Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 50)

Datum: 08.12.2020

Winterliche Insektenwelt
Mehrere Frostnächte und dauerhaft niedrige Tempera-turen haben die tierischen Schädlinge im Freiland in die Winterruhe verbannt. Sogar die Lauchminierfliege, die heuer sehr lange durchgehalten hat, hat sich nun end-lich zurückgezogen.
In milden Phasen können noch Raupen verschiedener Eulenfalter wie Hausmutter oder Achateule an überwin-ternden Kulturen fressen. Eine Bekämpfung im Freiland ist in der Regel nicht nötig und wegen schlechter Be-fahrbarkeit auch nicht möglich. Im Gewächshaus, wo wegen der höheren Temperaturen ihr Appetit größer ist, können dagegen noch Maßnahmen erforderlich werden.
Zu Irritationen können jetzt ca. ein Zentimeter lange, bräunliche, grünliche oder weißlich-transparente Maden führen. Man findet sie manchmal in großer Zahl bei der Ernte an Freilandgemüse, vor allem Wirsing. Es handelt sich um Schwebfliegenlarven, die dort den Blattläusen nachstellen. Die Larven lassen sich einfach mit Wasser abspülen. Die bräunlichen, tropfenförmigen Puppen haften hartnäckiger, sitzen aber meist nur an den äußeren Blättern und werden mit diesen weggeputzt.

Schwebfliegenlarven an Wirsing
Bild: Zwei Larven und eine Puppe von Schwebfliegen inmitten ausgesaugter Blattläuse an Wirsing.

Wintergetreidemilbe
In Bio-Gewächshäusern sind Wintergetreidemilben weit verbreitet. Das typische Symptom sind silbrig-weißen Blattflecken, die an Saugschäden von Zikaden oder Thrips erinnern, aber viel großflächiger sind. Bei starkem Befall entfalten sich die Blätter nicht mehr richtig, wirken wie gestaucht und sind verformt. Vor allem bei bedecktem Wetter und nachts halten sich die Milben auf den Pflanzen auf. Am hellen Tag verstecken sie sich im Boden. Bei festgestelltem Befall sollten, soweit möglich und zugelassen, Akarizide eingesetzt werden. Im Bio-Anbau reduzieren wöchentliche Behandlungen mit Neudosan Neu und/oder Wetcit bzw. Trifolio S-forte den Befall. Wichtig ist, die Tiere direkt zu treffen. Dazu erfolgt die Anwendung am bes-ten nachts, spätabends oder am frühen Morgen eines trüben Tages.

Mairüben mit Saugschaden durch Wintergetreidemilbe Pentalaeus
Bilder: Schäden durch Wintergetreidemilben an Mairüben (oben) und die etwa 1 mm langen Übeltäter selbst an geschädigter Rucola (unten).
Wintergetreidemilben an Rucola

Mäuse
Im Freiland sollte über Winter der Bewuchs an Feldrändern und –wegen kurz gemäht sein, damit die Mäuse sich nicht so leicht vor Reihern, Störchen und Greifvögeln verstecken können. Letztere kann man außerdem mit Ansitzplätzen unterstützen.
Die Giftköder Ratron Schermaus-Sticks, Ratron Gift-Linsen, Ratron Giftweizen und Arvalin tragen Auflagen zum Schutz bestimmter Kleinsäuger. Diese gelten aber nicht zwischen Ok-tober und März. Von den Giftködern dürfen nur Ratron Gift-Linsen und Ratron Giftweizen auch im Gewächshaus eingesetzt werden, alle anderen Mittel nur im Freiland. Auch die Be-gasungsmittel mit dem Wirkstoff Calciumcarbid (z. B. Pronox Wühlmausgas, DELU Wühlmausgas, Wühlmausgas Arrex) sind nur im Freiland zugelassen. Polytanol (Calciumphosphid) darf noch bis 01.06.2022 aufgebraucht werden, für Kauf und Anwendung ist ein Bega-sungsschein erforderlich.
Der Einsatz von Fallen ist nicht von solchen Einschränkungen berührt und erlaubt eine sofortige Erfolgskontrolle.

