Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2021 (KW 27)

Raupen
Der Kleinen Kohlweißling legt viele Eier ab, örtlich ist auch noch Kohlmotte zu finden. Insge-samt ist der Befall aber noch gering.
In Gewächshauskulturen werden immer wieder frische Fraßlöcher von junge Raupen der Gemüse- und Gammaeule gesichtet.
Der Flug der Lauchmotte hält an. In unbehandeltem Lauch sind jetzt örtlich Raupen und fri-sche Fraßschäden zu finden.


Blattläuse
An Salat sind kaum noch Blattläuse zu finden. Neben starkem Regen haben dazu auch viele Nützlinge beigetragen – zumindest auf Flächen, auf denen nützlingsschonend gearbeitet wurde. Auch sonst spielen Blättläuse im Freilandgemüse jetzt kaum noch eine Rolle. Hungri-ge Marienkäfer, Schwebfliegen, Raubwanzen und andere Blattlausfresser wandern zuneh-mend in die Gewächshäuser, um dort ihr Werk fortzusetzen – wenn kein Wanzenschutznetz ihnen den Weg versperrt.


Physiologische Störungen
Für die Arbeiten auf dem Feld sind die fürs Wochenende erwarteten Sommertage sehr will-kommen. Für viele Pflanzen bedeutet der Wetterwechsel aber Stress: Die abrupte Zunahme der Einstrahlung lässt die Temperatur steigen und damit die Luftfeuchtigkeit innerhalb von Minuten fallen, im Gewächshaus wird das noch verstärkt durch den Glashauseffekt. Den schlagartig erhöhten Wasserbedarf der Blätter können die Wurzeln so kurzfristig nicht de-cken – zumal dann nicht, wenn sie in strukturgeschädigten oder mit Wasser übersättigten Böden stecken oder wenn es sich um Gewächshauskulturen handelt, die wegen dem anhal-tenden Regenwetter nur sparsam bewässert worden waren. So reicht ein kleines Loch in der Wolkendecke, um Gurken- und Tomatenbestände innerhalb von Minuten zum Schlappen zu bringen. Die Rechnung für die Sonnenstunden erhält man am Tag darauf in Form abgesto-ßener Früchte oder Brennköpfe. Bei Tomaten legt so ein Wetterverlauf mit entsprechendem Wasserstress den Grundstein für Kalziummangel an den Früchten und damit Blütenendfäule. Dem Braunwerden der Blattränder – meist an den äußeren Kopfblättern - von Salat, dem sogenannten „Randen“, liegt ebenfalls Kalziummangel zugrunde, genauso dem Absterben der jungen Blättchen von Sellerie.
Kurzfristige Abhilfe im Gewächshaus kann man schaffen durch Wassergaben über Kopf, was die Luftfeucht anhebt. Bei Gurke und Tomate ist das aber nur zu empfehlen, wenn sicher ist, dass der Bestand bis zum Abend wieder trocken wird. Um den Ausfall durch Blütenendfäule bei Tomaten und Paprika zu verringern helfen regelmäßige Spritzungen mit kalziumhaltigen Blattdüngern. Diese könne auch das Ausmaß der Schäden an Salat und Sellerie begrenzen. Bei letzterem muss auch an Sekundärschäden gedacht werden.


Bakterienfäulen
Durch Kalziummangel abgestorbene Blattränder stellen genauso Eintrittspforten für bakteriel-le und pilzliche Fäuleerreger dar wie Verletzungen durch Starkregen, Hagel oder Pflegearbei-ten. Von geschädigten Herzblättern ausgehend kann eine Bakterienfäule die ganze Sellerie-knolle erfassen. Dagegen hat nur Cuprozin progress eine gewisse Wirkung uns sollte bei Be-darf eingesetzt werden (zugelassen in u. a. Kopfkohle, Blumenkohle, Kohlrabi, Knollensellerie, Salat-Arten, Zwiebelgemüse).
Einzelne welke Blätter an Zwiebeln weisen ebenfalls auf Bakterienbefall hin. Die Fäule breitet sich bis in die Zwiebel hinein aus, wo oft nur einzelne Schalen betroffen sind. Von außen ist das der geernteten Zwiebel nicht anzusehen. Die Kontrolle sollte deshalb auf dem Feld stattfinden. Verdächtige Pflanzen sollten vor der Ernte entfernt werden. Um weitere Übertragung bei der Ernte zu vermeiden, sollte bei befallenen Bestände das Laub nicht zu tief abgeschle-gelt und für ein zügiges Trocknen gesorgt werden.

Bakterielle Fäule an Zwiebel
Bilder: Bei dieser Zwiebel sind Bakterien an einer Blattscheide eingedrungen (Pfeil). Das betroffene Blatt verwelkt. Im Längsschnitt zeigt eine dunkle Verfärbung (Pfeil), dass die Fäule sich den Schaft hinunter in die Zwiebel hinein ausbreitet.


