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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden (KW 28)

Datum: 12.07.2019

Möhrenfliege
Die zweite Generation der Möhrenfliege steht in den Startlöchern. Auf den meisten Flächen ist der Boden noch zu trocken, um ihr den Schlupf zu ermöglichen. Auf einer intensiv bereg-neten Fläche, auf der seit März verschiedene Doldenblütler angebaut werden, zeigen die Gelbtafeln aber bereits stärkeren Flug dieses Schädlings. Unter solchen Bedingungen sollte bald eine erste Behandlung stattfinden. Benevia (Cyantraniliprole) kann dank einer Notfallge-nehmigung bis zum 15. Oktober gegen Möhrenfliege in Möhren eingesetzt werden (2 An-wendungen mit 7,5 ml/Ar, WZ=14 Tage). Alternativ kann die Nebenwirkung von Pyrethroiden (z. B. Karate Zeon, Lamdex Forte) genutzt werden. Alle sollten bei Beginn des Fluges einge-setzt werden, bevor Eier abgelegt werden. Benevia hat aber, mit viel Wasser (1000 l/ha) ge-spritzt, auch noch eine Teilwirkung auf die schlüpfenden Maden. Pyrethroide sind reine Kon-taktmittel und werden am besten am späten Nachmittag gespritzt, um möglichst viele der Fliegen direkt zu treffen. Danach ist eine repellente Wirkung von ca. 1 Woche Dauer zu erwarten. Die Wirkungsdauer von Benevia liegt bei etwa 2 Wochen.

Auf nicht oder selten beregneten Flächen sind bisher keine, oder nur einzelne Möhrenfliegen zu finden. Ob die angekündigten gemäßigten Temperaturen und gelegentliche Schauer oder Wassergaben reichen, um sie aus ihrer Sommerpause zu wecken, muss sich noch zeigen.
Auch die von den Fliegen abgelegten Eier und die daraus schlüpfenden Maden – das eigent-lich schädliche Stadium – brauchen es feucht und mäßig warm. Bei Hitze und Trockenheit sterben Eier und Maden im Boden ab. Bewässert werden sollten Möhren deshalb selten, aber dafür gründlich. So kann die Bodenoberfläche immer wieder abtrocknen. Mit flacher Bodenbearbeitung, die die Kapillaren bricht, wird das noch unterstützt. Tiefgründiges Bewäs-sern ist bei Möhren ohnehin angebracht. Wenn das Wasser nur wenige Zentimeter in den Boden eindringt, bilden die Rüben in diesem Bereich vermehrt Haarwurzeln, die im weiteren Verlauf dick werden. Das Ergebnis ähnelt dann eher einer Sellerieknolle als einer Möhre.
Wenig gefährdet sind Möhren bis zum 3-Blatt-Stadium: Die Möhrenfliege legt ihre Eier nur auf beschatteten Boden.