Rhabarber
Im Rhabarber sind jetzt noch Herbizideinsät-ze möglich. Bei Temperaturen unter 10 °C entfaltet der Wirkstoff Propyzamid in z. B. Cohort (Aufbrauchfrist 31.07.2021) oder Kerb FLO die beste Wirkung gegen Unkräuter wie z. B. Quecke, Einjährige Rispe oder Acker-Gänsedistel. Vor dem Spritzen sollten die
abgestorbenen Rhabarberblätter entfernt werden, damit der Wirkstoff auch tatsächlich auf den Boden gelangt. Im Pflanzjahr dürfen die Mittel wegen der Gefahr von Schäden nicht eingesetzt werden.
Die Wirkungslücken bei Ampfer, Brennnessel oder Kreuzkraut schließt der Wirkstoff Glyphosat. Angewendet werden können z. B. Rosate Eco 360 TF (=Dominator NeoTec)
oder Roundup Power Flex im Rahmen der Indikation „nach der Ernte ODER nach dem Wiederbegrünen“ in „Gemüsekulturen“. Diese Totalherbizide sind für eine gute Wirkung mit möglichst wenig Wasser zu spritzen.
Die Pflanzen, gegen die Glyphosat wirken soll, müssen noch möglichst viele grüne Blätter haben und diese dürfen auch nicht unter altem Rhabarberlaub versteckt sein. Der Rhabarbar muss dagegen vollständig eingezogen haben. Wo sein Laub nicht komplett abgestorben ist oder der Austrieb schon wieder beginnt, muss mit einem Spritzschirm verhindert werden, dass lebende Blätter oder Knospen der Kultur getroffen werden.

Rhabarber, fast eingezogen
Bild: Die abgestorbenen Blätter von Rhabarber bilden manchmal dicke Matten. Diese müssen vor der Anwendung von Herbiziden entfernt oder zerkleinert werden.

Zulassungen/Rechtliches
Die Fa. Bayer teilte am 17.11. zum Fungizid Luna Sensation (Zul-Nr. 007214-00) mit, dass wegen eines Qualitätsproblemes die Chargen „EM4L029420“ und „EM4L029645“ nicht mehr angewendet werden sollen. Sicherheitsbedenken bestehen nicht, die Chargen entsprechen aber nicht den gesetzlichen Anforderungen. Der Handel wurde informiert.

Die Anträge auf Erneuerung der EU-Genehmigung für die Wirkstoffen Imidacloprid, Dena-thoniumbenzoat, Calciumphosphid und zeta-Cypermethrin wurden zurückgezogen. Das BVL hat die Zulassungen aller Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen zum 1. Dezember 2020 widerrufen. Im Gemüsebau sind die Mittel Confidor WG 70, Warrant 700 WG (Imidacloprid), Arbinol B (Denathoniumbenzoat), Polytanol, Polytanol P (Calciumphosphid) und Fury 10 EW (zeta-Cypermethrin) betroffen. Es gilt eine Abverkaufsfrist bis zum 01.06.2021 und eine Aufbrauchfrist bis zum 01.06.2022. Danach sind die Mittel entsor-gungspflichtig.

Die Zulassung für die alte Generation Butisan (Zulassungs-Nr. 033401-00) endet am 31.10.2020. Es gilt dann eine Abverkaufsfrist bis zum 30.04.2021 und eine Aufbrauchfrist bis zum 30.04.2022. Wenn Sie dieses Herbizid in den bisherigen Indikationen bis zum 30.04.2022 einsetzen wollen, empfiehlt sich eine entsprechende Bevorratung von Butisan mit der alten Zulassungsnummer.
In der neuen Zulassung (Zulassungs-Nr. 043401-00) ist Butisan bisher nur in Raps zugelassen. Zulassungserweiterungen auf Gemüsearten sind möglich, aber nicht sicher.

Eine bedarfsgerechte Bevorratung sollte auch stattfinden bei Pirimor Granulat / Pirimax (Auf-brauchfrist 30.04.2022, Abverkaufsfrist 30.04.2021) und Envidor (Aufbrauchfrist 31.01.2022).

Die Pflicht zu einer Pflanzenschutzgeräteprüfung alle sechs Kalenderhalbjahre wurde auf weitere Geräte ausgeweitet. Ab 2021 dürfen auch Beizanlagen und geschobene, gezogene oder schleppergetragene (nicht: handgeführte) Streichgeräte nur eingesetzt werden, wenn sie geprüft sind, ebenso Granulatstreuer, die zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln verwendet werden. Dazu gehören auch Düngerstreuer, mit denen Schneckenkorn ausgebracht wird. Neugeräte müssen spätestens sechs Monate nach Ingebrauchnahme erstmalig überprüft werden.

Sonstiges
Das JKI hat eine Datenbank zur Nebenwirkung von Pflanzenschutmitteln auf Nützling zusammengestellt. Diese ist abrufbar unter https://nuetzlingsinfo.julius-kuehn.de.

 

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