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Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2019 (KW 31)

Datum: 29.07.2019

Möhrenfliege
Der subtropische Sommer macht eine Prognose über die Aktivität der Möhrenfliege schwie-rig. Die Hitzewellen im Juni und Juli haben bei vielen der im Boden liegenden Puppen eine Sommerruhe induziert. Das bedeutet, dass daraus nicht nach der üblichen Zeit die Fliegen geschlüpft sind, sondern dass diese mit dem Schlüpfen auf bessere=kühlere Zeiten warten, vielleicht sogar bis zum nächsten Frühjahr. Allerdings gilt das nicht überall. Auf Flächen, die häufig beregnet worden waren, waren auch in den Hitzephasen der letzten Wochen Fliegen auf den Leimtafeln zu finden. Die Fangzahlen dort zeigten den normalen Flugverlauf der zweiten Generation an, wenn auch auf geringem Niveau.
Bei der heißen Witterung der vergangenen Woche war aber selbst auf diesen Flächen die Befallsgefahr praktisch vernachlässigbar. Denn nicht nur Trockenheit, auch hohe Bodentem-peraturen alleine lassen Eier und junge Maden absterben. Bei aktuellen Tageshöchsttempe-raturen deutlich unter 30 °C haben allerdings die Eier und die daraus schlüpfenden Larven wieder eine Überlebenschance. Möhren, Pastinaken, Wurzelpetersilie oder Knollensellerie auf beregneten Flächen in bekannten Befallslagen sollten in den nächsten Tagen geschützt werden.
Die Lage in eher trocken gehaltenen Beständen ist unklar. Ob dort die Niederschläge vom Wochenende einen Teil der Möhrenfliegen aus der Sommerruhe geweckt haben, müssen die Leimfallen noch zeigen. Aber es ist nicht zu erwarten, dass dort deren Aktivität für wirtschaft-liche Schäden ausreicht.
Gegen Möhrenfliege kann in Möhre, Wurzelpetersilie, Pastinak und Knollensellerie die repel-lente Wirkung von Karate Zeon genutzt werden (wöchentliche Anwendung). Zur direkten Be-kämpfung in Möhren steht Benevia zur Verfügung (Art. 53, bis 15.09.). Darüber hinaus be-steht in einigen dieser Kulturen die Möglichkeit einzelbetrieblicher Genehmigungen von Da-nadim progress oder Coragen. Weiterer Informationen dazu sind bei der Pflanzenschutzbe-ratung erhältlich.
Eine Abdeckung mit Netzen mit einer Maschenweite von max. 1,4 mm schützt effektiv vor der Möhrenfliege. Eine Abnahme des Netzes für Kulturarbeiten sollte nur am Vormittag erfol-gen. Am späten Nachmittag wandern die Fliegen nämlich aus der umgebenden Vegetation in die Möhrenbestände ein.
Blattläuse
In Salat waren in der vergangenen Woche einzelne geflügelte Johannisbeer-Salatläuse zu finden. Die Witterung ist für deren Entwicklung wieder günstiger. Regelmäßige Kontrollen werden jetzt wieder wichtig.
Pilzkrankheiten
Falscher Mehltau war wegen Hitze und Trockenheit lange kein Problem. Am regnerischen Wochenende können aber wieder Sporulation und Infektionen stattgefunden haben. Anfällige Kulturen sollten jetzt wieder gegen diesen Erreger behandelt werden. Auch gegen andere pilzliche Blattkrankheiten sollte der Fungizidschutz erhalten werden.
Vermeiden sollten man eine Beregnung am frühen Morgen auf die noch taunassen Pflanzen. Eine solche verlängert die Blattnässedauer und erhöht damit das Risiko, dass Pilzsporen ge-nug Zeit zum Infizieren haben.
Wanzen
Bereits im letzten Jahr gab es nie dagewesene Schäden durch verschiedene Wanzen. Beim Wettbewerb um den ersten Platz lieferten sich Grüne Reiswanze (Nezara viridula) und Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit z. T. verheerenden Folgen vor allem für Fruchtgemüse. Die Situation heuer ist nicht besser. Das ist nicht überraschend, denn diese beiden Arten haben bei uns keine effizienten Gegenspieler. Ihre Populationen können nur wachsen. Obwohl diese Entwicklung vorhersehbar war, ist es erschreckend zu sehen, mit welcher Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit sie vonstatten geht und welche Folgen für Gartenbau und Landwirtschaft sie hat. Es gibt praktisch keinen Gurkenbestand, in dem es keine Schäden durch Wanzen gibt. Auch in vielen Beständen von Paprika, Auberginen, Tomaten, Physalis, Bohnen, Zuckermais sind Wanzen anwesend und schädigen durch Saugen an Früchten, Blüten oder Stängeln. Das Ergebnis sind verformte (Bohne, Gurke) oder fleckige (Tomate, Physalis, Paprika) Früchte oder vertrocknete Blüten (Aubergine) oder Triebspitzen (v. a. Gurke).
Eine Bekämpfung ist möglich, sollte aber nur durchgeführt werden, wenn die Schäden wirklich nicht mehr akzeptabel sind. Denn die wirksamen Mittel schädigen auch wichtige Nützlinge. Eine Wanzenbekämpfung kann deshalb ungewohnte Probleme mit Blattläusen, Thripsen oder Spinnmilben zur Folge haben.
Eine sehr gute Wirkung gegen die genannten Wanzenarten hat Karate Zeon. Vergleichbar scheint Mospilan SG zu wirken- und schont dabei zumindest Raubmilben und Hummeln.
Die Larven der Marmorierten Baumwanze zerstreuen sich bald nach dem Schlüpfen. Die der Grünen Reiswanze sitzen noch einige Tage in Gruppen zusammen. Wenn man diese entdeckt, kann man sie auch gut mit einem Handsprühgerät gezielt bekämpfen und braucht nicht den ganzen Bestand behandeln Wenn die Larven noch sehr klein sind, wirkt auch Neu-dosan Neu.
Für die nächste Saison kann man sich überlegen, ob es technisch möglich ist, zumindest das Gewächshaus mit einem Netz an Lüftungsöffnungen und Toren frühzeitig vorm Einwandern der Wanzen zu schützen.
Schäden durch Nezara und Halyomorpha an Fruchtgemüse
Bilder oben: Schäden durch Wanzen an Paprika, Tomate, Bohne, Gurke (Flecken bzw. Verformungen an Früchten) und Aubergine (Vertrocknen der angestochenen Blütenknospen)

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