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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 29)

Datum: 13.07.2020

Pilzkrankheiten
Es gibt zwar nicht genug Niederschläge, um auf Beregnung verzichten zu können, aber es ist doch nicht warm und trocken genug, um Falschen Mehltau oder Phytophthora dauerhaft ein-zudämmen. Nächtliche Abkühlung mit Taubildung sorgt zuverlässig für die Blattnässe, wel-che Pilzsporen zum Keimen benötigen. Da inzwischen auch im Breisgau Falscher Mehltau an Gurken im Freiland gefunden wurde, sollten die Bestände auch in den Gewächshäusern gut beobachtet und geschützt werden. Wo nachts nicht trockengeheizt werden kann, ist Lüften wichtig zur Vorbeugung. Konsequentes Entblatten unterstützt ebenfalls das schnelle Ab-trocknen der Bestände. Das gleiche gilt für Tomaten
Käfer im Kohl
Die Kleinen Kohltriebrüssler sind weitgehend aus den Beständen verschwunden. Leider geblieben sind die Kohlerdflöhe.
Rübenerdfloh
Seit einigen Jahren treten bei uns vermehrt Rübenerdflöhe (Chaetocnema tibialis) an verschiedenen Gänsefußgewächsen auf, vor allem im südlichen Markgräflerland. Die empfind-lichsten Schäden erleidet dabei Mangold. An zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala, noch vor Spinat, steht Rote Bete. Deren junge Aussaaten leiden aktuell besonders unter dem charakteristischen Lochfraß. Bei starkem Befall können die Keimlinge komplett abgefressen werden. Gegen die Erdflöhe wirken u. a. Calypso (Rote Bete, Aufbrauchfrist 03.02.2021), SpinTor (Spinat, Mangold) oder Minecto One (Wurzel- und Knollen-gemüse). Spruzit Neu und Pyrethroide wie Karate Zeon wirken nur bei unter 23° C, also bei Behand-lungen am sehr späten Abend oder frühen Morgen.

Fraßschaden durch Rübenerdfloh an Spinat
Bild oben: Fraßlöcher von Rübenerdfloh Spinatsämling.

Blütenendfäule
Besonders in Fleisch- und Romatomaten, aber auch Paprika gibt es jetzt viel Blütenendfäule.
Ursache dafür ist ein Mangel an Kalzium. Dieses Element wird von der Pflanze in ausrei-chender Menge aus dem Boden aufgenommen. In der Pflanze wird es aber ausschließlich mit dem Wasserstrom transportiert. Pflanzenteile, die viel verdunsten, erhalten viel Wasser und damit viel Kalzium. Früchte haben eine kleine Oberfläche im Verhältnis zur Masse. Des-halb sind dort Verdunstung und damit Kalziumversorgung gering. Wenn dann auch noch zu wenig Wasser als Transportmittel vorhanden ist, kommt es noch schneller zu einem Kalzi-ummangel und damit Blütenendfäule an den Früchten. Blütenendfäule gibt es deshalb dann, wenn die Pflanzen unter Wasserstress stehen, also bei Hitze und damit verbundener niedri-ger Luftfeuchte. Dann stellen die Blätter die Transpiration ein, um sich vor dem Vertrocknen zu schützen. Die Folge ist, dass der Wasser-/Kalzium-Transport zum Erliegen kommt. Eine Schattierung auf dem Gewächshaus kann dem etwas entgegenwirken. In Häusern mit Tropfbewässerung kann die Luftfeuchtigkeit durch flächiges Beregnen angehoben werden. Das vergrößert außerdem das Bodenvolumen, das von den Pflanzenwurzeln erschlossen werden kann und damit die verfügbare Wasser- und Kalziummenge. Die Luftfeuchte anhe-ben kann man auch mit einem mehrmals täglichen kurzen Überbrausen der Pflanzen mit Wasser. An sonnigen, warmen Tagen besteht dabei keine Gefahr für Pilzinfektionen. Phyto-phthora infestans braucht mindestens 2 Stunden Blattnässe zum Infizieren.
Aber auch bedecktes, regnerisches Wetter, zumindest in schlecht gelüfteten Häusern und Tunneln, ist gefährlich: Regenwetter verleitet dazu, die Wassergaben zu reduzieren, um kei-ne Pilzkrankheiten zu fördern. Diese Überlegung ist für Tomaten prinzipiell richtig. Aber man darf es mit der Trockenheit nicht übertreiben. Tomaten brauchen auch bei trübem Wetter Wasser! Wo es regelmäßig trotz guter Wasserversorgung und Klimaführung zu Blütenend-fäule kommt, sollten Spritzungen mit einem Kalzium-Blattdünger nach Herstellerempfehlun-gen durchgeführt werden. Diese sollten ein- bis zweimal pro Woche durchgeführt werden. Auch Calciumchlorid (Lebensmittelzusatzstoff E509) kann in 0,2 bis 0,3-%iger Lösung ver-wendet werden.

Blütenendfäule an Tomate

Bild oben: Tomaten vom Roma-Typ sind besonders anfällig für Blütenendfäule.

Bild unten: Bei Paprika tritt die „Blütenendfäule“ nicht unbedingt am Blütenende auf, sondern oft seitlich in der unteren Hälfte der Frucht.

Blütenendfäule an Paprika
Spargel
Bei spät beendeten Spargelanlagen können jetzt noch Herbizide unter Blatt eingesetzt wer-den. Die Kombinationen 0,5 l/ha Sencor Liquid + 0,8 l/ha Spectrum + 0,3 l/ha Buctril passt in viele Situationen. Wurde direkt nach dem Abdämmen noch kein Sencor Liquid eingesetzt, kann die Aufwandmenge bis 0,9 l/ha erhöht werden.In Anlagen, in denen Begrünung eingesät werden soll, dürfen nur die Dämme behandelt werden. In den Gassen muss das Unkraut mechanisch beseitigt werden.
Bei der vorherrschenden Witterung liegt der Fokus bei der Auswahl der Fungizide auf dem „Schönwetterpilz“ Spargelrost. Eine mögliche Kombination ist z. B. 0,8 l/ha Ortiva + 1,2 kg/ha Polyram. Ist bereits Rostbefall vorhanden, sollte 0,3 l/ha Score zugemischt werden.
Gesundes Laub und unkrautfreier Boden nutzen dem Spargel aber nicht viel, wenn er kein Wasser hat. Spargel überlebt auch mit geringen Reserven von Wasser im Boden. Aber um im kommenden Jahr Erträge zu bringen, müssen die Pflanzen Reservekohlehydrate einla-gern. Das können Sie nur bei guter Wasserversorgung. Beregnet werden sollte bald, weil dadurch ein neuer Durchtrieb angeregt wird. Wenn dieser zu spät im Jahr erfolgt, kostet das die Pflanzen mehr Energie, als die zusätzliche Blattmasse liefert. Wenige großzügige Was-sergaben sind besser als viele kleine: Die Pflanzen sind weniger lange nass und der Boden wird tiefer durchfeuchtet. Die Masse der Spargelwurzeln befindet sich unterhalb 50 cm Bo-dentiefe. Um diese zu erreichen, braucht es bei einem ausgetrockneten, lehmigen Boden 30 oder 40 mm Wasser. Je nach Technik und Boden können dafür zwei Gaben nötig sein im Abstand von einigen Tagen.

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