Service-Navigation

Suchfunktion

Weinbauinfo Bodensee Nr. 20

Datum: 11.09.2019

Allgemeiner Entwicklungsstand

Eine Regenfront brachte über das Wochenende verbreitet Landregen, der von positiv bis schädlich eingestuft werden kann. Wieder ist ein starkes West – Ostgefälle zu verzeichnen, von 15 – 18 mm im südlichen Oberrheingebiet, 20 – 30 mm entlang des Hochrheines und 50 – 100 mm entlang dem nördlichen Bodenseeufer. Während die Regen im Westen die Fäulnis kaum beeinflussen, eher sogar reifefördernd wirken, sind die hohen Wassermengen am Bodensee problematisch, da Fäulnis verstärkend. Es ist noch nicht so wie 2017, aber vergleichbar. Das ganze Jahr ein gut gelaufener Weinbau und auf den letzten Metern wird es kritisch. Die ganze Wirkung des Wassers wird man Ende der Woche sehen. Abgesehen davon stehen die Reben schön. Bis Mitte kommender Woche ist schönes Herbstwetter gemeldet, kühl am Morgen und angenehm warm am Mittag. Ideal für den Reifeverlauf. An dem Jahrgang 2019 ist neben dem inzwischen schon zur Regel gewordenen starken ESCA – Befall zusätzlich noch ein wieder auffälliges Auftreten der Schwarzholzkrankheit zu verzeichnen. Kennzeichen der letzteren sind Triebe, deren Blätter nach innen rollen, bei Weissweinsorten eine gelbe und bei Rotweinsorten eine rote Farbe annehmen. Drückt man die Blätter zusammen, knistern diese. Sofern noch nicht der ganze Stock erfasst ist, wird empfohlen, die Rute abzuschneiden, um den Stock noch zu retten.

Zu den tierischen Schädlingen

Der grösste Schädling sind aktuell die Ameisen. Die kleinen Insekten sorgen für verbreitet zu findende angefressene Beeren, worauf sich alles findet, was offene Wunden braucht. Die Einzelbeeren werden meist ausgefressen und trockenen ein. Ein Anschieben des KEF – Befalls ist bisher nicht zu beobachten und auch die heimische Fruchtfliege nimmt nicht überhand. Ansonsten ist zur letzten Woche keine Änderung eingetreten. Bei der KEF sind die Burgunder bisher Befalls frei, auch die in der Reife höherstehenden Selektionsanlagen. Ganz vereinzelte Eifunde stammen aus Randlagen. Befallskandidaten sind die bekannten empfindlichen Sorten und noch vorhandene Frühsorten. Viele stehen unter Behandlung wie die Befallsverläufe zeigen. Zum Glück ist der Anteil dieser Sorten flächenmässig gering.

Für alle frühen Sorten gilt, dass bei sichtbarem Besatz von Fliegen, ca. 5 – 10 / Stock – oder ersten Eifunden eine Behandlung durchzuführen ist. Bei Vorliegen von schäumenden Beeren ist es „höchste Eisenbahn“, da hier schon aktive Maden vorhanden sind, die die Population weiter zusätzlich anschieben. Achten Sie auf die Wartezeit von 14 Tagen, bei Exirel von 10 Tagen. Eine Eingrenzung des Behandlungsumfangs ist dieses Jahr nur empfehlenswert, wenn durch Bonituren – eigene oder externe - die Befallsfreiheit gesichert ist. Beachten Sie unbedingt die Hinweise zum Bienenschutz.

Empfohlen wird, bevorzugt bei Selektionsanlagen und bei Anlagen mit mischbeerigen Trauben der Sorten Spätburgunder und Grauburgunder– insbesondere in den kritischen Randbereichen – die weitere Kontrolle durchzuführen, da diese in der Reife vorauslaufen. Für einen Einsatz in Burgunder besteht bisher keine Notwendigkeit. Drehen Sie bei der Probe die Trauben um, da die KEF Eier bevorzugt im Schatten ablegt. In entblätterten Anlagen findet sich der Befall daher bevorzugt auf der Rückseite der Trauben. Dies gilt ebenso für alle anderen Sorten.

Erntehinweise

Für Betriebe mit Kellerwirtschaft werden die Oenologischen Hinweise auf der Internetseite des Staatlichen Weinbauinstitutes besonders empfohlen: www.wbi-freiburg.de unter Aktuelles: Oenologische Hinweise. Das vielfach vorhandene ESCA – Material sollte in der verbleibenden Zeit bis zur Lese entfernt werden. Dies gilt auch für ersten Essigbefall, überwiegend in kompakten Burgunderklonen.

