Service-Navigation

Suchfunktion

Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2019 (KW 48)

Datum: 25.11.2019

Lauchminierfliege
Bei gutem Wetter ist die Lauchminierfliege bis weit in den Herbst hinein aktiv. Nach Wochen der Dauernässe ist es aber unwahrscheinlich, dass heuer noch Tiere aus ihren Verstecken kommen. Wo Lauch, Knoblauch, Bundzwiebeln mit Netzen vor Befall geschützt werden, kön-nen diese abgenommen werden.

Kohlfliegen und Erdflöhe
Eine Abdeckung mit Kohlfliegennetz ist die wirksamste Maßnahme gegen Schäden durch de-ren Maden. Wo trotz dichter Netzauflage Fraßgänge in den Blattrippen von Chinakohl gefun-den werden, stammen diese von Larven von Erdflöhen. Die Käfer sind klein genug, um durch die 1,3-mm-Maschen zu schlüpfen und unter dem Netz Eier zu legen. Die Art dieser Erdflöhe ist noch nicht bestimmt. Das Auftreten im Winterhalbjahr deutet aber auf den Rapserdfloh hin. Vermutlich die gleiche Art ist es, die jetzt noch Lochfraß an Rucola und asiatischen Senfkohlen im geschützten Anbau verursacht.
Es bleibt zu hoffen, dass die Aktivät der Erdflöhe in den Häusern mit der Temperatur ab-nimmt. Wo auch der Neutrieb zerlöchert wird, kann im Gewächshaus eine Bekämpfung mit Karate Zeon (in Baby-Leaf-Salate, Rucola-Arten), Mospilan SG oder SpinTor (in Rucola-Arten) erfolgen. Im Gewächshaus gibt es für Blattkohl-Arten (zu denen auch die kreuzblütigen Asia-Salate zählen) keine Zulassungen, außer sie werden als Baby-Leaf-Salate (d. h. Ernte bis zum 8 Laubblatt) angebaut.
In einem Haus gab es an Rucola und PakChoi Blattminen und darin beinlose Larven mit Kopfkapsel. Eine Bestimmung steht auch hier noch aus, aber auf der Liste der Tatverdächti-gen steht der Schwarze Rapstriebrüssler (Ceutorhynchus picitarsis) ganz oben. Dieser Käfer legt den ganzen Winter über Eier ab. Wenn die Blattminen überhandnehmen, kann er mit den oben genannten Mitteln bekämpft werden.

Larve eines Erdflohs in einer Mine in Chinakohl-Blattrippe
Bild: Ca. 4 mm lange Larve eines Erdflohkäfers in einer geöffneten Blattmine in der Blattrippe von Chinakohl.


Fliegenschwärme
Im Freiland fallen Schwärme von mückenartigen Insekten auf, die beim Ernten von Lauch, Kohl, Möhren u. a. aufgescheucht werden. Die Tiere sind weniger als 1 cm lang und erinnern mit den langen Beinen an kleine Schnaken. Es handelt sich um Wintermücken (Fam. Trichoceridae). Wie der Name andeutet, sind sie noch bei Temperaturen um den Gefrier-punkt aktiv. Die Adulten nehmen nur flüssige Nahrung auf, die Larven leben im Boden von Pflanzenresten, Kot o. ä. Felder mit Putzabfällen sind deshalb für sie interessant. Für die Kulturen stellen sie keine Gefahr dar.

Wintermücke
Bild oben: Die knapp 1 cm langen Wintermücken sind harmlos, aber durch ihr massenhaftes Auftre-ten an kalten Tagen auffallend.


Raupen
In einzelnen Beständen von Kopfkohl, die noch im Freiland stehen, gibt es stärkeren Befall mit großen Raupen von Kleinem Kohlweißling. Hier kann man höchstens noch versuchen, mit Pyrethroiden weiteren Fraß zu verhindern oder darauf hoffen, dass die Raupen sich bald verpuppen.


Bakterielle Blattflecken an Feldsalat
In verschiedenen Feldsalat-Beständen verursachen rundliche, schwarze Flecken auf den un-teren Blättern zusätzliche Arbeit beim Ernten bzw. Putzen. Anfangs sind sie punktförmig, werden später mehrere Millimeter groß und können zu größeren Flächen zusammenwach-sen. Der Rand ist meist scharf zum gesunden Gewebe abgegrenzt, manchmal erkennt man im Gegenlicht einen ölig-wässrigen Hof. Hervorgerufen werden die Flecken durch das Bakte-rium Acidovorax valerianellae. Der Befall beginnt oft an den Keimblättern. Durch Wasser-spritzer breitet sich der Erreger allmählich auf weitere Blätter und auf umliegende Pflanzen aus. Das Bakterium kann bis zu 3 Jahre auf Ernterückständen überdauern. In einem gut be-lebten Boden sollten Pflanzenreste und damit das Bakterium aber schon nach kürzerer Zeit abgebaut sein. Deshalb stellt Saatgut wohl die wichtigste Infektionsquelle dar. Dafür spricht auch, dass die Infektionen bei unterschiedlichen Sorten (=Chargen) auf der gleichen Fläche ganz unterschiedlich ausgeprägt sein können. Spritzungen mit Cuprozin Progress (zugelassen ge-gen Falschen Mehltau im Freiland und Gewächshaus mit 2 l/ha, WZ=7 Tage) können eine Ausbreitung bremsen. Ansonsten sind, wie gegen alle bakteriellen Blattfleckenerreger, keine direkten Maßnahmen möglich. Es sollte nur Saatgut nur aus seriösen Quellen verwendet werden. Wenn Feldsalat-Saatgut „günstig“ angeboten wird, hat das einen Grund. Im Gewächshaus sollte möglichst selten bewässert werden, um eine Verbreitung durch Wasser-spritzer zu verhindern und Blattnässe zu vermeiden. Wärme fördert das Wachstum der Bak-terien, die Temperaturen sollten nicht über 12 °C steigen. Das ist auch nach der Ernte wich-tig: Ware aus betroffenen Beständen muss möglichst kühl gelagert werden, sonst kann sich ein übersehener Fleck schnell vergrößern.

Acidovorax valerianellae an Keimblättern
Bild: Schwarze Flecken mit ölig-wässrigem Hof sind typisch für bakterielle Blattflecken an Feldsalat. Der Befall beginnt häufig an den Keimblättern.


Zulassungen
Bucril: Der Wirkstoff Bromoxynil ist auf EU-Ebene nur noch bis 31.07.2020 zugelassen. Da eine erneute Zulassung nicht zu erwarten ist, wird mit einer verkürzten Aufbrauchfrist bis En-de 2020 gerechnet. Deshalb hat die Fa. Bayer die Produktion von Buctril eingestellt. Die auf dem Markt befindlichen Mengen sollen nach Firmenangaben aber noch den voraussichtli-chen Bedarf für 2020 abdecken.

Fußleiste