Weinbauinfo Bodensee Nr. 3

Allgemeiner Entwicklungsstand

Zum vierten Mal Spätfrost mit Schäden im Weinbau in fünf Jahren im Beratungsgebiet – die Häufung der Spätfröste ist ungewöhnlich und in dieser Ausprägung unbekannt. Die warmen Tage vor und noch an Ostern führten zum Wollestadium bis beginnenden Grünpunktstadium der Reben in den frühen bis mittleren Lagen. Direkt nach Ostern führte ein Kälteeinbruch am Morgen des 06. Aprils zu Temperaturen zwischen knapp - 3°C bis lokal zu über - 5°C. Dazu kamen, und das hat den wesentlichen Ausschlag gegeben, leichte Schauer am Nachmittag und Abend des 05. April und ein leichter, kalter Wind bei klarer Nacht, was die Frostwirkung auf den nun angefeuchteten Knospen verstärkt hat. Die Folge sind starke Spätfrostschäden im Knospenstadium wie diese nur aus nördlichen Regionen bekannt sind. Die Streuung ist gross, sobald Lagen oder Gemarkungen nur leicht in der Entwicklung zurück sind, sinken die Schäden. Die Erhebungen geben folgendes Bild: in den frühen bis mittleren Lagen beträgt die Schadensquote 50 – 70% an den Hauptaugen. Sofern Beiaugen in der Wolle waren, sind diese oft miterfroren. In den tieferen Lagen sind 30 – 40% der Augen betroffen. Besonders betroffen sind früh austreibende Sorten und Junganlagen. Muskateller und Muscaris als PIWI sind mit Schadensquoten von über 90% sehr stark geschädigt, danach folgt Chardonnay. Bei Muscaris muss Spätfrostgefährdung in die Sortenbeschreibung aufgenommen werden. Auf der glücklichen Seite befindet sich der Bodenseeraum. Bestände und Sorten in vergleichbarer Entwicklung mittlerer Lagen am Tuniberg wie auf der bevorzugten Reichenau stehen unbeschadet, die restlichen Lagen sind noch weitgehend in der Winterruhe. Die Auswirkungen sind in dem frühen Stadium nicht vollständig abzuschätzen. Sicher ist beim Ertrag der grösste Druck nach oben weg und es gibt Lagen, da gilt es, die Kilos nach unten abzusichern. Aber es gibt oft noch die Beiaugen und auch die unversehrten Augen. Dasselbe im Drei – bis Vierblattstadium, alle Augen ausgetrieben und nicht ausgebrochen, wäre viel verheerender gewesen. Was aber in Südbaden geschrieben steht, ist eine ungleiche Entwicklung vergleichbar letztem Jahr. Nach wie vor ist es sehr kühl, ab dem Wochenende soll es nun doch eine Erwärmung geben, womit die Rebenentwicklung wieder vorwärtsgehen kann. Der kritische Bereich ist dennoch noch nicht verlassen, Eisheilige sind erst in vier Wochen. Und mit Blick auf die Höhenzüge der Vogesen und des Schwarzwaldes gilt nach wie vor die Erfahrung der Altvorderen: Solange der Schnee nicht von den Bergen geht, der Winter an der Türe steht.

Zu den tierischen Schädlingen

Die Pheromone sind inzwischen überall fast vollständig ausgebracht. Achten Sie darauf, dass die Kontrollfallen hängen und bestückt sind.

