünkohl kann ein späterer Pflanztermin eine Überlegung wert sein.
Bormangel an Sellerie und Kohl-/Speiserüben
An Knollensellerie gab es in den vergangenen beiden Jahren große Ausfälle durch hohle Knollen, z. T. in Verbindung mit Braunverfärbung und Trockenfäule. Betroffen waren Bestän-de mit schlechter Wasserversorgung. Ursache für das Symptom ist ein Mangel an Bor. Selle-rie und andere borbedürftige Pflanzen (Kohlrüben, Blumenkohl) können diese Spurenelement bei schlechter Wasserversorgung nicht in ausreichendem Umfang aus dem Boden aufneh-men. Deshalb sollten zur Vorbeugung eines Bor-Mangelschadens Spritzungen mit borhalti-gem Blattdünger nach Gebrauchsanweisung stattfinden – am besten noch vor Einsetzen des Knollenwachstums. Bei Verwendung von Borax sollte die Konzentration etwa 0,2 % betra-gen. Mit 600 l/ha der Lösung werden rund 130 g/ha Bor ausgebracht. Zwei oder drei solche Spritzungen dürften den Bedarf decken.

Bormangel an "Goldball"
Bild: Symptome von Bormangel bei Speiserübe "Goldball"


Folientunnel? – Bratschlauch!
Am Wochenende steigt die Temperatur weiter an. In schlecht klimatisierten Häusern über-stehen Gurken die Hitze besser, wenn das Aufleiten in den letzten Tagen vergessen wurde. Dann hängen die Köpfe zwischen dem Laub und profitieren vom feuchteren Kleinklima. Tro-ckene Luft ist für Gurken gefährlicher als hohe Temperaturen allein. Deshalb sollte ausgiebig gewässert und tagsüber mehrmals über Kopf kurz beregnet werden, um die Luftfeuchte an-zuheben. Auch Tomatenköpfe können verbrennen. Gut ist es, wenn im oberen Bereich eini-ge Geiztriebe als Reserve stehen gelassen werden.
Auch einigen tierischen Mitarbeitern gefällt das Klima im Gewächshaus nicht. Phytoseiulus ziehen sich auf die unteren Blätter zurück, statt unterm Dach bei 40 °C Spinnmilben zu ja-gen, und Hummeln kämpfen mit Fächeln ums Überleben der Brut, statt Tomaten zu bestäu-ben. Glück im Unglück ist, dass der Ertragseinbruch sich im August bemerkbar macht, wenn wegen der Ferien und der Tomatenschwemme in den Hausgärten die Nachfrage etwas nachlässt.
Am Montag ist hoffentlich das Gröbste überstanden. Dann sieht man auch, welche Hummel-völker ausgetauscht werden müssen.

Zulassungen
Proman: Notfallzulassung nach Art. 53 gegen Unkräuter in Feldsalat im Gewächshaus und im Freiland mit 1 l/ha nach der Saat, vor dem Auflaufen. WF (Gwh) = 60 Tage, WF (FL) = 42 Tage. Die Zulassung gilt vom 25.06. bis zum 21.10.2019.



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