Weinbauinfo Bodensee Nr. 9

Allgemeiner Entwicklungsstand

Landwirtschaft ist die Werkstatt in der Natur und die Lehre, Dinge zu akzeptieren, wie sie sind, dies wird uns in 2021 wieder voll umfänglich vorgeführt. Zur Lage: im Oberrheingraben ist zügiges bis sehr kräftiges Rebenwachstum zu verzeichnen. Die Reben haben sich erfreulich entwickelt, in den sehr frühen Lagen am Tuniberg liegen die ersten offenen Blüten vor. Damit zeichnet sich Blüte bei den guten entwickelten Trieben gegen Ende kommender Woche ab. Der Vegetationsrückstand zum langjährigen Mittel ist in kurzer Zeit deutlich verkürzt worden. Normal entwickelte Triebe zeigen 8 bis 10 Blattstadium, die Gescheine vergrössern sich rasch. Im Bodenseeraum steht die Entwicklung im Schnitt 1 bis 2 Blatt zurück. Hier haben aber Gewitter mit Schwerpunkt im Raum Hagnau am Dienstagabend zum Teil schwere Schäden hinterlassen. Das tut weh, der Bodenseeraum stand bisher sehr schön und unversehrt. Der Jahrgang wird geringer, und die Saison ist noch lang. Sehr verschieden ist auch die Niederschlagsverteilung, im Westen bisher im Juni um die 40 mm, am Bodensee bis zu 70 mm. In Verbindung mit den angesagten sommerlichen Temperaturen über das Wochenende in die kommende Woche ist weiterhin kräftiges Wachstum angesagt. Die Lage ist insgesamt in der Vorhersage weiterhin nicht stabil, auf Ende kommender Woche könnten Schauerstörungen auftreten.

Zu den tierischen Schädlingen und sonstigen Schadbildern

Ausserhalb der Pheromongebiete zeichnet sich das Ende des Fluges des Bekreuzten Traubenwicklers ab, der Einbindige Traubenwickler trat kaum in Erscheinung. Ansonsten gibt es keine Besonderheiten. Beim Grauburgundervirus bitten wir weiter um die Meldung von Auffälligkeiten.

Zu den Pilzkrankheiten

Inzwischen werden aus dem gesamten Südbaden Ölflecken der Peronospora gemeldet. Das wirft grosse Fragen auf die Grenzbedingungen von Primärinfektionen auf und die Zweifel an der ersten Behandlung sind wieder aufgehoben. Der enorme Zuwachs in kurzer Zeit und die weiterhin sehr wüchsigen Bedingungen, dazu die warm – feuchte Witterung mit sehr gutem Pilzwetter in alle Richtungen führen zu notwendigen, enger gefassten Spritzabständen. Für den westlichen Teil des Beratungsgebietes gilt die Empfehlung, auf das Wochenende eine Behandlung durchzuführen. Zum Einsatz kommen hier: ein Kontaktmittel wie Folpan 80 WDG mit 0,8 kg / ha, Folpan 500 SC mit 1,2 l / ha Mittelaufwand. Polyram WG mit 1,6 kg / ha kann nur eingesetzt werden, sofern die Wiederbetretungsauflagen von der betrieblichen Grösse eingehalten werden können. Der Zusatz von z.B. 2 l / ha Veriphos oder 3,0 l / ha Frutogard bietet mehr Schutz mit Blick auf das starke Wachstum. Dazu 3,6 kg / ha Netzschwefel. Dieses Jahr gibt es durch das verzettelte Wachstum in Folge des Frostes keine enggefasste „Abgehende Blüte“, sondern es wird eine Abfolge kürzer gefasster Behandlungen sein. Die erste zeichnet auf Ende kommender Woche ab.

Im gesamten Bodenseeraum fiel auf das Ende der Wirkungsdauer der letzten Behandlung ein starker Gewitterregen, regional mit starkem Hagel. Hier kann nur umgehend eine Behandlung mit einem tiefenwirksamen Mittel durchgeführt werden, was aktuell läuft. Zum Einsatz kommen: ein tiefenwirksames Mittel wie z.B. VinoStar oder Forum Gold mit 0,96 kg / ha, Sanvino mit 0,75 kg / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von z.B. 2 l / ha Veriphos oder 3,0 l / ha Frutogard bietet mehr Schutz mit Blick auf das starke Wachstum. Im Hagelgebiet aktuell kein Zusatz von Phosphonaten, da kein Wachstum zur weiteren Verteilung in der Pflanze vorliegt. Überschussreaktionen würden nur die stark verkleinerte Blattfläche belasten. Dazu 3,6 kg / ha Netzschwefel. Durch das starke Wachstum zeichnet sich auch im Bodenseeraum ein engerer Pflanzenschutzabstand ab.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

Weinbauliche Hinweise

Sehr schön gewachsene Wintereinsaaten sollten nun gewalzt werden, um die Feuchtigkeit nach unten zu verlagern. Nicht entfernte Stockaustriebe sind dringen zu entfernen, damit diese keine Feuerleiter für die Peronospora werden. Nicht wenige Meldungen zu Ölflecken der Peronospora beziehen sich auf Stockaustriebe.

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo zum 17.06.2021.

 

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