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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2020 (KW 27)

Datum: 29.06.2020

Möhrenfliege
Laut Prognosemodell hat der Flug der zweiten Generation der Möhrenfliege eingesetzt. Fän-ge auf den Gelbtafeln bestätigen das. Allerdings handelt es sich nur um einzelne Tiere. Der Befallsdruck dürft also noch sehr gering sein. Die erwarteten Niederschläge bei mäßig hohen Temperaturen können die Zahl der Fliegen aber schnell ansteigen lassen. Zum Ende der Wochen können in bekannten Befallslagen Behandlungen sinnvoll sein. Wo Möhren, Pastina-ken oder Wurzelpetersilie mit Netzen (1,4 mm) geschützt werden sollen, sollten diese jetzt aufgelegt werden, am besten vormittags oder in der Mittagshitze, um keine Möhrenfliegen darunter einzusperren.
Kohlfliege
Immer noch legt die Kohlfliege nur geringe Zahlen von Eiern ab.
Raupen
In Kohl nutzte der Kleine Kohlweißling das Sommerwetter der vergangenen Tage, um zahl-reiche Eier abzulegen. Im Laufe dieser Woche werden die Raupen schlüpfen. Der Flug der Gamma- und Gemüseule sowie der Lauchmotte ist rückläufig, so dass in Salat, Fruchtgemü-se bzw. Lauch derzeit kaum mit neuem Raupenbefall zu rechnen ist.
Blattläuse
Den Blattläusen gefällt das wechselhafte Sommerwetter. Sie halten sich immer noch wacker, trotz der zunehmenden Zahl an Gegenspielern. Teilweise erholen sich die Populationen so-gar wieder. In der vergangenen Woche konnten örtlich neue Ansiedlungen von Schwarzer Bohnenlaus an Mangold und Spinat beobachtet werden. Auch von der Mehligen Kohlblattlaus sind immer wieder kleine Kolonien zu finden. Wurde nützlingsschonend gearbeitet, sind diese aber meist stark parasitiert oder werden von Schwebfliegen- und Gallmückenlarven einge-dämmt. Weil sich die Situation von Feld zu Feld unterschiedlich darstellt, sind eigene Kontrol-len unerlässlich. Die Befallsgefahr in Salat bleibt hoch.
Kohltriebrüssler
Verdrehte Blätter an Kohl sind nicht immer eine Folge von Drehherzmücke oder früherem Befall mit Mehliger Kohlblattlaus (dann in Verbindung mit violetten Verfärbungen). Auch Fraß durch Kohltriebrüssler an jungen Blättern kann zu Deformationen führen. Bekannt ist das von unbedeckten Sätzen im frühen Frühjahr. Dann legen die Käfer auch ihre Eier in Stängel und Blattstiele verschiedener Kreuzblütler, wo sich die Larven entwickeln. Die ausgewachsenen Larven verpuppen sich im Boden und schlüpfen im Sommer. Diese neue Generation von Kä-fern ist es, die aktuell in manchen Kohlbeständen zu finden ist. Sie sitzen meist an der Blatt-unterseite oder in den Herzen. Die Käfer vollführen einen Loch- oder Schabefraß an den Blättern oder fressen mit ihrem Rüssel tiefe Löcher in die Blattrippen. Das stört bei jungen Blättern die Entwicklung, so dass sie stark deformiert wachsen. Auch die Blume kann geschädigt werden. Bei Kohlrabi können durch die Verletzung die Knollen platzen. Die Zahl der Käfer ist üblicherweise im Sommer so gering, dass diese Schäden nicht ins Gewicht fallen. Heuer machen sich auf manchen Feldern aber sehr viele Kleine (=Gefleckte) Kohltriebrüssler (Ceutorhynchus pallidactylus) am Kohl zu schaffen, teilweise fünf Tiere pro Pflanze. Es ist zu hoffen, dass diese die Anweisungen in der Literatur befolgen und sich bald in ihre Winter-quartiere zurückziehen. Ansonsten muss mit geeigneten Insektiziden nachgeholfen werden. Beim Einsatz von z.B. Minecto One (zugelassen in Kopf- und Blumenkohle), Coragen, Calypso, Mospilan SG, SpinTor oder Pyrethroiden gegen Raupen oder Erdflöhe sollten die Käfer miterfasst werden.

Blattdeformationen durch Fraß von Kohltriebrüsslern
Bild oben: Brokkoli mit deformierten Blättern durch starken Befall mit Geflecktem Kohltriebrüssler (Ceutorhynchus pallidactylus)

Bild unten: Teilweise vernarbten Fraßlöcher des Gefleckten Kohltriebrüsslers an den Blattrippen von Brokkoli
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Fraßlöcher von Kohltriebrüssler an Brokkoli

Bild unten: Der ca. 2 mm lange Gefleckte Kohltriebrüssler auf der Blattunterseite (rechts oben); von anderen Rüsselkäfern, die an Kohl vorkommen unterscheidet ihn der helle Fleck hinter dem Halsschild.Kleiner Kohltriebrüssler Ceutorhynchus pallidactylus

Zulassungen
Die Aufbrauchfrist für Danadim Progress u. a. Dimethoat-Mittel endet am 30.06.2020. Danach sind Mittel mit diesem Wirkstoff entsorgungspflichtig.
Pirimor Granulat (Zul.-Nr. 052470-00) ist bis zum 31.10 2020 zugelassen. Die Aufbrauchfrist endet am 30.04.2022, die Abverkaufsfrist am 30.04.2021. Wegen Umstellungen in der Pro-duktion wird das Mittel nicht bis zum Ende der Abverkaufsfrist verfügbar sein. Eine rechtzei-tige, bedarfsgerechte Bevorratung von Mittel mit der alten Zulassungsnummer ist deshalb sinnvoll. Pirimor Granulat wurde zwar neu zugelassen, Mittel aus den neuen Packungen (Zul.-Nr. 062470-00) darf aber bisher nur in Getreide eingesetzt werden.

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