Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2021 (KW 29)

Möhrenfliege
Die anhaltende Bodenfeuchte und das Fehlen von Hitzephasen war für die Entwicklung der
Möhrenfliegenmaden im Mai günstig. Dementsprechend findet man nun bei der Möhrenernte
örtlich viele „wurmige“ Möhren. Wo dies der Fall ist, sollte jetzt eine Behandlung gegen die
zweite Generation der Möhrenfliege durchgeführt werden. Deren Flug hat am vergangenen
Wochenende begonnen und dürfte in den nächsten Tagen seinen Höhepunkt erreichen. Neben
Minecto One (zugelassen z. B. in Möhren, Pastinak, Wurzelpetersilie, Sellerie) haben
auch Pyrethroide wie Karate Zeon eine Wirkung. Diese Kontaktmittel werden am besten am
späten Nachmittag eingesetzt, wenn die Möhrenfliegen im Bestand unterwegs sind.


Lauchmotte
Die Aktivität der Lauchmotte ist örtlich sehr unterschiedlich. Vor einer Behandlung sollten die
Bestände auf frische Fraßschäden kontrolliert werden.


Blattläuse
In Salat gibt es neue Ansiedlungen von Johannisbeer-Salatlaus. Die Bestände sollten kontrolliert
und gegebenenfalls behandelt werden.


Pilzliche Blattkrankheiten
In den vergangenen drei Jahren haben sommerliche
Hitzewellen zuverlässig dafür gesorgt, dass die Krautund
Braunfäule (Phytophthora infestans) an Tomaten,
ausgebremst wurde, bevor sie richtig in Fahrt kam. Steigen
die Temperaturen über mehrere Tage für einige
Stunden über 30 °C, stirbt der Pilz in den Blättern ab.
Im Stängel überlebt Phytophthora infestans 34 °C.
Diese Temperaturen
oder die nötige Dauer wurden in den zurückliegenden
sommerlichen Tagen offenbar nicht erreicht. Große
Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht mit
intensiver Taubildung ließen die Infektionen sogar noch
zunehmen. Jetzt sind in sehr vielen Beständen großflächig
abgestorbene, schwarz-braune Blätter zu sehen
und am Vormittag ein weißer Sporenrasen in der Überganszone
von abgestorbenen zu gesunden Blattteilen.
Die Wetteraussichten lassen weiterhin gute Infektionsbedingungen
erwarten. Alle Tomatenbestände, in denen
Infektionen beobachtet werden, sollten umgehend
behandelt werden. Geeignet sind kurativ wirkende Mittel
wie Tanos oder Ridmil Gold MZ, in Freiland-Tomaten
Ranman TOP.
Im Bio-Anbau stehen nur die rein vorbeugend wirkenden
Cueva Wein-Pilzfrei (Aufbrauchfrist 31.07.2021)
und Cuprozin Progress zur Verfügung. Diese sollten am
besten eingesetzt werden, bevor Infektionen vorhanden
sind. Erste befallene Blätter sollten entfernt werden, um
den Befallsdruck zu senken. Gegen Spritzflecken helfen
Spreiter wie WetCit oder Trifolio S-forte.

Ähnlich aggressiv verhält sich der Falsche Mehltau an Gurken. Befallene Bestände können
nur mit regelmäßigen Behandlungen am Leben erhalten werden. Tanos (nur Gwh), Forum
oder Orvego sind die Mittel der Wahl bei vorhandenem Befall. Auch Acrobat Plus WG wirkt
kurativ, braucht aber einen Spreiter, um Spritzflecken zu vermindern. Ranman Top kann
noch bei beginnendem Befall eingesetzt werden.
Das angekündigte unbeständige Wetter wird auch Botrytis weiterwachsen lassen. Befallene
Pflanzenteile in den Gewächshauskulturen sollten entfernt werden.
In dichten Beständen von Tomaten muss weiter von unten entblattet werden, Ziel sind 12 bis
16 Blätter. Das gilt auch für Gurken in der Layerkultur. Bei Gurken, die über den Draht hängen,
sollten wöchentlich ein bis zwei Blätter vom oberen (hängenden) Drittel des Haupttriebes
entfernt werden, um für eine gute Luftzirkulation zu sorgen.
Viel Luftaustausch ist für die Pflanzengesundheit derzeit wichtiger als hohe Nachttemperaturen.
Deshalb sollten die Lüftungen möglichst auch nachts offen bleiben. So kann die Luftfeuchtigkeit
aus dem Gewächshaus entweichen und es gibt weniger Taubildung an den Blättern.
Im Freiland muss der Fungizidschutz in allen anfälligen Kulturen erneuert werden, solange
der Boden noch befahren werden kann.


Zulassungen
Proman (500 g/l Motobromuron) hat eine Notfallzulassung nach Art. 53 erhalten in Feldsalat
gegen Unkräuter, 10 ml/Ar unmittelbar nach der Saat. Wartezeit (Gewächshaus)=60 Tage,
Wartezeit (Freiland) = 42 Tage. Dauer der Zulassung: 27.06. bis 27.10.2021.

 

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