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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 46)

Datum: 12.11.2020

Pflanzenschutz im Freiland im November
Einige Kulturen, die wegen der Trockenheit einen langsamen Start hatten oder wegen feh-lender Beregnungsmöglichkeit sehr spät gepflanzt wurden, können die aktuelle milde Witte-rung noch nutzen, um noch die für die Vermarktung oder die Einlagerung erforderliche Grö-ße zu erreichen oder einfach nur, um Gewicht zuzulegen. Auf vielen Äckern stehen noch Chinakohl, Kopfkohl, Radicchio, Endivien oder sogar Salate. Leider sind es nicht nur die Pflanzen, die jetzt noch wachsen. Auch ein paar Schaderreger sind noch zugange.
Pilzkrankheiten
In manchen Beständen von Petersilie sind seit einigen Tagen sehr starke Infektionen mit Falschem Mehltau zu sehen. Eine Behandlung mit Acrobat Plus WG Ridomil Gold MZ oder Revus kann eine weitere Ausbreitung verhindern. Revus hat den Vorteil einer kurzen Warte-zeit (In Frische Kräuter im Freiland und Gewächshaus 7 Tage), enthält aber, anders als Acrobat Plus WG oder Ridomil Gold MZ, nur einen Wirkstoff, was die Gefahr von Resistenz-bildung erhöht.
In Chinakohl, Kohlrabi, Blumenkohl und Brokkoli kann Alternaria noch Probleme machen und sollte bei Befall bekämpft werden. In unbehandeltem Lauch breitet sich weiter Rost aus, wenn nicht bald die Temperaturen merklich sinken.
Die Temperatur sollte bei der Anwendung von Fungiziden nicht unter 12 °C liegen.
Tierisches
Verbreitet machen im Freiland noch Raupen (vor allem verschiedene Eulen-Arten) und örtlich auch Schnecken Ärger und können Chinakohl, Salat oder Endivien noch auf der Zielgeraden arg zurichten. In vielen Fällen macht es mehr Sinn, die Kulturen bald zu ernten, als zu versu-chen, die Schädlinge auf dem Feld unter Kontrolle zu bringen.
Raupen im Gewächshaus
Im geschützten Anbau legen Gammaeule und andere Eulenfalter noch Eier ab.
In verschiedenen Blattgemüse-Arten wie z. B. Salat-Arten, Spinat, Mangold können deshalb immer wieder jungen Räupchen auftreten und Lochfraß verursachen.
An Kreuzblütern wie Rucola, Mitsuna, Pak Choi oder Kohlrabi sind in seltenen Fällen auch noch der Kleine Kohlweißling und die Kohlmotte, manchmal sogar die schwarzen
oder dunkelgrauen, raupenartigen Larven der Rübsenblattwespe zu finden.

Afterraupe der Rübsenblattwespe an Mitsuna im Gewächshaus
Bild: Die Larven von Blattwespen sehen aus wie Schmetterlingsraupen, haben aber mehr Beine
(mehr als 8 Paare, auf diesem Foto nicht erkennbar). Zur Unterscheidung werden sie Afterraupen
genannt. Das Bild zeigt eine Afterraupe der Rübsenblattwespe an Mitsuna im Gewächshaus.


Die Bekämpfung von Raupen im Gewächshaus ist im Bio-Anbau oft nicht möglich, weil reguläre Zulassungen fehlen; teilweise haben die Verbände aber einzelbetriebliche Genehmigungen für ihre Mitglieder.
Im konventionellen Anbau stehen einige Mittel zur Verfügung. Allerdings ist es nicht immer einfach, die Zulassungen für bestimmten Kulturen zu finden.
Bei der Zulassung und Genehmigung von Pflanzenschutzmitteln werden einzelne Gemüsearten jeweils mit ähnlichen Arten zu Gruppen zusammengefasst. Von diesen wiederum werden mehrere zu weiter übergeordneten Einheiten vereint und so weiter. So entsteht ein hierarchisch aufgebauter „Kulturbaum“ (zu finden z. B. auf der Webseite des BVL – www.bvl.bund.de - unter dem Suchbegriff „Kulturgruppen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln“). Eine Zulassung für eine Ebene dieser Hierarchie gilt auch für alle untergeordneten Ebenen.