In Folge der angesagten Erwärmung gibt es einen Schub bei der Wanderung der Schadmilben. Solange kein Grün sichtbar ist, können am Tuniberg die Anlagen gegen Wochenmitte behandelt werden. Für den Bodenseeraum zeichnet sich Wollestadium auf Ende kommender Woche ab, ein guter Behandlungstermin liegt auf Wochenanfang danach, sofern keine Abkühlung kommt und die Auswanderung wieder bremst. Tagestemperaturen von mindestens 10° C, besser 15° C sind notwendig. Von Schadmilben sind besonders die Junganlagen bis zum dritten Standjahr oft von Befall mit Kräuselmilben betroffen. Zum Einsatz kommt die bewährte Mischung aus 3,6 kg / ha Netzschwefel und einem Ölpräparat, entweder z.B. 4 l / ha Para Sommer oder 8 l / ha Micula. Die Behandlung ist nur bei sehr guter Benetzung effektiv, der Wasseraufwand liegt bei 400 – 600 l / ha. Die Erwärmung lässt Rhompenspanner und Erdraupen wieder aktiv werden. Achten Sie auf bekannte Befallslagen oder Strohabdeckungen, ein zusätzlicher kurzer Blick in übrige Flächen ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre zu empfehlen. Das Absammeln am frühen Abend bei Dunkelheit bei Erdraupen und tagsüber beim Rhompenspanner ist nach wie vor eine bewährte und effektive Methode des Integrierten Pflanzenschutzes. Man kann auch mit z.B. Mimic mit 0,2 l / ha oder Steward mit 0,05 l / ha eine Bekämpfung durchführen. Dazu müssen aber die Raupen mit Spritzbrühe getroffen werden, da ansonsten eine ausreichende Wirkung nicht erzielt wird. Eine Behandlung am Tag ist wirkungslos. Bei Steward ist auf die Einstufung als Bienen gefährliches Mittel zu achten, blühender Unterwuchs ist zu entfernen, ein hoher Aufwand für eine begrenzte Behandlung.

Zu den Pilzkrankheiten

Es sind keine Behandlungen notwendig, auch nicht gegen Schwarzflecken.

Weinbauliche Hinweise

Frostruten sind nach wie vor eine der besten Versicherungen gegen Frostschäden. Leider gibt es Anlagen, in denen diese zu früh entfernt wurden. Also: wer diese noch hat, unbedingt belassen. Es gibt auch Schönes: Wickeneinsaaten sind sehr gut aufgelaufen. Für eine mineralische Stickstoffdüngung ist es auf jeden Fall zu früh und auf vielen Standorten muss diese an das Schadensniveau angepasst werden. In 2017 gab es öfters späte Schäden durch starke Fäulnis in den Resterträgen.

Sonstige Hinweise

Neu ist ab dem Jahr 2021 die Kontrolle des Integrierten Pflanzenschutzes im Rahmen des landwirtschaftlichen Fachrechtes bundesweit vorgesehen. Hierzu wurde bundesweit eine erläuternde Broschüre verfasst und ein Fragebogen mit Grundsätzen des Integrierten Pflanzenschutzes entwickelt. Im Rahmen der Fachrechtskontrollen wird bei Betriebskontrollen die Einhaltung des Integrierten Pflanzenschutzes abgefragt. Aus Rheinland – Pfalz kam hierzu eine Hilfestellung, die leicht angepasst mit dem Fragebogen als Anhang beigefügt ist. Die landwirtschaftlichen Betriebsleitungen haken dazu die von ihnen durchgeführten Maßnahmen im Fragebogen ggf. zusammen mit Hilfe der kontrollierenden Person ab. Der ausgefüllte Fragebogen verbleibt auf dem Betrieb und ist zusammen mit den Pflanzenschutzunterlagen aufzubewahren. Im Falle einer Betriebskontrolle wird im Protokoll vermerkt, dass die Abfrage des integrierten Pflanzenschutzes stattgefunden hat.

Zum Bundesinvestitionsprogramm für Landwirtschaft des Bundes gibt es folgende Mitteilung:

Wer teilnehmen möchte, muss sich bis 21.4.2021 Mittwoch im Portal der landwirtschaftlichen Rentenbank registrieren. Der Ablauf wurde geändert, die neuen Regularien sind dem Portal der Rentenbank www.rentenbank.de zu entnehmen. Nach wie vor sind die Förderangebote für den Weinbau sehr begrenzt.

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo zum 29.04.2021.

 

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