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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 41)

Datum: 04.10.2020

Kohlfliege
Die Kohlfliege pausiert mit ihrer Eiablage. An warmen, trockenen Tagen kann sie aber nochmal aktiv werden. Rettich, Radies, Kohl- und Speiserübe sowie Wirsing, China- und Rosen-kohl müssen weiter geschützt werden.
Möhrenfliege
Durch den Regen hat sich die Möhrenfliege nun doch endlich bitten lassen. Die Tiere waren in der vergangenen Woche an vielen beobachteten Standorten auf den Leimtafeln zu finden, meist aber nur in einzelnen Exemplaren. In bekannten Befallslagen sollten weiterhin in 2- bis 3-wöchigem Abstand Behandlungen durchgeführt bzw. die Kulturschutznetze höchstens am Vormittag abgenommen werden. Wegen der langsamen Entwicklung der Eier und Maden im Boden kann das Netz drei Wochen vor der Ernte abgenommen, Behandlungen können etwa vier Wochen vor der Ernte eingestellt werden.
Lauchminierfliege
Die Lauchminierfliege ist jetzt in allen Schnittlauchbeständen in der Region aufgetaucht. Ihre Zahl ist aber noch gering. Wie die weitere Entwicklung verläuft, hängt von der Witterung ab. Es ist aber abzusehen, dass sie im Laufe dieser Woche anfängt, in Lauch und Zwiebeln ab-zuwandern. Wenn Kontaktmittel (z. B. Karate Zeon) eingesetzt werden sollen, sollte bereits in dieser Woche eine Behandlung gefährdeter Bestände stattfinden. Wenn systemische oder translaminare Wirkstoffe eingesetzt werden (z. B. Minecto One, Calypso, NeemAzal-T/S) kann noch eine Woche gewartet werden. Über den genauen Zeitpunkt entscheidet jetzt das Wetter. Zwischen der Behandlung und dem nächsten Regen sollte wenigstens ein halber trockener Tag liegen, damit die Brühe sicher antrocknen kann. Das gilt auch für alle anderen Spritzungen, außer für solche gegen Erdraupen.
Raupen
Örtlich gibt es noch Ausfälle an jüngeren Salatsätzen durch Erdraupen. Die Tiere können auch in Gewächshäusern schon bei der Pflanzung im Boden sitzen. In den ersten Tagen nach der Pflanzung muss auf abgefressene Pflanzen kontrolliert und bei Auffinden von Erdraupen mit einem Kontaktinsektizid in viel Wasser behandelt werden.
Außerdem fressen am Salaten weiterhin verschiedene Eulenraupen im Kopf. Bei Kontrollen findet man Schabefraß und Kotkrümel eher als die Raupen selbst.
Auffallend häufig kommt heuer der Kohlzünsler am Kohl vor. Regional unterschiedlich kommen Kleiner Kohlweißling und Kohlmotte vor, Kohleule meist nur in Einzelexemplaren, ab und zu sogar die Baumwollkapseleule. Jedenfalls lohnt es sich, gerade den fast erntereifen Kohl auf frischen Raupenfraß und –kot zu kontrollieren und bei Befall zu behandeln. Es ist ärgerlich, bei der Ernte faule und angefressene Köpfe aussortieren zu müssen.
In Lauch fressen immer noch Lauchmotten. Sie werden von den Behandlungen gegen die Lauchminierfliege miterfasst.
In einigen Gurkenbeständen gibt es auffälligen Lochfraß an den Blättern. Kotballen verraten Raupen als Verursacher. Es handelt sich um die der Kupfer-Goldeule (Chrysodeixis chalcites). Sie sehen den Raupen der Gammaeule zum Verwechseln ähnlich. In den abgehenden Kulturen entsteht kaum wirtschaftlicher Schaden. Es besteht auch keine Gefahr, dass die Tiere sich über Winter im Gewächshaus weiter vermehren.
Auch an Tomaten gibt es Blattfraß durch verschiedene Eulenraupen. Diese sollten aber bekämpft werden, weil hier noch Früchte beschädigt werden können. Außerdem muss weiter auf die Baumwollkapseleule geachtet werden.
Deren Raupen findet man jetzt manchmal auch in Auberginen-Früchten.
Blattläuse
Außer auf Raupen muss im Salat auf Blattläuse geachtet werden. Stellenweise gibt es Ansiedlungen von Johannisbeer-Salatlaus. Auch Salatstängel- und Kartoffelläuse treten auf.
An verschiedenen Kulturen im Freiland finden sich Pfirsichläuse ein. An Chinakohl sollten sie bekämpft werden, bevor sie in den Kopf wandern. Wenn sie mit ins Lager kommen, können sie sich dort weiter vermehren.
Kulturwechsel im Gewächshaus
Wenn Tomaten, Gurken etc. geräumt werden, bleiben viele der darauf lebenden Schädlinge zurück. Im Boden oder an der Konstruktion versteckt, übersteht ein Teil von ihnen auch eine intensive Bodenbearbeitung. Wird das Gewächshaus beetweise geräumt und neu bestellt, brauchen die Tiere sowieso nur ein paar Meter weiterlaufen oder –fliegen, um einen frischgedeckten Tisch zu finden. Deshalb sollten man sicherstellen, dass die Sommerkulturen beim Räumen frei von Schädlingen sind - oder die Folgekulturen ein paar Tage nach dem Pflanzen auf eingewanderte Blattläusen, Weiße Fliege oder Raupen kontrollieren – auch Erdraupen. Auch Unkraut beherbergt viele Schädlinge und sollte deshalb gründlich entfernt werden.

