Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2021 (KW 8)

Kohlrüssler
Seit Anfang der Woche ist ein stärkerer Flug von Kohltrieb- und vor allem Rapsstängelrüssler zu verzeichnen. Diese finden ihre Wirtspflanzen nicht nur auf den Feldern, sondern auch in den Jungpflanzenkisten im Hof und sogar im Gewächshaus. Die Kohljungpflanzen, die dort auf bessere Bodenbedingungen warten, sollten zum Schutz vor den Käfern mit Vlies abgedeckt werden. Diese Maßnahme vermindert auch die nächtliche Abkühlung und damit die Schosserneigung.
Auch nach dem Pflanzen muss das Vlies sofort wieder aufgelegt werden. An einem windstillen, warmen Tag reichen wenige Stunden ohne Abdeckung, um einen flächendeckenden Befall mit den Rüsselkäfern zu provozieren. Daran muss auch gedacht werden, wenn in den nächsten Wochen für Pflegemaßnahmen aufgedeckt werden muss. Im Zweifelsfall sollte vor dem (Wieder-)Zudecken der Fläche eine Behandlung mit einem Kontaktinsektizid (z. B. Pyrethroide) erfolgen.

Gefleckter Kohltriebrüssler an Wirsing-Jungpflanze
Bild: Ein ca. 2 mm langer Kohltriebrüssler an Wirsing in einer Jungpflanzenkiste.

Offene Zucht
Die biologische Bekämpfung von Blattläusen an Gurke, Aubergine oder Paprika im Gewächshaus ist auch alleinig mit dem regelmäßigen Einsatz von Nützlingen möglich. Allerdings besteht dann ein hohes Risiko, dass die Blattläuse sich vorübergehend stark vermehren, bevor sie von ihren Gegenspielern unter Kontrolle gebracht werden. Der Grund dafür ist, dass die Nützlinge in der Regel eine längere Entwicklungsdauer haben, wodurch ihre Bestandsentwicklung der der Blattläuse ein wenig hinterher läuft. In diesen Fällen muss mit integrierbaren Pflanzenschutzmitteln die Blattlausvermehrung so gut wie möglich gebremst werden, bis die Nützlinge aufgeholt haben. Besonders oft ist das bei der Gurkenlaus (Aphis gossypii) nötig. Sie kann sich rasant vermehren. Einer ihrer wirkungsvollsten Gegenspieler, die Räuberische Gallmücke Aphidoletes aphidmyza braucht dagegen vier Wochen vom Ei bis zum er-wachsenen Tier und bis zu zwei Wochen von der Ausbringung (als Puppe) bis zur blattlausfressenden Larve.

Eine offenen Zucht verschafft den Nützlingen, insbesondere den Räuberischen Gallmücken, einen zeitlichen Vorsprung. Sie bewirkt, dass auf die ersten schädlichen Blattläuse, die im Gewächshaus eintreffen, schon eine stabile Population ihrer Gegenspieler wartet. Eine Massenvermehrung der Blattläuse kann so oftmals verhindert werden.
Für Pflanzungen Mitte April sollte jetzt die offene Zucht mit der Getreideaussaat gestartet werden. Getreideläusen können gleich nach der Aussaat bestellt werden, denn sie lassen sich am besten ansiedeln, wenn die Keimlinge gerade aus dem Boden spitzen. Zwei Wochen Entwicklungszeit sollte man den Getreideläusen mindestens gönnen, bevor die ersten Nützlinge eigesetzt werden. Neben Wintergerste und –weizen ist Indische Fingerhirse (Eleusine coracana) gut für die offene Zucht geeignet. Wegen langsamer Jugendentwicklung und hohem Wärmebedarf empfiehlt es, sie erst im Mai in das verlauste Getreide zu pflanzen. Sie hält dann den ganzen Sommer durch. Auch Mais eignet sich für eine dauerhafte Blattlauszucht.
Nach Möglichkeit sollten die beiden Getreideläuse Rhopalosiphum padi (Haferblattlaus) und Sitobion avenae (Große Getreideblattlaus) getrennt vermehrt werden. In gemischten Zuchten verdrängt eine Art die andere.

In der Großen Getreideblattlaus vermehren sich die Schlupfwespen Aphidius ervi und Praon volucre, Gegenspieler der Kartoffelläuse. Die Haferblattlaus ist Wirt für die Schlupfwespen Aphidius matricaria und A. colemani, welche als Nützlinge gegen Tabak- Pfirsich- und auch Gurkenlaus eingesetzt werden. Wirksamer gegen die Gurkenlaus ist die Schlupfwespe Lysiphlebus testaceipes. Sie ist sehr wärmeliebend und profitiert deshalb kaum von einer offenen Zucht im Frühjahr. Sie wird besser erst im Mai eingesetzt, ist dann aber sehr effizient.

Larven von Aphidoletes aphidimyza zwischen Macrosiphum euphorbiae
Bild: Die wurmförmigen Larven der Räuberischen Gallmücke nehmen fast alle Arten von Blattläusen. Hier saugen sie Gestreiften Kartoffelläuse aus (Macrosiphum euphorbiae) aus. 

Zulassungen
Gnatrol SC (Bacillus thuringiensis subsp. israelensis (Serotyp H-14) AM65-52) wurde genehmigt in Gemüsejungpflanzen im Gewächshaus zur Bekämpfung von Trauermückenlarven mit max. 3 Gießbehandlungen mit 10 ml/m² in mind. 2 l Wasser/m² vor der Saat und nach dem Auflaufen im Abstand von 4 bis 7 Tagen bis zum 4-Blatt-Stadium. Die Festsetzung einer Wartezeit ist nicht erforderlich.

 

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