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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2019 (KW 32)

Datum: 05.08.2019

Möhrenfliege
Die Möhrenfliege ist nach den Regenfällen der letzten Woche fast überall aktiv, aber meist auf sehr geringem Niveau. Größere Zahlen finden sich nur in intensiv beregneten Beständen. Bei der angekündigten wechselhaften Witterung steigt die Gefahr für Schäden. In bekannten Befallslagen sollten zum Wochenende Behandlungen durchgeführt werden.
Bohnen
Bei Busch- und Stangenbohnen fällt jetzt ein mangelhafter Hülsenansatz auf. Ursache dafür war die trocken-heiße Witterung in der vorletzten Woche. Bei Temperaturen weit über 25 °C und geringer Luftfeuchtigkeit war die Bestäubung mangelhaft.
Raupen
Im Markgräflerland gab es den ersten leichten Befall mit Raupen der Baumwollkapseleule an Tomate. Die jungen Raupen bohren sich (gerne, aber nicht immer, unterhalb des Kelches) in die Frucht und hinterlassen dabei ein wenige Milimeter großes Loch. Achten Sie bei Pflege- und Erntearbeiten auf solche Symptome. Eine einzelne Raupe kann die Früchte einer ganzen Rispe zerstören. Beim Auftreten dieses Schädlings sollte umgehend behandelt werden. Gut wirksam und nützlingsschonend ist XenTari, Dipel ES wirkt nicht gegen Eulenraupen.

Junge Raupe von Heliothis armigera an Tomate
Bild: Junge, ca. 1,5 cm lange Raupe der Baumwollkapseleule mit Fraßlö-chern an Tomate.


Pilzkrankheiten und Physiologisches
Wo noch nicht geschehen, sollten die Bestände gegen Falschen Mehltau und pilzliche Blattflecken geschützt werden. In den nächsten Tagen wird das Wetter unbeständig. Das macht sich auch im Gewächshaus bemerk-bar: Die nächtliche Abkühlung sorgte schon letzte Woche für taunasse Blät-ter am Vormittag. Bei trübem Wetter trocknen die Pflanzen nicht mehr so schnell ab wie bisher und vorhandene Pilzsporen überleben länger als bei starker Einstrahlung. Ausgehend von abgestorbenen Pflanzenteilen (abge-fallene Blüten, vertrocknete Blatträn-der, Stumpen von abgeschnittenen Blättern und Fruchtständen…) kann sich in den Gewächshäusern Botrytis ausbreiten.
Auch die Infektionsgefahr für Falschen Mehltau an Gurken nimmt zu – erster Befall ist bei uns bereits aufgetreten. Samtflecken an Tomaten werden sich weiter ausbreiten.
Wichtigste Gegenmaßnahme gegen diese Pilzkrankheiten im Gewächshaus ist intensives Lüften, auch Nachts.
Wassergaben über Kopf bei Gurken oder Tomaten müssen stark eingeschränkt werden: Blattnässe von über 2 Stunden Dauer muss vermieden werden. Abends müssen die Pflanzen trocken sein.
Das Entfernen der unteren Blätter verbessert die Luftzirkulation im Bestand und damit das Abtrocknen. Mit dem Blatten sollte aber auf sonnigere Tage gewartet werden. Jetzt ist der Zeitpunkt dafür denkbar ungünstig. Die Wurzeln liefern bei plötzlichem Wechsel zu trübem Wetter mehr Wasser als die Pflanzen benötigen. Es kommt zu Guttation an den Blättern, Krankheitserreger können über die geschädigten Blattränder eindringen. Bei Tomaten können Früchte platzen.
Wird noch dazu die Verdunstungsfläche durch Blatten verringert, verstärkt sich diese Problematik. Um sie abzuschwächen, sollten die Wassergaben bei Tomaten am besten schon zwei Tage vor der Schlechtwetterphase stark reduziert werden.
Auch die anderen Kulturen brauchen jetzt viel weniger Wasser als noch vergangene Woche. Wird das nicht beachtet, drohen Vernässung und in der Folge Wurzelschäden.

Aufgeplatzte Tomate nach Wetterwechsel
Bild: Risse an Tomaten treten oft auf, wenn die Witterung von sonnig nach trüb wechselt. Die Wurzeln liefern dann mehr Wasser, als die Blätter verdunsten.


Zulassungen
Azoxystar (250 g/l Azoxystrobin) wurde zugelassen in den Freilandkulturen:
• Spargel gg. Stemphylium, Rost; 2 mal 10 ml/Ar im Abstand von 10 Tagen; Wartezeit = F.
• Speisezwiebel als Bund- und Trockenzwiebel gg. Falschen Mehltau; 2 x 10 ml/Ar im Ab-stand von7 bis 10 Tagen; WZ = 14 Tage.
• Porree gg. Purpurflecken. Lauchrost; 2 x 10 ml/Ar im Abstand von 12 Tagen; WZ = 21 Tage.
• Blumenkohle, Grün-, Rot-, Weiß-, Rosen-, Staudenkohl gg. Alternaria, Weißer Rost, Mycosphaerella; 2 x 10 ml/Ar im Abstand von 12 Tagen; Wartezeit = 14 Tage.
• Möhre gg. Echter Mehltau, Möhrenschwärze; 2 mal 6 ml/Ar im Abstand von 10 Tagen; Wartezeit = 14 Tage.
Anwendung von Azoxystar immer bei Befallsbeginn! Bei Spargel und Speisezwiebeln nur zur Befallsminderung!
Revus (250 g/l Mandipropamid):
• Zulassung in Brokkkli im Freiland gegen Falschen Mehltau mit 2 x 6 ml/Ar im Abstand von 10 Tagen; WZ = 14 Tage.
• Zulassungserweiterung auf Erbse, Kohlgemüse, Kohl-, Speiserübe, Stielmus (Nutzung als Baby-Leaf-Salat) im Freiland gegen Falschen Mehltau mit 2 mal 6 ml/Ar; Wartezeit = 7 Tage.
Vivando (500 g/l Metrafenone): Zulassungserweiterung auf Melone, Kürbis, Gurke, Zucchini, Patisson (Freiland und Gewächshaus) gegen Echten Mehltau mit 2 x 2 ml/Ar im Abstand von 7 bis 10 Tagen; WZ = 3 Tage.
Signum: Zulassungserweiterung in Süßkartoffel im Freiland gegen Alternaria mit 4 x 2,5 g/Ar im Abstand von 10 bis 21 Tagen; WZ = 3 Tage.
Asulox (400 g/l Asulam): Notfallzulassung bis 18.11. in Spinat und Frische Kräuter im Frei-land gegen Unkräuter, insbesondere Greiskraut (Senecio) und Knöterich (Polygonum) mit 2 mal 60 ml/Ar. 1. Anwendung vor dem Auflaufen, 2. Anwendung 3 bis 5 Tage später, nach dem Auflaufen. WZ = F. Bei Anwendung in Frische Kräuter Verträglichkeit prüfen, da Erfah-rungen fehlen!

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