Schäden an Rucola durch aus benachbartem Beet eingewanderte Blattläuse
Bild: Als die Rucola gepflanzt worden war, standen links davon verlauste Auberginen.
Nach dem Roden wanderten sie einfach ins nächste Beet.

Wintergetreidemilbe
Viele Bio-Betriebe haben mit der Wintergetreidemilbe zu kämpfen. Schäden treten meist erst Ende Dezember auf. Die Tiere schlüpfen aber aus den Dauereiern, wenn die Bodentemperaturen unter ca. 15 °C fallen. Das dürfte in einigen Gewächshäusern schon jetzt passiert sein. Nach dem Räumen der Sommerkulturen sollte deshalb dort, wo bekannte Befallsnester liegen, der Boden und die Unkräuter abgeflammt werden. Wenn man das in den Abend- oder frühen Morgenstunden macht, erwischt man einen Teil der darauf herumlaufenden Milben. Auch das 2- oder 3-malige flache Fräsen im Abstand von etwa einer Woche kann den Aus-gangsbefall für die Winterkulturen reduzieren. In ganz hartnäckigen Fällen sollten betroffene Flächen im Winter für mindestens 4 Wochen pflanzenfrei bleiben – entweder als Schwarzbrache mit wiederholtem Fräsen oder mit einer Mulchschicht, die Pflanzenwuchs unterdrückt.
Pilzkrankheiten
Das nasskühle Wetter fördert Alternaria. Möhren, Kopf- und Chinakohl sollten behandelt werden. Diese Pilzkrankheit kann noch im Lager für Ausfälle sorgen.
Auch für Falsche Mehltaupilze sind die Bedingungen gut. In Salaten müssen entsprechende Fungizideinsätze stattfinden. Auch für Rucola, Petersilie, Kohlrabi, Blumenkohl und Brokkoli nimmt die Befallsgefahr zu. Wichtig ist, die Behandlungen rechtzeitig vorzunehmen, spätestens wenn die ersten Symptome auftreten. In Winterzwiebeln können jetzt Spritzungen gegen Falschen Mehltau sogar nur vorbeugenden durchgeführt werden. Denn zu dieser Jahreszeit finden noch Infektionen statt, ohne dass Symptome entstehen. Diese zeigen sich erst in einem halben Jahr. Wenn sie dann im Frühjahr großflächig ausbrechen, können sie nur mit hohem Aufwand unter Kontrolle gebracht werden.
Ebenso vorbeugend sollte Spinat mit z. B. Forum, Revus oder Previcur Energy (Aufbrauchfrist) gegen Falschen Mehltau behandelt werden. Wenn hier gewartet wird, bis Symptome auftreten, ist es für einen sinnvollen Fungizideinsatz zu kalt. Der Pilz breitet sich vor allem bei niedrigen Temperaturen aus - das Optimum für Infektionen liegt bei 9 °C - die meisten Fungizide wirken aber bei weniger als 12 °C nicht mehr gut. In Feldsalat wird mit dem frühzeitigen Einsatz
(2- bis 4-Blatt-Stadium) von Signum gegen Phoma oder Rhizoctonia eine Nebenwirkung auf Falschen Mehltau erzielt. Im Gewächshaus sind gegen Falschen Mehltau an Feldsalat Cuprozin progress und Romeo zugelassen, im Freiland Cuprozin progress, Ortiva, Orvego, Ridomil Gold MZ (2 x 10 ml/Ar, Wartezeit=21 Tage), Fruto-gard und Veriphos (2 x 40 ml/Ar im Abstand von 7-14 Tagen. Wartezeit=14 Tage).

