Weinbauinfo Tuniberg Nr. 4

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Allgemeiner Entwicklungsstand

Zunehmend hat sich eine stabile Hochdrucklage über Mitteleuropa eingestellt, welche nach den Vorhersagen vorerst bis in die erste Maiwoche anhalten soll. Die Wetterdienste sind hier sehr übereinstimmend. Sollte dies so eintreffen, ist für den 1. Mai und seine vielen Veranstaltungen von der Wetterseite bestens vorgesorgt. Und noch vor Ende April wird der Buchenwald bis zum Gipfel des Blauen grün sein, ein sicheres Zeichen einer frühen Entwicklung. Nachts sind und bleiben die Temperaturen im einstelligen Bereich, die Tag – Nachtdifferenz ist hoch, da in den kommenden Tagen bis über 20° C erreicht werden . Frost ist für den Südbadischen Bereich nicht angesagt, in tieferen Lagen empfiehlt es sich, die Frostruten noch stehen zu lassen. Die Entwicklung ist in den Lagen sehr uneinheitlich, der Vorteil früherer Lagen aber unübersehbar. Die späten Anlagen zeigen aber nun doch, dass sie wachsen wollen und stehen bei Ein- bis Zweiblattstadium. In den frühen und guten mittleren Lagen zeigt sich schon BBCH 13 bis 14, drei bis vier Blatt entfaltet. Die kühlen Nächte mässigen das Wachstum und die Entwicklung steht ca. eine Woche vor dem langjährigen Mittel. Früh geöffnete Böden zeigen in der Tendenz besseres Wachstum, es gibt aber auch Anomalien, wo späte Lagen eine Entwicklung gleichauf mit besten Lagen zeigen. Die Hochdrucklage bringt die bekannten, schon fast gewohnten trockenen Winde mit sich. Die Wasserversorgung ist noch kein Thema, die Böden sind in gutem Zustand. 

 

Zu den tierischen Schädlingen

Generell sind die Kontrollfallen in den Verfahren für den Traubenwicklerflug auszubringen und deren Kontrolle aufzunehmen.  

Achten Sie im westlichen Beratungsgebiet und zunehmend auch im Östlichen auf ihre gefährdeten Lagen für Wildverbiss. Bei wirtschaftlich relevanten Schäden ist schnellstmöglich der Jagdpächter zu informieren. Eine gütliche Einigung ist immer anzustreben. Um allerdings ggf. Ansprüche durchsetzen zu können, muss unmittelbar nach Bekanntwerden eines Schadens, dieser an die Gemeindeverwaltung gemeldet werden. Im Vordergrund sollten vorbeugende Maßnahmen zur Vergrämung oder Verhinderung des Zugangs (z.B. Einzäunung der Rebfläche, Elektrozaun am Waldrand, Hasendraht / Rebschutzrohr) stehen. Zur Vergrämung stehen flüssige Buttersäure oder angegorenes Bio – Aminosol für getränkte Lappen zur Verfügung. Angegorenes Bio – Aminosol kann auch mit 1 l / ha zur Spritzbrühe zugesetzt werden. Weitere Möglichkeiten sind das Mittel Anti-Bissan, Trico auf Schafölbasis oder Haarmehlpellets, welche am Rand auszubringen sind. Aus der Praxis gibt es gute Meldungen zu Schafwollfetzen, welche an jedem Pfahl am Rand ausgebracht werden.

 

Zu den Pilzkrankheiten

Die trockene Hochdrucklage bringt uns ein entspannte und ruhige Frühphase beim Pflanzenschutz. Weitere Schwarzfleckenbehandlungen sind unter den Rahmenbedingungen nicht notwendig. Für die Keimung der Ascosporen bei Oidium aus den Chasmothecien fehlt der Niederschlag, wobei hier schon 3 – 4 mm Niederschlag ausreichen würden. Letzteres wäre wichtig in Anlagen mit Blattbefall im Vorjahr als Behandlung zum Dreiblattstadium. Ebenso unproblematisch zeigen sich die Bedingungen für Peronosporaprimärinfektionen. Der Pflanzenschutz beginnt aber auf jeden Fall mit Erreichen des Sechsblattstadiums, unter trockenen Bedingungen mit Schwerpunkt auf Oidium ausgerichtet, welches gegen Ende kommender Woche in den guten Lagen erreicht sein könnte. Zum Einsatz kommen: Netzschwefel mit 3,5 kg / ha. Gegen Peronospora ein Kontaktmittel wie Folpan WDG mit 0,6 kg / ha oder Folpan SC mit 0,8 l / ha, Delan WG mit Aufbrauchsfrist mit 0,3 kg / ha, Delan SC nach Laubwandmodell mit 0,24 l / ha. 

