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Weinbauinfo Bodensee Nr. 25

Datum: 16.10.2020

Allgemeiner Entwicklungsstand

Der Bericht zu 2020 fällt ein paar Zeilen länger aus, da das Jahr im Beratungsgebiet sehr heterogen war. Der Jahrgang 2020 schliesst diese Woche mit den letzten Lesen im Bodenseeraum die Vegetationsperiode endgültig ab. Für Südbaden war es trotz aller Risiken ein glücklich verlaufenes Jahr. Ein sehr warmer Winter hätte beinahe einen Rekordfrühaustrieb auf Anfang April gebracht. Eine sehr kühle Phase Ende März bremste den Trend aus und der Weinbau hatte grosses Glück. Der erste Stolperstein brachte leichte Schäden, die sich später in verzögertem Austrieb, aber nicht in wesentlichem Ausfall bemerkbar machte. Der Obstbau hatte weniger Glück und verzeichnete besonders in den tiefen Lagen grosse Schäden. Der Austrieb lag dann dennoch 14 Tage vor normal und dieser Vorsprung blieb bis zur Lese. Die Eisheiligen waren 2020 ein echter zweiter Stolperstein, und auch hier blieb Südbaden im Gegensatz zu den nordöstlichen Weinbaugebieten von grossen Schäden bewahrt. Es war knapp, wie im weiteren Wachstum auftretende Blattdeformationen zeigten. Eine frühe Blüte Ende Mai mit teils kühlen Nächten und Tagen führte zu mittleren Verrieselungen in manchen Lagen. Hier trennt sich das Beratungsgebiet. Die Blüte im Bodenseeraum fiel Mitte Juni in eine kühle und feuchte Phase, die Verrieselungen waren besonders in den Burgundersorten ausgeprägt und der Vegetationsabstand zum Tuniberg erhöhte sich auf rund 10 Tage. Der weitere Verlauf bis zur Lese war geprägt durch im Durchschnitt hohe Temperaturen mit ausgeprägten Schwankungen, so dass manche von einem Schaukelsommer sprachen. Bei den Niederschlägen gab es eine auffällige Zweiteilung, der Westen war wesentlich trockener. Hier hielten gelegentliche kräftige Regen die Vegetation aufrecht, insgesamt ist 2020 aber das vierte Jahr mit Trockenheit. Höhere Verdunstung durch die höheren Temperaturen und besonders dieses Jahr die häufigen, anhaltenden trockenen Winde führten zu ausgeprägtem Wasserdefizit. Zur Lese hatte sich das Beratungsgebiet bei der Reife in ein dreigegliedertes Gebiet von West nach Ost entwickelt. Im Westen sehr früh Tuniberg und Glottertal, dazwischen das Gebiet vom Klettgau bis einschliesslich der Insel Reichenau und im Osten ab Konstanz bis Kressbronn. Überall war lange Zeit ein uneinheitlicher Reifezustand der Trauben zu beobachten. Erste Lesen gab es schon Ende August, regulärer Start am Tuniberg war in KW 36. Bei sehr warmen Wetter, besten Bedingungen und top gesundem Lesegut lief die Lese zügig. Müller-Thurgau wurde etwas zurückgehalten und die Hauptmenge in der folgenden Woche gelesen, was der physiologischen Reife sehr gut tat. Ende der KW 37 kam es zu einer ausgeprägten Hitzewelle, die die Lese besonders in KW 38 enorm beschleunigte, die Beeren schrumpeln und damit die Menge sinken liess und gleichzeitig die Mostgewichte innerhalb drei bis vier Tagen um mindestens 10°Oe nach oben schob. In abgeschwächter Form zeigte sich dies vom Klettgau bis zur Reichenau. Keinen Einfluss gab es ab Konstanz, was den Entwicklungsabstand um rund 5 Tage weiter erhöhte. Zu Anfang KW 38 gab es einen der höchsten gemessenen Mostgewichtsabstände zwischen Oberrhein und Bodensee ab Konstanz, der im Burgunderbereich bei rund 20°Oe lag. Die Hauptlese am Bodensee begann in KW 38, in KW 39 wurde diese am Tuniberg und Glottertal beendet, gerade rechtzeitig vor einem Wetterumschwung. In die nun kühleren und feuchteren Tage fiel die Hauptlese im Bodenseeraum, was die Mostgewichtszuwächse moderat hielt, aber keinen Einfluss auf den sehr guten Gesundheitszustand hatte. Der Nachteil späterer Entwicklung verkehrte sich zum grossen Vorteil. Im gesamten Beratungsgebiet war Müller-Thurgau die zuverlässigste Mengensorte, Weissburgunder die zuverlässigste Burgundersorte. Verlierer sind auf Verrieselung empfindliche mischbeerige Klone, als Sorte Grauburgunder.

