Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2021 (KW 30)

KORREKTUR
In der Warnmeldung Nr. 12 vom 02.07. stand, dass Minecto One in Lauch gegen Thrips ein-gesetzt werden kann. Das ist leider nicht richtig. Die Zulassung von Minecto One ruht in Lauch seit dem 22. März 2021.


Möhrenfliege
Weiterhin ist die Möhrenfliege aktiv, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Bei Möhren in Be-fallslagen sollten aber noch Maßnahmen durchgeführt werden. Hier darf Minecto One tat-sächlich eingesetzt werden in Möhre und Wurzelgemüse, wozu Pastinak, Wurzelpetersilie und Knollensellerie zählen.


Raupen
In Salat gibt es lokal an über 10 % der Pflanzen Fraß durch junge Raupen der Gammaeule. Die Bestände sollten kontrolliert und ggf. behandelt werden. Dipel DF oder XenTari sind wirk-sam gegen Eulenraupen und haben keine Wirkung auf Nützlinge. Steward und SpinTor sind weitgehend nützlingsschonend oder haben zumindest keinen anhaltend negativen Effekt auf wichtige Gegenspieler von Raupen, Blattläusen oder Thrips.
Auch in Kohl und Lauch ist weiter auf Raupen zu kontrollieren. Die feuchte Witterung mit mäßig hohen Temperaturen ist für deren Entwicklung eher günstig.


Kohlmottenschildlaus
Um die Kohl-Weiße-Fliege wirksam zu bekämpfen sind regelmäßige und frühzeitige Behandlungen nötig. Wenn beim Durchfahren weiße Wolken aus dem Rosenkohl stieben, ist es zu spät zum Handeln. Wirksam gegen die Kohlmottenschildlaus sind u. a. Movento OD 150 (Minderwirkungen möglich), Mospilan SG, Minecto One oder Teppeki. Bis auf Mospilan SG sind diese Mittel einigermaßen nützlingsschonend.
Bei vorhandenem Befall sollten mindestens drei Spritzungen im Abstand von ca. 10 Tagen stattfinden. Wenn die Blattunterseite gut benetzt wird, hat man auch mit Kontaktinsektiziden wie z. B. Neudosan Neu oder Eradicoat Max Erfolg.


Wanzen
Nach einem verzögerten Start kommen die Pflanzenwanzen nun doch in die Gänge – und in die Gewächshäuser und Tunnel. Dort wandern vermehrt Wiesenwanzen (Lygus sp.) und Nesselwanzen (Liocoris sp.), seltener auch Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ein. Die Grüne Reiswanze bleibt überwiegend noch auf die Umgebung der Häuser be-schränkt, in denen sie auch überwintern konnte. Im Allgemeinen ist die Zahl der Wanzen viel geringer als in den vergangenen Jahren. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass an Gurke, Aubergine oder Paprika wirtschaftliche Schäden durch ihre Saugtätigkeit entstehen. Welken-de Triebspitzen und verkrüppelte, aufgerissene und welkende Blätter sind die Folge. Bei Gurken brechen die angestochenen Stängel leicht beim Wickeln und die Früchte sind defor-miert. An Tomaten- und Paprikafrüchte entstehen große, gelbe Flecken, die nicht mehr aus-reifen. Auberginen stoßen angestochene, junge Blütenknospen ab, so dass der Fruchtansatz ganz ausbleiben kann. Sind die Knospen bereits 1,5 bis 2 cm lang, besteht diese Gefahr nicht mehr.
Auch im Freiland sieht man nun regelmäßig Wanzenschäden. Buschbohnen reagieren mit verformten Hülsen. An Mangold und Salat – vor allem Romana- und Eissalat – verfärben sich die Einstichstellen an den Blattrippen dunkel und reißen auf. Bei Fenchel und Sellerie welken einzelne Fiedern oder ganze Blätter. Die Verletzungen können Eintrittspforten für Fäulniser-reger sein.
Wenn die Schäden überhand nehmen, können die Wanzen mit Pyrethroiden (z. B. Karate Zeon) oder Mospilan SG bekämpft werden. Diese Mittel sind stark und anhaltend nützlingsschädigend. Die Anwendung kann Probleme mit Thrips und Spinnmilben nach sich ziehen, gegen die in Bohnen oder Sellerie im Freiland keine überzeugenden Mittel zugelassen sind.



