Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2021 (KW 22)

Spargelfliege
An den Leimstäben lassen sich wieder mehr Spargelfliegen zählen. Nicht überall ist der Be-fallsdruck so hoch, dass eine Bekämpfung erforderlich ist. Diese wird empfohlen, wenn bei einer Stängelbonitur im vergangenen Herbst an 40 % der Pflanzen oder an 7 % der Triebe Befall in Form von Bohrgängen im Trieb festgestellt worden war, oder wenn – in der aktuellen Saison - fünf bis 10 Fliegen je Woche pro Leimstab gefunden werden. In Lagen mit starkem Befall sollten, wenn noch nicht geschehen, 1- und 2-jährige Pflanzungen behandelt werden, soweit die Anwendungsbestimmungen das zulassen. Bei Ertragsanlagen, die in den nächsten Tagen aus der Ernte genommen werden, sollte die Behandlung erfolgen, wenn die Mehrzahl der Stangen durchgestoßen ist, aber noch keine Seitentriebe ausgebildet haben. Wirksam sind Benevia (Notfallzulassung bis 10.08.2021 1 x 750 ml/ha als Bandbehandlung (25-30 cm Bandbreite), spätestens 3 Wochen vor zu erwartendem Blühbeginn. Benevia ist bienenge-fährlich (B1)), Spruzit Neu (reine Kontaktwirkung auf die getroffenen Fliegen) oder syntheti-sche Pyrethroide (Lamdex Forte z. B.; Kontaktwirkung, etwa 10 Tage anhaltend). Alle diese Mittel wirken auch gegen Spargelhähnchen und –käfer.

Möhrenfliege
Die Zahl der Möhrenfliegen auf den Leimtafeln geht weiter zurück. Nur in Lagen, in denen es in den vergangenen Jahren starken Befall gab aber noch keine Behandlung durchgeführt werden konnte, kann der Einsatz von Minecto One (zugelassen z. B. in Möhren, Pastinak, Wurzelpetersilie, Sellerie) mit viel Wasser jetzt noch sinnvoll sein. Sonst sind keine Maßnah-men mehr erforderlich. Wo Vlies- und Netzbedeckung zum Schutz der Kulturen aufgelegt wurde, kann diese zum Ende der Woche abgenommen werden. Dann sollten auch die Fang-pflanzen, nämlich überwinterte Bestände von Petersilie, Koriander und anderen Doldenblüt-lern umgebrochen werden. Die Wurzeln sollten dabei möglichst gut zerkleinert werden, damit sie schnell verrotten. So können sich zumindest die jüngeren der dort fressenden Möhren-fliegenmaden nicht mehr fertig entwickeln.

Kohlfliege
Trotz sommerlicher Temperaturen legt die Kohlfliege kaum noch Eier ab. In den nächsten Tagen wird der Flug der ersten Generation zuende gehen. Auf den Flächen sind keine Maß-nahmen in Kohl erforderlich. Kohl-Jungpflanzen sollten aber weiterhin vor dem Pflanzen mit SpinTor (alle Kohlarten) oder Verimark (Notfallzulassung bis 08.07.2021, nur in Blumen- und Kopfkohle im Gewächshaus auf vollständig versiegelten Flächen, 15 ml/1000 Pflanzen gie-ßen) behandelt werden. Denn da bereits Mitte April Eier abgelegt worden waren, ist wahr-scheinlich schon in zwei bis drei Wochen die zweite Fliegengeneration zu erwarten.

Kohltriebrüssler
Fraßgänge in Mairübchen oder Radies müssen nicht auf das Konto der Kohlfliege gehen. In den vergangenen Wochen wurden als Verursacher Larven von Rüsselkäfern festgestellt. Diese sind zwar fußlos, wie die Fliegenmaden, besitzen aber im Gegensatz zu diesen eine hellbraune Kopfkapsel und werden nur etwa 4 mm lang. Außerdem führen ihre Gänge meist von oben in die Knolle, weil die Eier in Blattstiele gelegt werden. Deshalb findet man die Gänge auch in Blattstielen und im Strunk von Brokkoli oder Winterblumenkohl. Dort können sie zu Bruch und Fäulnis führen. Bei Winterblumenkohl, der ja bis vor wenigen Wochen noch unter Vlies stand, stellt sich die Frage, wie die Käfer in die Kultur gelangten. Vielleicht hat die berüchtigte Vliesabnahme „für zwei Stündchen zum Hacken“ schon ausgereicht. Es ist aber auch möglich, dass sie bereits im vergangenen Herbst in den Bestand eingewandert sind und dort überwintert haben. Der Ärger ist groß und machen kann man jetzt eh nichts mehr, aber vielleicht gibt es bis zum nächsten Jahr ja hilfreiche neue Erkenntnisse.

Schaden durch Rüsselkäfer an Kohlrabi

Bilder oben: Schaden durch Rüsselkäfer (vermutlich Gefleckter Kohltriebrüssler) an Kohlrabi. Von außen erkennt man die kraterartig vernarbten Fraßstellen der Kä-fer am Blattstiel (links), drinnen findet man die beinlosen Larven der Käfer (rechts).