Möhrenfliege auf Gelbtafel
Bild: Möhrenfliege auf Gelbtafel

Lauchmotte
Die Aktivität der Lauchmotte ist deutlich zurückgegangen. Maßnahmen sind derzeit keine er-forderlich.
Raupen in Kohl, Salat, Fruchtgemüse
Der Befall mit Raupen in Kohl nimmt auf geringem Niveau zu. Nur die Kohlmotte ist in einzelnen Beständen in größerer Zahl vorhan-den. Dieser Schädling neigt stark zur Resis-tenzbildung. Nach einer Behandlung sollte die Wirkung kontrolliert werden und bei Hinweisen auf Minderwirkung der Wirkstoff gewechselt werden. Bei sehr starkem Befall mit Kohlmotte ist eine Blockbehandlung angezeigt mit drei Behandlungen im Abstand von fünf bis sieben Tagen – mit einem wirksamen Mittel. Die Raupen der Gemüseeule schlüpfen aus Gele-gen mit mehreren duzend Eiern und verteilen sich bald danach auf benachbarte Pflanzen um dort erstmal kleine, runde Löcher in die Blätter zu fressen. In Beständen von Paprika und Tomaten ergibt das ein Bild, als hätte je-mand mit einer Schrotflinte darauf geschos-sen. So lässt sich der Schaden gut von dem durch Schnecken, Ohrwürmer oder andere Gelegenheitsschädlinge abgrenzen. Viele der Raupen fallen frühzeitig natürlichen Gegen-spielern zum Opfer. Das erkennt man daran, dass es bei kleinen Löchern in den Blättern bleibt. Wenn diese mit der Zeit doch größer werden, kann z. B. mit NeemAzal-T/S (Papri-ka, Gurke im Gwh, Tomate im Gwh und FL), Mimic (Paprika, Tomate im Gwh) oder XenTari (Tomate im Gwh, Gurke,Paprika im FL) be-handelt werden.Die Zahl der Raupen in Salat ist sehr gering. In seltenen Fällen sind bis zu 5 % der Pflanzen befallen. Die Bestände sollten weiter kontrolliert werden, auch auf Blattläuse.


Rosenkohl mit von Kohlmottenraupen zerfressenen Herzblättern
Bild: So weit sollte man es nicht kommen lassen: An diesem Rosenkohl schädigen Kohlmottenraupen die Herzblätter so stark, dass kein Blattzuwachs mehr möglich ist.

Blattläuse
Der Befallsdruck durch die Johannisbeer-Salatlaus ist weiterhin sehr gering. Ausgestorben sind die Tiere zwar nicht. Aber die Population muss sich nach dem hitzebedingten Einbruch erst wieder erholen.
Zulassungen
Betanal MAXXPRO: Die Genehmigung für Desmedipham als Wirkstoff in Pflanzenschutzmit-teln wird nicht erneuert. Bestehende Zulassungen für Pflanzenschutzmittel, die Desme-dipham als Wirkstoff enthalten, werden bis spätestens am 1. Januar 2020 widerrufen. Die Aufbrauchfrist endet spätestens am 1. Juli 2020. Im Gemüsebau ist nur das Mittel Betanal MAXXPRO (zugel. in Rote Bete) betroffen.
Orvego (300 g/l Ametoctradin + 225 g/l Dimethomorph): Gegen Falschen Mehltau in Salbei und Basilikum-Arten im Gwh (2 x 8 ml/Ar, WZ=7 Tage), in Gurke, Moschus-/Riesen-/Garten-/Flaschenkürbis zur Verwendung mit Schale im Gwh (3 x 4-8 ml/Ar je nach Pflanzenhöhe, WZ=3 Tage), in Zucchini, Patisson im Gwh (3 x 8 ml/Ar, WZ=3 Tage), in Gurke, Zucchini, Patisson,Moschus-/Riesen-/Garten-/Flaschenkürbis zur Verwendung mit Schale im FL (2 x 8 ml/Ar, WZ=3 Tage), in Speisezwiebel im FL zur Nutzung als Bundzwiebel (2 x 8 ml/Ar; WF=7 Tage) und in Speisezwiebel, Schalotte, Knoblauch im FL zur Nutzung als Trockenzwiebel (2 x 8 ml/Ar; WF=21 Tage) und gegen Papierfleckenkrankheit in Porree im FL (2 x 8 ml/Ar; WZ=21 Tage)
Follow (180 g/l Fluroxypyr): Gegen einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Kletten-Labkraut In Kresse zur Saatguterzeugung. 1 x 4 ml/Ar im 2- bis 4-Blatt-Stadium, WZ (FL)=28 Tage.
Dimethofin (150 g/l Dimethomorph): Notfallzulassung vom 05.07.2019 bis 01.11.2019 gegen Falschen Mehltau in Blumenkohl. 3 x 12 ml/Ar, WZ (FL) = 14 Tage.

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