Die Lese 2020 im Südbadischen Oberrheingraben zeigt nun Hitze endgültig als zukünftiger Bestandteil und Begleiter der Lese. Damit einhergehend steigen die Anforderungen an die Lesezeiten und die Organisation. Lange Standzeiten, bzw. Verarbeitungswege werden sicher riskanter, 2020 war extrem gesund. Was macht Lesegut mit bis zu 40°C und nur leichter Fäulnis, die berühmten nicht sortierbaren 5%? Bei der Festlegung der Lesetage muss die Flächengrösse der heutigen Betriebe miteingerechnet werden, um deren Kapazitäten nicht zu überdehnen. 2020 half Petrus mit, es gab es nicht eine Stunde Ausfall durch Schlechtwetter. Sorteneigenschaften verändern sich. Auffällig ist die starke Verfrühung im Burgunderbereich bei moderaten oder geringen Erträgen. Mengenstarke Sorten wie Müller – Thurgau reagieren träger. Für die Begrenzung der Mostgewichte und die Bewertung der Reife müssen Antworten gefunden werden. Viele Fragen sind auf der Suche nach gemeinsamen Antworten durch den Druck einer schnellen Veränderung.

Bleibt zum Schluss noch ein Blick auf die Bewertung des Jahrganges. Hier kommen sehr positive Stimmen. Abgesehen von Grauburgunder, wo gerne ein paar Kilo mehr gewünscht wären, wird die Menge als Marktgerecht beschrieben. Schöne Frucht und oft noch gute Säurewerte lassen Genuss reiche Weine erwarten. Für unsere Weinkunden sind dies erfreuliche Nachrichten auf das Ende des Jahres.

Zu den tierischen Schädlingen

Im August war verbreitet Wespenfrass zu finden, jedoch ohne grössere Folgen. Dazu verhalf das völlige Fehlen der sonst verbreiteten heimischen Essigfliegen. Dies war auch auf dem reichlich vorhandenen auf dem Boden liegenden Mostobst zu beobachten. 2020 waren zwar die Flugzahlen der KEF in manchen Lagen höher wie in vergangenen Jahren, jedoch kam es wie in den Vorjahren zu keinen wesentlichen Überraschungen im Auftreten der KEF. Der Kirschenanbau hatte in Südbaden besonders im späteren Bereich grössere Probleme. Daraus kann aber nicht auf den Weinbau geschlossen werden. Wie gewohnt, war der Befall in Dornfelder, Roten Gutedel und Roten Muskateller als sehr empfindliche Sorten schnell und deutlich. 2020 half dem Weinbau am Tuniberg die rasche Lese und das trockene Wetter. In den bekannten Randstrukturen wie Waldränder, Böschungen, Obstanlagen und auch Maisflächen trat an Burgunder leichter Befall auf. Im etwas feuchteren und späteren Bodenseeraum war Burgunder etwas mehr von Befall betroffen. Der Behandlungsumfang lag im Rahmen der Vorjahre. Basis ist die Verwendung des kostengünstigen und einfach umzusetzenden Kombinationsverfahrens. Die Forderung, dass 14 Tage Wartezeit, egal für welches Mittel oder Verfahren, zu lang sind und auf 7 Tage zurückgeführt werden sollte, bleibt weiterhin bestehen.

