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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2019 (KW 44)

Datum: 31.10.2019

Lauchminierfliege
In den vergangenen zwei Wochen waren in den Porree- und Schnittlauchbeständen kaum noch Lauchminierfliegen zu sehen. Auf ihre Anwesenheit deutet häufig nur Eiablage im Schnittlauch hin. Diese ist stark rückläufig. Allerdings ist es gut möglich, dass in warmen, trockenen Stunden nochmals Tiere aus ihren Verstecken kommen. Wo Lauch, Knoblauch, Bundzwiebeln mit Netzen vor Befall geschützt werden, sollten diese frühestens nach dem Wochenende abgenommen werden - zumindest an Standorten, in deren Nähe die verräterischen Fraßpunkte gefunden wurden.
Kohlfliege
Vergangene Woche konnte man örtlich noch Kohlfliegen in den Beständen sehen. Spätestens nach dem kommenden warmen Wochenende sollte die Gefahr aber endgültig vorüber sein. Bei unter 15 °C legt die Kohlfliege keine Eier mehr ab.
Möhrenfliege
Auch der Möhrenfliege ist das Wetter zu ungemütlich geworden. Die Gelbtafeln zeigen auf allen Standorten, dass sie ihre Aktivität eingestellt hat.
Raupen
Die Raupensaison im Freiland geht zuende. Wo länger als drei Wochen keine Maßnahmen mehr durchgeführt wurden, kann es noch alten Befall mit Raupen an Kohl, Spinat, Mangold. Salat u. a. geben. Da ihre Zahl aber meist sehr gering ist, sie bei Kälte wenig fressen oder ihr Futter bald geerntet wird, ist eine Bekämpfung meist nicht mehr nötig. Anders sieht es in den Gewächshäusern aus. Da kann es noch frischen Befall durch Gamma- oder Achateule geben, der u. U. bekämpft werden muss. Gegen die Raupen der Kohlmotte, deren Fensterfraß vereinzelt in Kohlrabi, Rucola oder Asia-Salaten zu finden ist, besteht dagegen in aller Regel kein Handlungsbedarf mehr. Ihr ist es jetzt zu kalt für eine weitere Vermehrung.
Blattläuse
Die Blattlaussaison im Freiland ist praktisch vorbei. Bei nasskaltem Wetter sind keine Ver-breitungsflüge mehr zu erwarten. Massenvermehrung der Mehligen Kohlblattlaus an befallenen Pflanzen ist aber noch möglich. Eine Bekämpfung wird jetzt allerdings schwierig. Die Auswahl an kältetoleranten Insektiziden ist gering. Bei über 10 °C wirken noch Neonicotinoide wie Calypso oder Mospilan SG. Darunter können noch Neudosan Neu oder Micula eingesetzt werden.
Im Gewächshaus sind bei den Winterkulturen regelmäßige Kontrollen sinnvoll, zumindest, solange noch Sommerkulturen stehen und sukzessive geräumt werden.
Pilzkrankheiten
Den meisten pilzlichen Schaderreger wird es im Freiland jetzt zu kalt für neue Infektionen. Beim Falschen Mehltau an Spinat geht die Saison jetzt aber erst los: Schon ab 8 °C kann er Sporen bilden, und für die Infektion sind 9 °C optimal. Systemisch Fungizide wirken erst bei über 12 °C Lufttemperatur. Deshalb sollte der nächste mildere und trockene Tag für eine Behandlung mit z. B. Forum oder Revus genutzt werden.
Im Gewächshaus sind die Bedingungen für Pilzkrankheiten allgemein günstig. Nässe und Lichtmangel fördern insbesondere Grauschimmel (Botrytis cinerea) und Schwarzfäule (Rhizoctonia solani). Salate und Endivien sollten bald nach dem Pflanzen behandelt werden. Dann kann die Spritzbrühe noch an den Wurzelhals gelangen. Bei Feldsalat sollte man spätestens dann reagieren, wenn die ersten Pflanzen unter dem typischen grauen Flaum verschwinden bzw. faulend zusammenfallen. Wirksam sind u. a. Switch und Teldor (u. a. in Salate, Endivien in Gwh u. FL), Signum (u. a. Feldsalat im Gewächshaus und Freiland, Endivien und Salate im Freiland). Luna Sensation darf in Erbse, Stielmus, Kohlgemüse, Kohlrübe, Speiserübe (Stoppel-, Mairübe etc.), Salat-Arten, Radies, Rettich, Spinat u. verwandte Arten als Baby-Leaf sowie Endivien u. Salate nur im Freiland eingesetzt werden.
Im Bio-Anbau können im Gewächshaus Romeo (Eissalat, Breitblättrige Endivie, Krause Endivie, Rucola-Arten, Feldsalat) und seit September das mikrobielle Mittel Serifel (Bacillus amyloliquefaciens; Indikationen siehe unten) zur Minderung des Botrytis-Befalls eingesetzt werden. Außerdem ist seit Februar auch Kumar gegen Botrytis in Feldsalat und Endivien genehmigt.
Wichtigste Maßnahme ist, durch seltenes Bewässern und angepasstes Lüften die Blattnäs-seperioden so kurz wie möglich zu halten.

Botrytis an Feldsalat

Bild oben: Mausgrauer Sporenasen von Botrytis an Feldsalat.

Bild unten: Rhizoctonia lässt die Blätter meist vom Boden her faulen. Die Wurzel bleibt zu-nächst gesund.

Rhizoctonia an Feldsalat


Zulassungen
Die EU-Genehmigung des Wirkstoffes Methiocarb wird nicht erneuert. Im Gemüsebau ist nur die Anwendung von Mesurol Flüssig als Saatgutbehandlung in Zuckermais gegen Fritfliege betroffen. Die Zulassung von Mesurol flüssig endete in Deutschland am 31.07.2019, die Ab-verkaufsfrist spätestens am 03.01.2020 und die Aufbrauchfrist sowohl für das Produkt Mesurol flüssig als auch für behandeltes Saatgut spätestens am 03.04.2020. Das bedeutet, dass Saatgut, das mit einem methioicarbhaltigem Mittel gebeizt wurde, noch bis zum 03. Ap-ril 2020 in Verkehr gebracht und ausgesät werden darf.
Bandur hat Zulassungserweiterungen erhalten im Freiland gegen einjährige, zweikeimblättri-ge Unkräuter und Einjährige Rispe in folgenden Kulturen:
Kerbel, Koriander, Salbei: 1 x 10 ml/Ar vor dem Auflaufen der Kulturen. WF=F.
Kerbel, Schnittsellerie: 2 x 5 ml/Ar im Abstand von 7 bis 10 Tagen nach dem Auflaufen, nach dem Pflanzen oder nach dem Schnitt. WF=21 Tage.
Minze: 1 x 10 ml/Ar während der Vegetationsruhe. WF=F.
Serifel (88 g/kg Bacillus amyloliquefaciens Stamm MBI 600) wurde zugelassen gegen Botrytis cinerea und Sclerotinia-Arten in den Gewächhauskulturen in Erbse, Stielmus, Kohlgemüse, Spinat und verwandte Arten, Speiserübe (Stoppelrübe, Mairübe), Kohlrübe, Radies, Rettich, Salat-Arten zur Nutzung als Baby-Leaf-Salat sowie in Feldsalat, Eissalat, Endivien, Radic-chio, Ölrauke, Falsche Rauke, Spinat, Kresse, Chicorée. Je max. 6 x 5 g/Ar im Abstand von mind. 5 Tagen. WG=1 Tag. Anwendung nur zur Befallsminderung und bei schwachem Be-fallsdruck.

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