Bild unten: Auch dieser Fraßgang in einer Mairübe stammt von einer Rüsslerlarve. Diese hat sich, von einem Blattstiel aus-gehend, von oben in die Knolle gefressen.

Fraßgänge von Rüsselkäferlarven in Mairübe

Blattläuse
Das nasskalte Wetter erlaubte keine Behandlungen und auch die Nützlinge kamen bisher noch nicht recht auf Touren. In Salaten haben sich deshalb die Kartoffel- und Lattichblattläu-se (Acyrtosiphum lactucae) vermehrt und mit dem Ausbreitungsflug begonnen. Die Schwarze Bohnenlaus hat ihren Zuflug von den Winterwirten beendet. Im Freiland und Gewächshaus an Bohne, Spinat, Rote Bete, Mangold und Melde sind die Ansiedlungen meist noch klein und auf wenige Pflanzen beschränkt. Mit Pirimor lassen sich diese Arten nützlingsschonend bekämpfen. Die Gurkenlaus ist jetzt auch im Freiland an Gurke und Kürbis zu finden und wird sich weiter ausbreiten.
Pilzkrankheiten
Mit dem zum Wochenende angekündigten Regen steigt wieder die Gefahr für Falschen Mehltau und andere pilzliche Schaderreger. Im Gewächshaus sind Gurken und Tomaten durch die wechselhafte Witterung gestresst. Es gibt dort viele beschädigte Blätter. Abgestor-bene Pflanzenteile sollten entfernt werden, bevor sich dort Botrytis ansiedeln kann. Auch Sclerotinia tritt in diesem Frühjahr häufig auf. Befallene Pflanzen sollten an Ort und Stelle in eine Plastiktüte gepackt werden, ohne die Sklerotien im Gewächshaus zu verstreuen. Sie werden am besten als Restmüll entsorgt. Im Kompost kann der Erreger lange überdauern.

Zulassungen
Das BVL hat mit Wirkung ab 1. Juni 2021 für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Metalaxyl-M das Ruhen der Zulassung angeordnet. Dieses bezieht sich nur auf Saatgutbe-handlungen für die Aussaat im Freiland. Für Spritzanwendungen oder Aussaat von behandel-tem Saatgut im Gewächshaus können die Mittel weiter verwendet werden. Betroffen sind u. a. die Produkte Wakil oder Maxim XL.
In einigen Kulturen entstanden dadurch Lücken bei der Bekämpfung von Auflaufkrankheiten und Falschem Mehltau, welche eine Notfallzulassung nötig machten. Diese wurden mit Gül-tigkeit vom 01. Juni bis zum 28. September 2021 erteilt für folgende Anwendungen im Frei-land:
Maxim XL (25 g/l Fludioxonil + 10 g/l Metalaxy-M): gegen Auflaufkrankheiten und Falschen Mehltau (Frühbefall) in Frische Kräuter außer Salvia officinalis spec (2 ml/kg Saatgut, Je ha max. 4,5 kg Saatgut = 9 ml Produkt), in Rucola (2 ml/kg Saatgut; je ha max 4,8 kg Saatgut = 9,6 ml Produkt) und gegen Auflaufkrankheiten in Zuckermais (12,5 ml/50000 Korn; je ha max.110000 Korn = 27,5 ml Produkt)
Apron XL (339,2 g/l Metalaxyl-M): gegen Auflaufkrankheiten und Falschen Mehltau (Frühbe-fall) in Rucola (5 ml/kg Saatgut; je ha max. 4,5 kg/Saatgut = 23 ml Produkt), in Frische Kräu-ter (2 ml/kg Saatgut; je ha max 4,5 kg Saatgut = 9 ml Produkt), in Spinat (50 ml/1 Mio. Kör-ner; je ha max. 7 Mio. Körner = 350 ml Produkt), in Feldsalat (2 ml/kg Saatgut; je ha max 12 kg Saatgut = 24 ml Produkt), in Radies (30 ml/1 Mio Körner; je ha 3 Mio. Körner = 90 ml Produkt) und gegen Auflaufkrankheiten (Pythium) in Buschbohne (18 ml/100000 Körner; je ha 350000 Körner = 63 ml Produkt)
Für alle Anwendungen von Maxim XL und Apron XL gilt: Das Mittel ist giftig für Vögel; des-halb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Do-siereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden. Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5m/s.
Eine Notfallzulassung mit Gültigkeit vom 01. Juni bis 28. September wurde auch ausgespro-chen für Benevia im Freiland gegen Thrips in Speisezwiebel zur Verwendung als Bundzwiebel mit 2 x 7,5 ml/Ar; Wartezeit =7 Tage
Eine Zulassungserweiterung wurde erteilt für Revus gegen Falschen Mehltau in Kohlrabi im Freiland mit 2 Behandlungen mit je 6 ml/Ar im Abstand von 7 Tagen; Wartezeit = 7 Tage.



 

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