Wiesenwanze (Lygus) an Eissalat

Bilder: Adulte Wiesenwanze an Eissalat (unten) und die von ihr verursachten Saugschäden an den Blättern (oben)

Wiesenwanze (Lygus) an Eissalat


Pilzliche Blattkrankheiten
Phytophthora ist in manchen Tomatenbeständen im geschützten Anbau durch Wärmeeinwir-kung zum Erliegen gekommen. Die Erleichterung ist nur von kurzer Dauer. Die nötigen 30 °C wurden im Freiland nicht erreicht, und so werden dort in befallenen Kartoffelbeständen wei-terhin Sporen gebildet. Bei dem angekündigten unbeständigen Wetter oder Taunässe drohen neue Infektionen an Tomaten. Deshalb ein durchgehender Fungizidschutz wichtig, nicht nur für den unbehandelten Neuzuwachs der Tomaten. Auch Falscher Mehltau und andere pilzli-che Blattkrankheiten werden sich an anfälligen Kulturen wieder ausbreiten.
Damit sich an den abgestorbenen Pflanzenteilen kein Grauschimmel (Botrytis) ausbreitet und von dort gesunde Pflanzenteile infiziert, sollten diese entfernt oder entsprechende Fungizide eingesetzt werden wie z. B. Geoxe, Switch, Teldor oder VitiSan oder Luna Sensation bzw. Luna Experience.
Bei Spargel sind Maßnahmen gegen Stemphylium-Laubkrankheit notwendig, stellenweise auch gegen Rost. Da in vielen Anlagen bereits Infektionen vorhanden sind, sollten auch kura-tive Mittel zum Einsatz kommen. Score, Champion (Aufbrauchfrist 31.10.2021) oder Ditto 25 EC wirken kurativ gegen Rost, Switch gegen Stemphylium, Revytrex gegen beide. Die Kom-bination (Mischung oder Wechsel) mit den Kontaktfungiziden Cuprozin Progress, Funguran Progress, Delan WG, Dithane Neo Tec (Abverkaufs- und Aufbrauchfrist bis 04.01.2022) oder Polyram WG ist notwendig, um Resistenzbildung vorzubeugen.
Zulassungen
Switch hat eine Zulassungserweiterung erhalten in Speisezwiebel, Schalotte und Knoblauch (Nutzung als Trockenzwiebel) sowie in Speisezwiebel, Winterheckenzwiebel (Nutzung als Bundzwiebel) gegen Botrytis- und Sclerotinia-Arten. Max. 3 x 10 g/Ar im Abstand von 14 Ta-gen. WZ (Freiland) = 14 d;
Polyversum (100 g/ kg Pythium oligandrum): Zulassungserweiterung in Erbse gegen Brenn-fleckenkrankheit mit 2 x 0,1 kg/Ar im Abstand von 7 bis 10 Tagen; In Gurke gegen Falschen Mehltau mit 8 x 0,1 kg/Ar; außerdem gegen Auflaufkrankheiten zur Saatgutbehandlung in Gemüsekulturen (außer Erbse) mit max 0,05 g/ha, in Erbse mit 0,25 g/ha und in Gurke mit 0,005 g/ha, In Kohlgemüse gegen Alternaria, Wurzelhals- und Stängelfäule mit 8 x 0,2 kg/ha im Abstand von 7 bis 10 Tagen, bei Befallsgefahr; Wartezeit in allen Anwendungen = F
Polygandron (50 g/kg Pythium oligandrum) wurde zugelassen zur Saatgutbehandlung bei Ro-te Bete gegen Auflaufkrankheiten mit max 20 g/h, Wartezeit = F
Personelles
Ich bin bis 17.08. in Urlaub. Wenden Sie sich in dieser Zeit mit Fragen bitte an Josef Klapwijk.

 

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