Pilzliche Fäulen
In den Gewächshäusern hat sich in der kühlen Dauernässe der vergangenen nassen Wochen Botrytis ausgebreitet. Infektionen nehmen ihren Anfang in der Regel an abgestorbenem Gewebe wie abgestoßene Gurken, abgefallene Blütenblätter, schlecht verheilte Stängel- und Stielstümpfe von Ernte und Ausgeizen. Beschädigte und befallene Blätter und Früchte sollten entfernt werden, um den Infektionsdruck in der nächsten Regenphase zu senken. Tomaten können bis zur untersten reifenden Traube entblattet werden, um die Luftzirkulation im Ge-wächshaus zu verbessern. Dabei sollten nicht mehr als 3 Blätter pro Woche entfernt werden, um den Wasserhaushalt nicht durcheinanderzubringen. Wassergaben müssen evtl. ange-passt werden in Hinblick auf die Witterung. Der Tomatenpflanze reichen 12 bis 16 ausge-wachsene Blätter.
Verbreitet sind heuer abgestorbene Stängel an Gurken, selten auch an Tomate, Paprika und Aubergine zu sehen. Meist handelt es sich um die Folgen einer Infektion mit Sclerotinia sp. (Sklerotinia-Welke) erkennbar am weißen, watteartigen Schimmel und den sich darin bilden-den schwarzen Sklerotien. In seltenen Fällen tritt in sehr dichten Gurkenbeständen auch die Phomopsis-Schwarzfäule (Phomopsis cucurbitae) auf, erkennbar an hellen, trockenen Trieb-abschnitten mit winzigen, schwarzen Pünktchen (Pyknidien) in Längsreihen. Bei Infektionen von Gummistängelkrankheit (Didymella bryoniae) an Gurke sind die befallenen Abschnitte ebenfalls weißlich mit schwarzen Pünktchen (Pyknidien oder Pseudothecien). Diese sind aber viel kleiner und nicht in Reihen angeordnet. Nicht immer ist bei Gummistängelkrankheit eine Welke zu beobachten. In allen drei Fällen sollten befallene Pflanzen bzw. Triebabschnitte am Ort in einen dichten Behälter gesteckt und entfernt werden, ohne die Sklerotien bzw. Pyknidien oder Pseudothecien im Bestand zu verteilen. Diese Dauerkörper überstehen auch das Kompostieren, deshalb sollten sie verbrannt oder im Restmüll entsorgt werden.

Stängelfäulen an Gurke Sclerotinia Didymella PhomopsisBilder: Verschiedene Stängelfäulen an Gurke. Von links nach rechts: Sklerotinia-Fäule, Gum-mistängelkrankheit, Phomopsis Schwarzfäule. Gelblich-braune Gummitropfen können übrigens bei allen drei Krankheiten abgesondert werden, nicht nur bei der Gummistängelkrankheit

Auch an Salat sind als Folge der dunklen, nassen Witterung verschiedene pilzliche Fäulen zu sehen, meist Schwarzfäule (Rhizoctonia solani) und Sklerotinia-Fäule (Sclerotinia sclerotiorum und S. minor). Schwarzfäule wächst vom Boden aus direkt die Blätter, Sklerotinia-Fäule greift infiziert am Stängel. Vorbeugend sollte möglichst flach gepflanzt werden, so dass die Blattunterseite möglichst wenig Kontakt zum Boden hat und der Wurzelhals schnell abtrock-nen kann. Eine erste Behandlung mit z. B. Signum, Switch oder Luna Sensation muss weni-ge Tage nach dem Pflanzen erfolgen, um einen Fungizidbelag auf der Unterseite der unters-ten Blätter, dem Wurzelhals und der Bodenoberfläche zu erzeugen. Das Stärkungsmittel Rhizovital 42 fl erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Rhizoctonia und kann als Mischungs-partner oder allein und auch schon in den Jungpflanzen ausgebracht werden.

Spargel
Bei spät beendeten Spargelanlagen können jetzt noch Herbizide unter Blatt eingesetzt wer-den. Die Kombinationen 0,5 l/ha Sencor Liquid + 0,8 l/ha Spectrum + 0,3 l/ha Buctril (Auf-brauchfrist 17.09.2021) passt in viele Situationen. Wurde direkt nach dem Abdämmen noch kein Sencor Liquid eingesetzt, kann die Aufwandmenge bis 0,9 l/ha erhöht werden. Anlagen, in denen eine Begrünung eingesät werden soll, dürfen nur die Dämme behandelt werden. In den Gassen muss das Unkraut mechanisch oder mit rein blattaktiven Wirkstoffen beseitigt werden.

 

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