Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2021 (KW 36)

Lauch
Örtlich sind immer noch frische Fraßschäden von Lauchmottenraupen zu finden. Wo Schäden aufgetreten waren oder eine Bekämpfung schon länger zurückliegt, sollten die Bestände kontrolliert werden.
Die Herbstgeneration der Lauchminierfliege kündigt sich dagegen nur zaghaft an. Man sieht zwar häufig in Reihen angeordnete Fraßpunkte in Schnittlauchbeständen, aber diese stammen fast immer von Zwiebelminierfliegen (Liriomyza nietzkei) Anders als die Lauch-minierfliege (Napomyza gymnostoma) dringen die Larven der Zwiebelminierfliege nicht in den Schaft vor. Der Schaden beschränkt sich auf Minen in den Blättern und ist deshalb in aller Regel vernachlässigbar. Unterscheiden kann man die Fraßpunkte an der Einstichöff-nung. Diese ist bei der Zwiebelminierfliege rund oder dreieckig und sitzt am Rand des wei-ßen Kreises. Bei der Lauchminierfliege ist die Einsticköffnung schlitzförmig und reicht deut-lich über den Rand des weißen Kreises hinaus. Die Tiere selbst sind an der Färbung der Oberschenkel zu unterscheiden. Diese sind bei der Zwiebelminierfliege gelb, bei der Lauchminierfliege dunkel.
Von der Lauchminierfliege sind bisher selbst in alten Schnittlauchbeständen mit zuverlässigem Auftreten erst einzelne Exemplare zu sehen. Wo der Einsatz von Kulturschutznetzen zum Schutz von Lauch, Zwiebeln etc. geplant ist, sollten diese dennoch umgehend aufge-legt werden; auch Bundzwiebeln in Gewächshäusern sollten geschützt werden. Behand-lungen mit Insektiziden sind derzeit aber noch keine nötig.

Fraßpunkte von Lauch- und Zwiebelminierfliege

Bilder: Die Fraßpunkte von Lauchminierfliege (links) und Zwiebelminierfliege (rechts) unterscheiden sich durch die Form der Einstichstelle (Pfeile)


Möhren
Die dritte Generation der Möhenfliege ist unterwegs. In Lagen, wo in diesem oder in den vergangenen Jahren bereits Schäden festgestellt wurden, sollten Möhren, Pastinaken und Wurzelpetersilie mit geeigneten Insektiziden behandelt werden. Wirksam gegen Möhren-fliege sind z. B. Minecto One (Behandlungen ca. 14-tägig) oder Pyrethroide wie Mavrik Vita oder Karate (Behandlungen ca. 10-tägig). Kulturschutznetze sollten jetzt nur noch am Vor-mittag abgenommen werden. Drei bis vier Wochen vor der Ernte können die Netze abge-nommen werden. Die letzte Insektizidspritzung sollte je nach Wirkungsdauer vier (Pyrethroide wie Kaiso sorbie, Karate Zeon, Lamdex Forte) bis fünf Wochen (Minecto One) vor der Ernte stattfinden.


Kohl und Kohlrübe
Auch die Kohlfliege ist noch sehr aktiv. Kohl- und Speiserüben sollten geschützt werden. Wirksam sind die gleichen Mittel, die auch gegen Möhrenfliege wirken. Die sicherste Wir-kung hat eine Netzabdeckung.
Wenn es wieder regnerisch wird, besteht auch Gefahr für Wirsing, Rosen- und Chinakohl. Hier legt die Kohlfliege Eier in die Blattachseln. Bei feuchter Witterung können sie sich entwickeln. Die Maden bohren sich in die Blattrippen und den Strunk und können so den Weg für Fäulniserreger ebnen. Auch hier hat ein Kulturschutznetz den höchsten Wir-kungsgrad. Alternativ können SpinTor oder verschiedene Pyrethroiden eingesetzt werden. Eine gute Wirkung gegen Kohlfliege haben auch Coragen (nicht in Rosen- und Chinakohl) oder Minecto One (nicht in Chinakohl). Die Aufbrauchfrist für Bulldock endete am 30.06.2021.
Ein Fungizid gegen Alternaria- bzw. Phoma-Blattflecken (z. B. Signum, Askon) sollte zuge-geben werden. In Chinakohl müssen örtlich auch Blattläuse bekämpft werden. Dabei darf Movento OD 150 nicht in Mischung mit Askon oder Ortiva gespritzt werden, um keine Blatt-schäden zu riskieren.
In Blumen- und Kopfkohlen muss jetzt häufiger auf Raupen kontrolliert werden. Bisher ha-ben die Witterung und viele Nützlinge einen ernstzunehmenden Befall verhindert. Aber im Spätsommer lässt die Aktivität von Schlupfwespen und Raupenfliegen nach, und Kohl-weißling und Kohleule bekommen wieder Oberwasser – das müssen sie auch, um nicht völlig auszusterben. Leider passiert dieses letzte Aufbäumen gerade dann, wenn die Rau-pen in den wachsenden Kohlköpfen und -blumen maximalen Schaden anrichten können. Wird Befall festgestellt, sollte man jetzt mit Behandlungen also nicht zu lange zuwarten.


Salat
Auch in Salat gibt es örtlich stärkeren Befall mit verschiedenen Eulenraupen. Neben denen der Gammaeule sind nun überraschenderweise auch die Baumwollkapseleulen (Helicoverpa armigera) zu finden – offenbar waren Frühjahr und Sommer doch nicht kalt genug, um sie von der Einreise aus Norditalien und Südfrankreich abzuhalten.
Immer häufiger tauchen nun auch wieder Kolonien verschiedener Blattlausarten an Salat auf, insbesondere die Salatblattlaus (Acyrtosiphon lactucae), aber auch Kartoffelläuse wer-den wieder gefunden. Im Spätsommer und Herbst sind diese Arten oft wichtiger als die Jo-hannisbeer-Salatlaus (Nasonovia ribisnigri). Anders als letztere sitzen sie nicht im Herzen, sondern eher an den äußeren Blättern. Deshalb muss man bei den Kontrollen wieder den ganzen Kopf durchblättern.


Tomate
Auf Baumwollkapseleule muss nun auch an den letzten Tomatenfrüchten geachtet werden. Es ist aber davon auszugehen, dass ein Befall noch geringer ausfällt als in den vergangenen Jahren. Durch die regelmäßig zu findenden Raupen der Gemüseeule ist kaum Schaden zu erwarten. Da die Eier in größeren Gelegen abgelegt werden, können die kleinen Räupchen mir vereintem Appetit zwar Tomatenblätter richtiggehend zersieben, aber sie bleiben meist lokal begrenzt und fressen nur selten auch einmal äußerlich an einer grünen Tomatenfrucht.

Spargel
Für die letzten Spritzungen in Spargel sollte ein Fungizid mit geringer Resistenzgefährdung genutzt werden. Geeignet sind z. B. Funguran progress, Dithane Neo Tec oder Polyram WG.



 

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