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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 31)

Datum: 27.07.2020

Raupen
In Kohl findet viel Eiablage durch Kleinen Kohlweißling statt. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, bei anhaltender Wärme und Trockenheit überleben aber nur wenige der Räupchen.
Blattläuse
Verschiedene Nützlinge halten die Blattläuse auf einem erträglichen bis unbedeutenden Ni-veau. Ganz verschwunden sind sie aber nicht. In Blattgemüse muss weiter auf Läuse geach-tet werden. Auch in Salat findet man immer wieder kleine Kolonien in den Köpfen. Da meist auch geflügelte Tiere darunter sind, ist weiterhin mit neuen Ansiedlungen zu rechnen. Insge-samt ist der Befallsdruck aber eher gering. Vergangene Woche waren in unbehandelten Be-ständen kaum mehr als 5-10 % der Pflanzen befallen.
Pilzkrankheiten
Der Echte Mehltau beweist, dass er den Namen „Schönwetterpilz“ verdient hat und zeigt sich jetzt an anfälligen Kulturen wie Zucchini, Gurke, Tomate oder Möhre. Trotz Sommerwetter blühen aber auch andere Pilzkrankheiten auf. Schuld sind die tiefen Nachttemperaturen mit langen Phasen von Taunässe. Erste Septoria-Flecken tauchen in Sellerie auf. Auch an Pe-tersilie ist häufig Septoria zu finden. An Möhre verursachen Cercospora oder Alternaria (Möhrenschwärze) Blattflecken.
In den Gewächshäusern breiten sich in Tomatenbeständen Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) sowie Samtflecken (Cladosporium fulvum) aus. In Gurken besteht weiter Gefahr von Falschem Mehltau.
Häufiger als Falschen Mehltau findet man an Hausgurken derzeit aber Ulocladium- oder Al-ternaria-Blattflecken. Sie zeigen sich als abgestorbene, grau-braune Flecken, die zunächst wenige Milimeter groß sind, später aber einige Zentimeter Durchmesser erreichen können. Weil auch sie oft eine eckige Form haben, können sie mit Falschem Mehltau verwechselt werden. Im Gegensatz zu diesem erkennt man bei den Blattflecken aber einen breiten, verschwommenen, hellen Hof, zumindest im Gegenlicht.

Alternaria-Blattflecken an Gurke
Bilder: Die größeren dieser Alternaria-Blattflecken an Gurken ähneln u. U. dem Falschen Mehltau. Im Gegenlicht (unteres Bild) erkennt man aber einen hellen Hof, der über die Blattadern hinausgeht und beim Falschen Mehltau fehlt.


Bakterielle Tomatenwelke
Papierartig vertrocknete Flecken an Tomatenblättern können durch die Bakterielle Tomaten-welke Clavibacter michiganensis ssp. michiganensis verursacht werden. Ein weiteres typi-sches Symptom ist das Welken einzelner Blattfiedern oder auch nur Teilen davon. Zu diesem kommt es, weil bestimmte Leitungsbahnen, welche die betroffenen Blattteile versorgen, von dem Bakterium besiedelt und verstopft werden. Im Querschnitt durch den Blattstiel oder den Stängel erkennt man dies an einer Braunfärbung einzelner Leitbündel. Dabei bleibt es leider nicht. Clavibacter kann die Pflanzen innerhalb weniger Wochen zum Absterben bringen. Das Bakterium wird sehr leicht durch Wasserspritzer oder bei Pflegearbeiten übertragen. Eine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln ist nicht möglich. Die Maßnahmen beschränken sich auf Hygiene: Erkennbar befallene Pflanzen und deren Nachbarn entfernen ohne damit an gesunden Pflanzen entlang zu scheuern. Bereiche (Reihen, Gewächshäuser), in denen be-fallene Pflanzen stehen oder standen, als letztes behandeln. Werkzeug nach jeder Reihe desinfizieren oder wechseln. Einweghandschuhe verwenden und möglichst häufig wechseln oder die Hände häufig waschen (Wasser und Seife reicht, um anhaftende Bakterien zu inak-tivieren) oder desinfizieren. Für den verseuchten Bereich eigene Arbeitskleidung und Schuhe verwenden, welche nur dort eingesetzt werden oder desinfiziert werden, wenn vom ver-seuchten in den noch gesunden Bereich gewechselt wird.


Tomaten-Physiologie
Runzelige, gelb gefleckte Tomatenfrüchte lassen an das neue Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV, „Jordan-Virus“) denken, eine gefährliche Quarantänekrankheit der Tomate. Wenn sich das Symptom auf die ersten ca. drei Trosse beschränkt und auch sonst keine Symptome an den Pflanzen zu erkennen sind, handelt es sich eher um eine physiologische Störung, welche „Wassersucht“ (nl: „waterziek“) genannt wird. Sie tritt auf, wenn während der Fruchtentwick-lung an den noch jungen Pflanzen die ansonsten sonnige, wüchsige Witterung von einer trü-ben, kühlen Phase unterbrochen wird. Die Früchte an den betroffenen Trossen zeigen grüne, später gelbe Zonen, unter denen das Fruchtfleisch hell, trocken und schwammig ist – ähnlich wie bei Schäden durch die Reiswanze. Außerdem ist die Oberfläche der Tomaten leicht ein-gedellt oder runzelig und es bleibt manchmal ein Hohlraum zwischen Fruchtwand und Sa-menmasse. Bei starker Ausprägung sind im Bereich der Flecken einzelne Leitbündel in der Fruchtwand dunkel verfärbt. Die betroffenen Früchte färben auch nach Wochen nicht voll-ständig aus und sollten so bald wie möglich entfernt werden, um die Pflanzen zu entlasten. Wenden Sie sich im Zweifel bezüglich der Diagnose an die Pflanzenschutzberatung.

Wassersucht bei Eiertomate
Bilder: „Wassersucht“ an einer Eiertomate zeigt sich äußerlich an nicht ausgefärbten Flecken mit eingesunkenen Stellen (links). Bei starker Schädigung erkennt man in der Fruchtwand verbräunte Leitbündel (rechts).

Zulassungen
Maceta (50 g/l Quizalofop-P-ethyl): In Möhren gegen Ungräser mit 1 Anwendung mit 2,5 l/ha bis zum 9-Blatt-Stadium der Kultur; Wartezeit(Freiland)=40Tage
Restrain (900 g/kg Ethylen):
In Speisezwiebel, Knoblauch, Schalotte im Lager zur Keimhemmung; während der gesamten Lagerperiode mit speziellem Gerät (Restrain-Generator) mit 19 mg/m³ begasen; Wartezeit(Lager)=F.
In Tomate zur Fruchtreifeverfrühung; zu Beginn der Reife 4,5 Tage lang mit speziellem Gerät (Restrain-Generator) mit 1,75 mg/m³ begasen; Wartezeit(Gewächshaus)=F.

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