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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 33)

Datum: 14.08.2020

Möhrenfliege
Die Gelbtafeln zeigen keine Aktivität der Möhrenfliege an. Das entspricht dem Prognosemodell, das den Flug der zweiten Generation für beendet erklärt hat.
Lauchmotte
Der Flug der Lauchmotte hält zwar noch an, hat sich aber abgeschwächt. Kontrollen sollten trotzdem noch durchgeführt werden. In Beständen mit starkem Befall kann eine weitere Be-handlung nötig sein.
Kohl
Der Kleine Kohlweißling legt unermüdlich Eier ab, die Zahl der Raupen ist in der Regel aber gering. Trotzdem sind wöchentliche Kontrollen weiterhin zu empfehlen.
Erdraupen
Der Höhepunkt des Fluges der Wintersaateule ist vorbei. Stärkere Eiablage wird aber noch zwei bis drei Wochen stattfinden. In dieser Zeit sollte in Salat auf Schabefraß an den Blättern und kleine Kotkrümel geachtet und bei Befall behandelt werden. Auf neu bestellten Flächen können bereits große Raupen im Boden lauern. Neupflanzungen von Salat sollten in den ersten drei Tagen nach dem Pflanzen kontrolliert werden. Wenn abgebissene Pflanzen entdeckt werden, verhindert ein Kontaktinsektizid (Pyrethroide z. B.), das abends mit viel Wasser gespritzt wird, dass die Schäden sich ausweiten.
Baumwollkapseleule
Die Pheromonfallen zeigen eine Zunahme der Aktivität der Baumwollkapseleule. Vor allem in Bohnen, Mais und Tomaten muss auf Raupen geachtet und rechtzeitig behandelt werden.
Blattläuse
Der Blattlausbefall im Freiland ist sehr gering, die Salatbestände sind praktisch lausfrei.
An Gurken, Paprika oder Auberginen im Gewächshaus sind jetzt wieder kleine Kolonien der Gurkenlaus zu finden, oft werden sie schon bedrängt von Räuberischen Gallmücken. In vie-len Fällen sind die Nützlinge aber aus Nahrungsmangel restlos verschwunden. Dann sollten nochmal Lysiphlebus und Aphidoletes eingesetzt werden. In einzelnen Paprika- oder Auberginen-Beständen stellt sich die Pfirsichlaus wieder ein. Auch diese sollte bekämpft werden. Nicht nur, weil sie bis zum Kulturende noch Schäden machen können, sondern auch, weil sie nach dem Räumen auf die Folgekulturen überwandern. Aphidoletes und Aphidius colemani oder A. matricariae sind hier die richtigen Nützlinge. Wo ohnehin Wanzen mit Insektiziden bekämpft werden, werden die Blattläuse miterfasst. Die meisten Nützlinge leider auch.
Wanzen
Ob es wohl in 2020 auch in der Insektenwelt Einschränkungen gibt beim Einsatz ausländi-scher Fachkräfte? Meinen möchte man’s: Die Grüne Reiswanze (Nezara viridula) tritt heuer nur in einzelnen Betrieben mit intensivem Gewächshausanbau unangenehm in Erscheinung. In den meisten extensiven Häusern und im Freiland ist sie – anders als in den letzten beiden Jahren - praktisch nicht zu sehen, genauso wie die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys). Dafür gibt es in allen Beständen umso mehr heimische Wanzenarten (Lygus sp. und Liocoris sp. – „Wiesenwanzen“). In verschiedenen Gemüsekulturen, besonders in Bohnen, Gurken und Auberginen oder auch an Sellerie, Mangold oder Salat machen sie so große Schäden, dass man um eine Bekämpfung nicht herumkommt. Dass sie sich kaum an Toma-ten oder Paprika vergreifen, ist da ein kleiner Trost. Behandlungen mit Pyrethroiden (Karate Zeon u. a.), Calypso oder Mospilan SG wirken gut gegen die Wiesenwanzen, aber leider auch gegen alle anderen Insekten, einschließlich der räuberischen Blumenwanze (Orius sp.). Diese und andere spontan auftretenden Nützlinge halten aber in vielen Fällen Spinnmilben und Thripse in Schach, im Freiland sowieso, aber manchmal auch an Aubergine oder Stan-genbohne im Gewächshaus. Wird gegen Wanzen behandelt, sollte bei Kulturen, die für Spinnmilben anfällig sind, gleich ein Akarizid dazugemischt werden – sofern zugelassen.

Orius frisst Mensch

Bilder: Die Blumenwanze Orius sp. (oben) ist nicht wählerisch. Wenn es keinen Pollen oder tierische Nahrung gibt, probiert sie auch mal einen Menschen. Der Stich ist im Verhältnis zur Körpergröße (ca. 2,5 mm) überraschend schmerzhaft. Wanzen der Gattung Dicyphus (unten) sind mit ca. 6 mm Länge deutlich größer, mückenartig schlank und langbeinig. Ähnlich Macrolophus leben sie gerne auf Tomate und Aubergine und jagen Milben, Thrips, Blatt-läuse, Weiße Fliege etc.

Dicyphus auf Tomate


Pilzkrankheiten
Die aktuelle Witterung ermöglicht das volle Programm an Pilzkrankheiten. Die angekündigten Temperaturen um 25 °C, hohe nächtliche Luftfeuchte und gelegentliche Niederschläge las-sen das Risiko für Falschen Mehltau und pilzliche Blattfleckenerreger wieder ansteigen. Gleichzeitig fördert die hohe Luftfeuchte Echten Mehltau und Rost.
In dichten Gewächshaus-Beständen mit vielen alten, verletzten Blättern und Stängeln führt Abkühlung und die daraus folgende starke Guttation und Taubildung zu Botrytis-Infektionen. Nur das Phytophthora-Risiko ist gering: Die hohen Temperaturen der vergangenen Tage dürften viele Infektionen abgetötet haben.
Köpfen
Um das Ausreifen der letzten Tomatenfrüchte zu beschleunigen, sollten die Pflanzen geköpft werden. Tomatenbestände, die Ende September geräumt werden sollen, sollten Mitte August über dem letzten Blütenstand mit angesetzten Früchten gestutzt werden. Für ein Kulturende Ende Oktober erfolgt das Köpfen über den jüngsten Fruchtansätzen zwei Wochen später oder bereits Mitte August über dem letzten gerade aufblühenden Blütenstand.
In jedem Fall sollten oberhalb dieser letzten Rispe noch 2 oder 3 Blätter stehen bleiben. Das soll verhindern, dass die Früchten Platzen, weil die Pflanze überschüssiges Wasser nicht mehr loswird. Aus dem gleichen Grund können aus den oberen Blättern austreibende Geiz-triebe zunächst belassen werden. Für den Wasserhaushalt ist es außerdem günstig, in einer sonnigen Wetterphase zu köpfen und die Wassergaben zu reduzieren.
Urlaub
Die Situation bei den Schaderregern ist seit Wochen praktisch unverändert. Deshalb mache ich bis zum 31. August Urlaub. Vielleicht gibt es bis dahin auch wieder echte Neuigkeiten im Pflanzenschutz im Gemüsebau.

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