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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 28)

Datum: 06.07.2020

Kohlfliege
Ein weiterer Rückgang der Eiablage deutet das Auslaufen der zweiten Generation der Kohlfliege an. Noch bevor diese ihren Flug beendet, übernimmt aber bereits die dritte Generation die Staffel. Eine Abgrenzung der Generationen voneinander ist nicht mehr möglich. Für die verbleibende Saison ist mit ständiger Eiablage zu rechnen. Schwankungen in der Befallsge-fahr sind weniger den Generationenwechseln geschuldet als Witterungseinflüssen. Bei Hitze und Trockenheit gehen viele Eier im Boden zugrunde, bei feucht-gemäßigter Witterung sind deren Überlebenschancen hoch.
Die Schadschwelle für junge Kohlpflanzen dürfte aber kaum noch erreicht werden. Wenn überhaupt eine Maßnahme nötig ist, sollte die Jungpflanzenbehandlung ausreichen (Verimark in Blumen- und Kopfkohle noch bis 20.07.2020 per Notfallzulassung, SpinTor in allen Kohlarten). Im Bioanbau vermindert die häufige mechanische Unkrautbekämpfung in den Wochen nach dem Pflanzen die Überlebensrate der Eier und damit das Risiko.
Bei Rettich, Radies, Kohl- und Speiserübe droht dagegen ständig Gefahr von Schäden, weil hierfür schon wenige Maden ausreichen. In Radies richtet sich der Insektizideinsatz deshalb nicht nach der tatsächlichen Aktivität der Kohlfliege, sondern nach der Wartezeit, die in der kurzen Kulturzeit möglich ist. Da in Rettich, Radies, Kohl- und Speiserüben kein Mittel gegen die Kohlfliege ausgewiesen ist, können nur Nebenwirkungen genutzt werden. Karate Zeon, Kaiso Sorbie, Mavrik Vita, Scatto und anderen Pyrethroide erfassen die adulte Fliegen. Mi-necto One (zugelassen in Wurzel- und Knollengemüse im Freiland gegen Schmetterlingsrau-pen mit 2 x 1,875 g/Ar, WF=7 Tage), wirkt etwa 3 Wochen gegen Fliegen und ihre Maden.
Ein Kulturschutznetz (1,4 mm) bietet den besten Schutz. Es kann 3 Tage vor der Ernte ab-genommen werden. So lange dauert es, bis aus den Eiern Maden schlüpfen.
Möhrenfliege
Auf allen beobachteten Standorten zeigen die Gelbtafeln zwar nur eine geringe Aktivität der Möhrenfliege. Diese ist aber örtlich stark unterschiedlich. Deshalb sollten Bestände in Lagen, in denen es in der Vergangenheit stärkeren Befall gab, weiterhin geschützt werden.
Wanzen
Viel später als in den letzten Jahren erscheinen jetzt zahlreiche Larven der Grünen Reiswanze (Nezara viridula) in den Gewächshäusern. Ihre Saugtätigkeit führt an Gurken zu krummen Früchten und Verdickungen an den Stängeln, welche beim Wickeln leicht brechen, bei Auberginen zum Abwerfen junger Blütenknospen, bei Paprika und Tomaten zu gelben, verhärteten Flecken auf den Früchten und bei Stangenbohnen zu verformten Hülsen.
Auch verschiedene Arten von Wiesenwanzen (Lygus–Arten) sind in den Gewächshäusern anzutreffen und verursachen vergleichbare Schäden. Ihre Bedeutung ist aber meist geringer als die der Grünen Reiswanze. Von der Marmorierten Baumwanze (Halyomorpha halys) sind im Gemüse bisher nur einzelne Exemplare zu sehen.
Eine Bekämpfung der Wanzen sollte nur durchgeführt werden, wenn die Schäden wirklich nicht mehr akzeptabel sind. Denn die wirksamen Mittel schädigen auch wichtige Nützlinge. Eine Wanzenbekämpfung kann deshalb ungewohnte Probleme mit Spinnmilben, Blattläusen oder Thripsen zur Folge haben. Eine sehr gute Wirkung gegen die genannten Wanzenarten hat Karate Zeon. Vergleichbar scheint Mospilan SG zu wirken - und schont dabei zumindest Raubmilben und Hummeln. An Gurken halten sich die Wanzen meist im oberen Bereich der Pflanzen auf. Die Kollateralschäden lassen sich vermindern, wenn man die Behandlung auf diese Zone beschränkt. Frühmorgens sind die Wanzen noch wenig mobil und leichter zu treffen.
Die Larven der Grünen Reiswanze saugen noch einige Tage nach dem Schlüpfen in Gruppen an den Pflanzen. Wenn man diese entdeckt, kann man sie auch gut mit einem Handsprühgerät gezielt bekämpfen und braucht nicht den ganzen Bestand behandeln. Wenn die Larven noch sehr klein sind, wirkt auch Neudosan Neu.
Pilzkrankheiten
In unbehandelten Zwiebelbeständen sind Infektionen mit Falschem Mehltau sichtbar.
In anderen Regionen ist bereits verbreitet Falscher Mehltau an Gewächshausgurken vorhanden.
Da auch für die nächsten Tagen nur mäßig hohe Temperaturen mit nächtlicher Abkühlung und Tau prognostiziert werden, bleiben die Bedingungen für Falschen Mehltau gut.
Bei allen gefährdeten Kulturen sollte der Fungizidschutz aufrechterhalten werden.
Wo bereits erste Infektionen vorhanden sind, müssen, soweit zugelassen, Mittel mit kurativen Wirkstoffen eingesetzt werden. Eine kurative Wirkung gegen Falsche Mehltaupilze ist zu erwarten von Cymoxanil (Tanos), Dimethomorph (Acrobat Plus WG, Forum), Fosetyl (Fenomenal, Aliette WG), Metalaxyl-M (Ridomil Gold MZ), Propamocarb (Previcur Energy, Proplant) oder Vali-fenalate (Valis M). Alle anderen gegen Fal-schen Mehltau zugelassenen Mittel sollten ausschließlich vorbeugend eingesetzt werden oder im Wechsel bzw. in Mischung mit den kurativen Mitteln. Dieser Einsatz ver-schiedener Wirkstoffe verringert das Risiko von Resistenzbildung.
Eine gute vorbeugende Wirkung gegen Falsche Mehltaupilze haben u. a. Revus (Mandipropamid) oder Ranman Top (Cyazofamid).



Bild unten: Auch an geknickten Zwiebelschlotten infiziert der Falsche Mehltau und muss bekämpft werden. Auch in diesem Stadium führen Laubverluste zu Ertragseinbußen, schlechtem Ausreifen und verminderter Haltbarkeit der Zwiebeln im Lager.Falscher Mehltau an Zwiebeln

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