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

 

Weinbauliche Hinweise 

Die Erfahrung aus etlichen Frühjahren der neueren Zeit mit anhaltenden Trockenphasen begünstigt einen früheren Stickstoff - Düngezeitpunkt ab dem Dreiblattstadium, möglichst unter Ausnutzung von angesagten Niederschlägen. Die Ausrichtung auf Niederschläge ist fachlich sinnvoll, um die atmosphärischen Verluste zu begrenzen. Empfohlen werden im Regelfall 30 – 50 kg Reinstickstoff / ha, was max. 2,2 kg / ar Schwefelsaures Ammoniak, bzw. Stickstoffmagnesia oder max. 1,8 kg / ar KAS bedeuten. Eine intensivere Bodenbearbeitung z.B. zur Saatbeetbereitung kann mit mehr wie 20 kg / ha Stickstoff aus Mineralisierung eingerechnet werden, schonende leichte Bodenbearbeitung mit weniger. Wer über 50 kg / ha Stickstoff düngt, wird nach DüVO dokumentationspflichtig und muss die Düngeangaben innerhalb von 2 Tagen eingetragen haben.  Mit der Stickstoffdüngung sind auch die Magnesiumdünger auszubringen, sofern nach Bodenprobe erforderlich.

In etlichen Anlagen wurden die Böden dieses Frühjahr geöffnet. Generell liegen dieses Jahr wieder gute Bedingungen für den Umbruch von Begrünungen und für die Vorbereitung einer nachfolgenden Einsaat, z.B. der Wolf – Mischung, im Angebot mit oder ohne Luzerne, vor. Die feuchten Böden sind eine gute Voraussetzung für eine Erfolgsversprechende Frühjahrseinsaat.  

In den frühen und guten Lagen steht die Saison der Ausbrecharbeiten an. Am Stammkopf sollten besonders Triebe ohne Gescheine und schwach wachsende Triebe entfernt werden. Die Entfernung von Doppeltreiben fördert eine luftige Laubwand und unterstützt den Pflanzenschutz. Das Ausbrechlaub kann nach Kontrolle auf Besatz für die Ansiedlung von Raubmilben in den Junganlagen verwendet werden. Die Ausbringung muss rasch erfolgen, auf lahm werdendem Ausbrechlaub wandern die Milben ab. Für das Ausbrechen der basalen Stammtriebe gibt es neben der mechanischen Arbeit chemische Lösungen, die in der untenstehenden Tabelle aufgeführt sind. Vollständige Benetzung auf grüne, saftige Triebe ist Pflicht, da ansonsten überlebende Teile weiterwachsen und mühsam mit der Schere entfernt werden müssen. Die Mittel sind Abbrenner, die kleinste Abdrift ist zu sehen, deren Verwendung nur mit Abdrift mindernden Düsen und Spritzschirm erlaubt. Die Triebe dürfen nicht grösser als 15 cm sein, da die Triebbasis beginnt sich zu verholzen. Für die Wasserschutzgebiete gibt es keine davon abweichenden Regelungen.

Die generellen Bodenarbeiten haben begonnen. Fasst man die durch die klimatischen Veränderungen inzwischen empfohlenen Bodenarbeiten (nicht nur im Weinbau) zusammen, ergeben sich drei Kernpunkte.

1. Stärkung der Biodiversität

Für Mulcharbeiten wird das bestens bewährte alternierende Mulchen empfohlen, da dies einen sehr positiven Effekt auf den Erhalt der Insektenpopulationen hat, oder, wie oben erwähnt, vielseitige Einsaaten.

2. Schutz vor steigender Erosionsgefahr, da die Niederschlagsmuster sich ändern.

Erhaltung der Bodenbedeckung, Abdecken, Einsaat geöffneter Böden

3. Schutz vor Überhitzung und damit verbundener starker Austrocknung der Böden

Walzen von Einsaaten, Abdeckung, deckendes Mulchen der Begrünungen. Sehr kurz gehaltene Begrünungen haben einen vergleichbaren Erhitzungseffekt wie offene Böden. 


Sonstige Hinweise 

Die Sammelaktion PAMIRA startet ab dem 13.05.2026. Sammelstellen und Termine für PAMIRA 2026 finden Sie unter www.pamira.de. 

Dokumentation:

Mittlerweile steht das Behandlungstagebuch in Vitimeteo zur Aufzeichnung der Pflanzenschutzbehandlungen zur Verfügung. Über dieses Tool können sämtliche Behandlungen im Weinbau kostenlos aufgezeichnet werden. Aufgrund der Anwenderfreundlichkeit wird die Nutzung insbesondere für reine Weinbaubetriebe klar empfohlen. Unter diesem Link finden Sie eine Anleitung zur Anwendung.

Veranstaltungen:

Nach der Vorstellung der Anbausysteme Langzapfenkordon, Minimalschnitt und Hochkordon im vergangenen Dezember, übertragen wir nun die Theorie in die Praxis und möchten uns mit Ihnen die Anbausysteme und wichtige Arbeitsschritte direkt im Weinberg anschauen. Hiermit laden wir Sie herzlich zur ersten Praxisveranstaltung zum Thema „Langzapfenkordon“ ein. David Gehmann wird an diesem Abend das Anbausystem und das Ausbrechen der Triebe mit dem Fadengerät vorstellen. Den genauen Standort in Müllheim entnehmen Sie bitte dem angehängten Flyer. Aufgrund der hohen erwarteten Nachfrage bieten wir jeweils einen Termin am 29.04. und am 30.04.2026 um 18:30 Uhr an. In den kommenden Monaten werden weitere Termine zu den Anbausystemen Minimalschnitt und Hochkordon folgen.

 

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo am 30. April 2026.