Sonstige Hinweise

Die neuen Formulare für die Umpflanzung und Umstrukturierung 2020 sind inzwischen verteilt. Nochmals wird an die Änderung bei der Sanktionierung erinnert, da auch dieses Jahr wieder etliches Geld verloren ging. Überbeantragungen der Fläche können zu empfindlichen Sanktionen führen. Bei Planieen oder unförmigen Grundstücken sollte eine genaue Planung und vor allem, eine rechtzeitige Anpassung des Flächenumfanges bis spätestens zu der Einreichung der Pfropfrebenrechnung, die die Kontrolle auslöst, sorgfältig beachtet werden. Eine weitere Änderung betrifft Fördersummen ab € 10000 / ha. Hier ist zukünftig keine Drahtrahmenerstellung mehr erforderlich. Ansonsten läuft das Verfahren wie bekannt. Die Anträge sind wie gewohnt am Tuniberg bei den Gemeinden und ansonsten bei den Genossenschaften erhältlich. Sofern Sie den Antrag selbst aus der EDV holen, drucken Sie möglichst nur die ersten drei Seiten aus und lesen den Rest auf der Internetseite, der Papierbedarf ist nicht unbeträchtlich.

Eine Förderung ist nur möglich auf Rebflächen mit einer erteilten Genehmigung der Umwandlung von nicht genutzten und noch gültigen Pflanzrechten bzw. einer Genehmigung der Wiederbepflanzung gemäss den neuen Anbauregeln im Weinbau. Wer also wie gewohnt seine in der Weinbaukartei gemeldete Fläche rodet und auf derselben wieder pflanzt, erhält automatisch die Genehmigung. Die Meldung von Rodung und Pflanzung erfolgt über die Änderungsmeldung zur Weinbaukartei. Bei der Flächenerweiterung achten Sie unbedingt darauf, dass der Pachtbeginn, bzw. das Datum des Kaufvertrages vor dem Rodedatum liegt! Bei der Änderungsmeldung zur Weinbaukartei wird das Rodedatum tagesgenau erfasst. Es muss in drei Jahren gepflanzt sein.

Achtung! Pachten oder kaufen Sie keine gerodeten Flächen, ohne sich der bürokratischen Wege bewusst zu sein. Hier besteht kein Pflanzrecht mehr. Solche Flächen können nur über die Übertragung von Pflanzrechten von nicht gerodeten Flächen oder über die Neuzuteilung wieder aktiviert werden.

Neuanpflanzungen aus der Vergabe von Neupflanzungsrechten werden nicht gefördert.

Bei Unklarheiten wenden Sie sich zuständigkeitshalber an das Regierungspräsidium.

In der Förderkulisse für Handarbeitslagen im Steillagenweinbau ist zu beachten, dass ein Vorantrag bis zum Jahresende gestellt werden muss. Der 31.12.2020 ist ein Ausschlusstermin. Im Beratungsgebiet sind viele der möglichen Flächen schon beantragt. Beachten Sie den Termin aber, sofern noch Flächenergänzungen anstehen.

Die seit 2017 gültige und in 2020 überarbeitete Düngeverordnung verlangt in einem wesentlich breiteren Umfang die Dokumentation des Düngebedarfes und der Düngung. Der Schwerpunkt liegt auf Stickstoff und Phosphor. Im Beratungsgebiet gibt es aktuell keine Nitrat – Risikogebiete nach § 13 DüVO, die sogenannten „roten Gebiete“, so dass Betriebe erst ab 3 ha Weinbau unter die Aufzeichnungspflichten fallen, bei einem Gemischtbetrieb kann es schon weniger Weinbau sein. Entfallen ist die Nährstoffbilanzierung, neu ist dafür die Schlag-, bzw. Bewirtschaftungseinheit bezogene Aufzeichnung der Düngung innerhalb von zwei Tagen. Die aktuellen Änderungen ab 2020 und die dazugehörigen Formulare und Informationen zur Dokumentation im Weinbau finden Sie auf der Internetseite des Staatlichen Weinbauinstitutes Freiburg unter www.wbi-bw/Fachinfo/Düngung+im+Weinbau.de.

Wichtige Hinweise zur Sachkunde im Pflanzenschutz

Für die Pflanzenschutz-Sachkundigen ist auf der Rückseite des Sachkundeausweises vermerkt, ab welchem Datum alle drei Jahre fortlaufend die vier Stunden Sachkundefortbildung erbracht werden müssen. Inwiefern die erforderlichen Stunden in Winterversammlungen (zumeist im Zeitraum Februar / März) als zweistündige Fortbildungsveranstaltungen erbracht werden können, steht durch die Covid 19 „Corona“ Regelungen noch nicht fest. Falls unter Auflagen doch möglich, werden die jeweiligen Termine entsprechend regional veröffentlicht.