So darf ein Pflanzenschutzmittel, das in „Kohlarten“ zugelassen ist, in allen untergeordneten Gruppen eingesetzt werden, also in Kohlrabi, Blumenkohle
(= Brokkoli und Blumenkohl), Kopfkohle (= Rosenkohl und Kopfkohl [wozu Wirsing, Weiß-, Rot- und Spitzkohl zählen]) und Blattkohle.
Eine Zulassung in „Blattkohle“ gilt für die dort eingeordneten Arten Chinakohl, Grünkohl, Stielmus, Staudenkohl und Frühes Barbarakraut sowie die Kreuzblütler unter den Asia Greens: Sareptasenf (=Amchoi, Blattsenf), Choy Sum (=Chinesischer Blütenkohl), Pak Choi (Chinesischer Senfkohl), Komatsuna (=Senfspinat) und Mitsuna (=Japanischer Kohl).
Diese Ordnung folgt einer eigenen Logik: Sommer-portulak wird der Gruppe „Spinat und verwandte Ar-ten“ zugeordnet, Winterportulak findet man unter „Salat-Arten“. Sauer- und Gartenampfer zählen zu „Frische Kräuter“. Die Speisechrysantheme oder Shungiku findet sich sogar in zwei Gruppen: „Frische Kräuter“ und „Blattgemüse“.

Doch Ordnung allein ist halt auch hier nur das halbe Leben und dient stellenweise nur der Verwaltung von Mangel: Für die Gewächshauskulturen von PakChoi, Mitsuna, Komatsuna und anderen beliebten Asia Greens wird man keine Zulassungen finden, auch wenn man sich noch so aufmerksam durch das Geäst des „Kulturbaums“ hangelt.

Einen Ausweg bietet ein vorzeitiger Schnitt. Werden die Kulturen vor dem Erreichen der art- oder sortenspezifischen Größe, genauer gesagt bis zum 8-Blatt-Stadium, geerntet, handelt es sich per Definition um „Baby-Leaf-Salate“. Eingesetzt werden dürfen dann Pflanzenschutzmittel, die eine Zulassungen für die entsprechenden Arten oder Gruppen mit dem Zusatz „zur Verwendung als Baby-Leaf-Salate“ haben. So ist zum Beispiel im Gewächshaus Karate Zeon zwar nicht in Blattkohle zugelassen, aber in Blattkohle zur Verwendung als Baby-Leaf-Salate.

Den kurzen Sinn dieser langen Rede fasst folgenden Tabelle zusammen.

Tabelle: Pflanzenschutzmittel mit Wirkung gegen Raupen an einigen Gewächshauskulturen
Tabelle Pflanzenschutzmittel gegen Raupen im Gewächshaus*) XenTari hat in diesen Kulturen die Auflage VA542 (nach der Anwendung mit UV-Strahlern belichten). Da diese nicht mit vertretbarem Aufwand einzuhalten ist, darf das Mittel praktisch nicht eingesetzt werden.

**) Dipel ES, Lepinox Plus und XenTari wirken nicht gegen die Larven der Rübsenblattwespe; Dipel ES wirkt nicht gegen Eulenraupen, Lepinox Plus wirkt gegen Eulenraupen nur, wenn diese noch sehr klein sind.
Dipel DF wird derzeit nicht vertrieben.

***) Zu Wurzel- und Knollengemüse gehören Bocksbart, Knollensellerie, Kohlrübe (Steckrübe, Unterkohlrabi, Wruke), Speiserübe (Herbstrübe, Kleine Speiserübe, Mairübe, Saatrübe, Teltower Rübchen, Weiße Rübe, Wasserrübe, Weiße Mairübe), Meerrettich, Möhre, Pastinak, Wurzelpetersilie, Rettich, Radies, Schwarzwur-zel, Süßkartoffel, Topinambur und Yacon



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