Mit Falschem Mehltau infizierter Feldsalat
Bilder: Blattverdrehungen an Feldsalat deuten auf eine Infektion mit Falschem Mehltau hin (oben).
Bei hoher Luftfeuchte zeigt sich auf der Blattunterseite der Sporenrasen (unten).

Sporenrasen von Falschem Mehltau an Feldsalat


Süßkartoffel
Süßkartoffeln vertragen keine Kälte. Sie sollten gerodet werden, bevor die Bodentemperatur unter 10 °C fällt, auf jeden Fall vor dem ersten Frost. Für die Verbesserung der Lagerfähigkeit von Süßkartoffeln wird ein Nachreifen empfohlen. Dabei sollten die Knollen für etwa zwei Wochen sehr warm, bei 25 bis 30 °C, dunkel und bei hoher Luftfeuchte (85-95 %) aufgestellt werden. Dabei werden Enzyme gebildet, die in der weiteren Lagerung Stärke in Zucker umwandeln und somit den Geschmack verbessern. Außerdem können die bei der Ernte entstandenen Verletzungen verheilen, was die Haltbarkeit verlängert. Die weitere Lagerung er-folgt bei 12-16 °C und einer hohen Luftfeuchte (85-90 %). So halten die Wurzeln mehrere Monate. Lagertemperaturen unter 10 °C führen zu dunklen Verfärbungen und der Ausbildung von harten Zonen in der Knolle. Über 16 °C steigt die Gefahr des Austreibens. Zu geringe Luftfeuchte führt zu Verlusten durch Austrocknen. Bei zu hoher Luftfeuchte kann sich Kon-denswasser niederschlagen, was Fäulen begünstigt.
Zulassungen
Die EU-Genehmigung für den Wirkstoff Bromoxynil wird nicht erneuert. In der Folge werden bestehende Zulassungen für Pflanzenschutzmittel, die Bromoxynil enthalten, spätestens am 17. März 2021 widerrufen. Etwaige Abverkaufs- und Aufbrauchfristen wird BVL rechtzeitig bekannt geben. Betroffen sind im Gemüsebau die Herbizide Buctril, Xinca und Nagano.
Mateca 50 (50 g/l Quizalofop-P-ethyl): in Möhre im Freiland gegen einkeimblättrige Unkräu-ter; 1 Anwendung mit 25 ml/Ar, Wartezeit = 40 Tage.
Restrain (900 g/kg Ethylen):
• Zur Keimhemmung von Speisezwiebel, Knoblauch, Schalotte im Lager; Begasen mit 19 mg/m³ während der gesamten Lagerperiiode mit speziellem Gerät (Restrain-Generator).
• Zur Fruchtreifeverfrühung bei Tomaten im Gewächshaus; Begasen mit 1,75 mg/m³ für eine Dauer von 4,5 Tagen.
Orocide (55,8 g/l Orangenöl): Im Gewächshaus in Tomate, Paprika, Kürbis gegen Spinnmil-ben und Weiße Fliegen (ausgenommen Bemisia); 5 x 20 bis 40 ml/Ar je nach Pflanzengröße im Abstand von 7 Tagen; Konzentration der Spritzbrühe 0,4 %; Schäden an der Kultur mög-lich bei Sonneneinstrahlung. Wartezeit = 1 Tag.
Verimark (200 g/l Cyantraniliprole): Nur auf vollständig versiegelten Flächen im Gewächs-haus in Gurke, Aubergine, Paprika gegen Thrips; 2 x tropfen mit 5 ml/Ar in 20 l Wasser/Ar; Wartezeit = 1 Tag.

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