Eine weitere Möglichkeit der Fortbildung ist das Angebot der Landakademie. Unter der Adresse www.landakademie.de kann ein Fortbildungskurs im modularen Aufbau absolviert werden. Die Kursgebühr beträgt € 50.

Bodenprobenaktionen

Diesen Winter steht die Gemeinde Gottenheim für die gemeinschaftlichen Bodenprobenaktionen auf dem Plan. Der Termin wird über das Gemeindeblatt bekannt gegeben. Mit den Gemeinschaftsaktionen werden die steigenden Anforderungen aus dem FAKT und der Düngeverordnung mit erfüllt. Fachlich wünschen wir uns etwas mehr Humusproben, um einen Überblick über die Entwicklung der organischen Substanz aufrecht zu erhalten und bei der Düngeverordnung eine notwendige Datengrundlage zur Berechnung des Düngebedarfes. Nutzen Sie dieses Serviceangebot intensiv, denn die gewonnenen Informationen helfen auch uns in der politischen Aussendarstellung des Weinbaues, bei den laufenden Diskussionen mehr denn je.

Bereichsversammlungen

Zum Erscheinungstermin des Infos waren noch keine Termine für die Bereichsversammlungen bekannt. Covid 19 „Corona“ kompliziert die Umsetzung. Unsere gewohnten Veranstaltungen haben es schwer.

Pflanzenschutz - Sachkundelehrgang für Winzer - Neusachkundige

Das Pflanzenschutzgesetz schreibt vor, dass alle Personen, welche Pflanzenschutzmittel ausbringen, sachkundig sein müssen. Landwirte, Winzer, Gärtner, usw. mit Ausbildung sind sachkundig im Sinne dieses Gesetzes.

Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald führt einen Pflanzenschutz - Sachkundelehrgang für die Winzer durch, der für alle Bereiche, also Markgräflerland, Tuniberg, Kaiserstuhl und Glottertal zentral abgehaltern wird. Der Lehrgang umfasst fünf Abende und beginnt Ende Januar 2021. Zusätzlich ist ein sechster Abend für die Sachkunde in der Böschungspflege zur Reblausbekämpfung und zum Flämmen auf Böschungen mitintegriert.

Der Sachkundekurs für Neusachkundige 2021 findet ab dem 19.01.2021 im Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg statt, Beginn 19:30 Uhr. Die Folgetermine sind: 26.01, 02.02., 09.02., 23.02. und 26.02.. Der Lehrgangsabend am 11.02. beinhaltet den Lehrgang zum Böschungspflegemanagement / Reblausbekämpfung. Der Prüfungstag ist am 26.01.2021.

Die Gebühren betragen: € 40 für den Kurs, € 40 für die Prüfung. Der Kurs ist auf Grund von Covid 19 „Corona“

begrenzt. Es zählt das Datum der Anmeldung.

An dem oben genannten Sachkundelehrgang interessierte Winzerinnen und Winzer sollten sich schriftlich, am besten unter Verwendung des Anmeldeformulars auf der Infoseite des Landwirtschafsamtes, unter Angabe von Namen, Adresse und Geburtsdatum bis spätestens 15.12.2020 beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, Fachbereich Landwirtschaft, Europaplatz 3, 79206 Breisach, per Fax-Nr. 0761/2187775899 oder per E-Mail:

hansjoerg.stuecklin@lkbh.de, egon.zuberer@lkbh.de oder tobias.burtsche@lkbh.de anmelden.

Weitere Auskünfte erteilen die Weinbauberater Hansjörg Stücklin (0761-2187 5827), Egon Zuberer (0761-2187 5828) und Tobias Burtsche (0761-2187 5858).

Dies ist bis auf Sondermitteilungen das letzte Info in diesem Jahr. Wir wünschen allen einen guten Winterverlauf. Der Infodienst beginnt wieder, sofern nicht anderst erforderlich, im März 2021.

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