Zum Reifeverlauf

Die angegebenen Mostgewichte basieren auf Messungen vom 06.09.2018 aus überwiegend mittleren und guten Lagen des Tuniberges und Glottertales. Vom Bodenseeraum liegen nur einzelne Werte vom 10.09.vor. Die analytischen Werte ermittelt das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg durch Grape Scan. Der Reifeverlauf ist gut, wir stehen besser wie 2016 und nicht ganz so gut wie 2017. Die Aufbereitung der Proben und die Mostfarben zeigen, dass wir aber noch Reife benötigen, die Mostfarben sind überwiegend sehr grün, bei Spätburgunder noch hell. Die Säurewerte sind im Gegensatz zu letztem Jahr erfreulich. Was immer um diesen Zeitpunkt zum Tragen kommt, sind die Entwicklungen, die sich bei der Blüte schon abzeichnen. Eine ungleiche Reife ist häufig zu beobachten, lediglich in den Selektionsanlagen liegt eine gleichmässigere Entwicklung vor. Das muss im Auge behalten werden, um unreife Noten in den späteren Weinen zu vermeiden. Sehr gleichmässig ist überwiegend der Bodenseeraum, hier kommen durch das Wasser andere Probleme zum Vorschein. Die kommenden 10 Tage ist nach Wetterdienst schöner Altweibersommer angekündigt. Das verspricht eine positive weitere Entwicklung, aber auch bei schon vorliegender Botrytis durchaus Essigentwicklung.

Frühsorten:

Hier stehen noch Regentanlagen. Schön geführte Anlagen haben um die 80 º Oechsle am Tuniberg, am Bodensee liegen die Werte deutlich tiefer. Die Trauben und Stiele sind stabil, bisher sind keine der bekannten Überreifesymptome zu finden. Bei den guten Wetteraussichten und konsequenter KEF – Kontrolle kann die Sorte nach Wunsch geerntet werden.

Müller-Thurgau:

Diese Sorte hat auch in 2019 wieder gute Erträge. Generell zeigt die Sorte Müller – Thurgau momentan die meiste Botrytis, wobei hier eine zweigeteilte Lage vorliegt. Am Tuniberg haben wir überwiegend schöne Bestände mit nur leichter Botrytis. Lediglich Anlagen auf absoluter Standardpflege zeigen stärkere Botrytisnester. Ganz anderst das nördliche Bodenseeufer. Trotz sehr gepflegter Anlagen ist dort in machen Beständen deutliche Botrytis zu finden. Hohe Niederschläge hinterlassen ihre Spuren. Nur ist die Reife nicht immer befriedigend. Dennoch werden sich Vorlesen hier nicht vermeiden lassen, um noch eine gesunde Botrytis zu ernten. Die Mostfarben sind bei Müller – Thurgau noch grünlich, die Beerenhäute noch fest. Die Mostgewichte liegen von Anfang 70º Oe bis Mitte 70º Oe am Tuniberg, am Bodensee rund 5° Oe weniger. Die Säurewerte liegen am Tuniberg nun unter 10ºº Sre bei pH – Werten knapp über 3,0.

Die Burgundersorten:

Die Burgunderanlagen stehen schön und sind oft gut bis sehr gut geführt. Die Burgundersorten zeigen im Bodenseeraum wesentlich stabiler wie der Müller – Thurgau. Die Trauben haben Gewicht, gerade in kompakten Klonen. Die sehr gute Beerenentwicklung, angeschoben durch den feuchteren August, hat zu ausgeprägt satten Trauben geführt. Trockene Witterung ist die grösste Hilfe. Erste Botrytisnester finden sich aktuell bevorzugt im Grauburgunder, oft auch schon mit Essigbefall verbunden. Lockerung oder moderates Ausblasen ist von ganz grossem Vorteil, besonders nun am Bodensee. Die Mostgewichte liegen in allen gut geführten Anlagen bei Mitte 70º Öchsle bis Anfang 80º Oe bei Anfang 10 bis 15ºº Säure. Selektionsanlagen erreichen schon über Mitte 80° Oe. Die pH – Werte liegen non knapp unter 3,0 bis 3,2. Im Bodenseeraum liegen gut geführte Anlagen im Mostgewicht bei Anfang bis Mitte 70 º Oe. Sind die Erträge etwas höher, fallen die Mostgewichte rasch um rund 5° Oe ab. Die Mostfarben sind grünlich bei den weissen Burgundersorten, noch sehr hell bei Spätburgunder. Auch Selektionsanlagen befriedigen in der Mostfarbe noch nicht.

Sonstige Sorten:

Die weiteren Sorten zeigen einen guten gesundheitlichen Zustand. Sehr schön im Ertrag und Aussehen sind Gewürztraminer. Schöne Anlagen erreichen die 90° Oe. Hohe Erträge führen bei Muskateller zu Mostgewichten noch unter 70º Oe und grünlich - gelben Mostfarben. Sehr schön sind die wenigen Rieslinganlagen, es gibt aber erste Botrytisbeeren. Die Mostgewichte liegen von Anfang bis Mitte 70º Oe, die Fruchtausprägung ist noch grünlich. Die Säurewerte liegen bei 14 bis 15ºº mit pH – Werten unter 3,0.

Weinbauliche Hinweise

In den Anlagen sollten noch hochstehende Begrünungen nun umgehend gemulcht oder gewalzt werden. Leider sind solche Bestände trotz blühender Pflanzen in Zeiten der KEF nicht mehr zu tolerieren.

Das nächste Weinbauinfo erscheint mit Hinweisen zum Reifeverlauf und zur Lage bei der KEF in rund 10 Tagen. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

Fußleiste