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Weinbauinfo Bodensee Nr. 23

Datum: 03.09.2020

Allgemeiner Entwicklungsstand

Das Jahr 2020 ist für viele Überraschungen gut. Bei uns im Weinbau brachte das letzte Augustwochenende eine abrupte Wende. Sah es davor nach einer Entwicklung vergleichbar 2018 mit hohen Temperaturen und der Gefahr nach hohen Alkoholwerten aus, so haben wir nun einen gemässigten und trockenen Spätsommer mit kühlen Nachtemperaturen. Die Niederschläge – von rund 20 mm am westlichen Kaiserstuhl über 50 – 60 mm an den Vorgebirgslagen und bis zu 90 mm im Raum Meersburg – Lindau brachten eine Entspannung in der Wasserversorgung. Damit ist vorerst die mögliche Aufkonzentration über Einschrumpeln von Beeren durch Trockenheit vom Tisch, im Gegenteil, die Trauben wirken frisch und satt. Besonders der Gutedel zeigt dicke Backen, wie in der Bibel: Wasser zu Wein. Durch die Wasserhungrigen Böden bleiben kaum Schäden zurück, empfindlich könnte Sauvignon blanc auf tiefgründigen Standorten sein. Es gibt Meldungen zu ersten platzenden Beeren, ebenso vom Bodenseeraum bei kleinen hochreifen Einzelbeeren in Burgunder. Die mittlere Wettervorhersage – mit allen Unsicherheiten – beinhaltet die angesprochene spätsommerliche Entwicklung bis Mitte des Monates. Das sind ideale Verhältnisse für unsere doch in der Reife sehr uneinheitlichen Bestände. So richtig die Lese Ende August in den sehr frühen Lagen in den Ertragsreduzierten Burgunderanlagen des westlichen Kaiserstuhles war, in den mittleren und späteren Lagen in Verbindung mit gutem Ertragsniveau fehlt es an Reife. Im Bodenseeraum ist vor Mitte des Monates an Lese nicht zu denken. Ein Musterbeispiel für ganz Südbaden ist hier der Müller – Thurgau. Diese Sorte hat alle Einflüsse des Jahres mit am Besten in der Menge kompensiert. Zwar sind die Mostgewichte mit über 70° Öchsle gut, aber die Reife fehlt. Von gelben Beeren bis grasgrün kann sich in einer Traube finden. Wenn dies schon für den begünstigten Tuniberg gilt, so noch viel mehr für die 8 bis 10 Tage späteren Vorgebirgslagen des Markgräflerlandes. Auch beim Gutedel fehlt noch ein Schuss Reife. Durch die geringe Säure probieren sich die Beeren reif, aber das Beerenfleisch ist noch pulpig. Dagegen sind Burgunderanlagen mit reduzierten oder durch natürliche Einflüsse geringen Erträgen in der Reife weit voran, hier sind Ende 80° bis Mitte 90° Öchsle durchaus erreicht. Das Problem mit uneinheitlicher Reife hatte auch schon der Obstbau. Die Steuerung ist sicher nicht einfach. Doch sollte im Hintergrund der nach wie vor gültige Satz des Weinwissenschaftlers Gerhard Troost stehen: Die Nachteile, die durch eine zu frühe Lese entstehen, sind durchweg viel grösser und häufiger, als die einer zu späten Lese. Auf die heutigen Verhältnisse ergänzt: und sofern nicht das Risiko einer überhöhten Alkoholentwicklung besteht.

Covid 19 „Corona“ verdreht das Jahr und auch die Lese in Hinsicht auf die Arbeitskräfte. In unseren selbst geschaffenen Strukturen, in denen die grossen Betriebe inzwischen das Bild bestimmen, zeigen sich logistische Grenzen. Auch dies sollte in der Leseplanung mitberücksichtigt werden.

Zu den tierischen Schädlingen

Ein Hauptgrund für dieses Info ist die Lage zur KEF. In den Eibonituren finden sich nach wie vor die üblichen Bekannten: Regent, Dunkelfelder, Roter Muskateller, Dornfelder und Roter Gutedel mit Befall. Generell sind sehr wenige Fliegen in den Beständen zu sehen. Auffallend ist das fast völlige Fehlen der Heimischen Essigfliege (HEF), was auch schon bei sommerlichen Fallobst zu beobachten war. In den Beständen finden sich fast überall Spuren von Frassstellen der Wespen, die aber zunehmend weniger zu sehen sind. Dafür sind nach wie vor Ameisen aktiv. Auf diesen offenen Stellen nisten sich eigentlich sehr gerne Fruchtfliegen ein, durch die raschere Vermehrung bevorzugt die HEF. Bonituren bei Rotem Gutedel brachten beginnenden sichtbaren Befall von KEF, besonders bei sehr ungepflegten Anlagen und angrenzend an Saumstrukturen. Hier kann der weitere Befallsaufbau durch eine Behandlung rasch abgebremst werden. Am Tuniberg fanden sich die ersten geringen Eiablagen auf Grau – und Spätburgunder in Randlagen. Auch diese sollten genau beobachtet werden. In der grossen Fläche ist die Lage entspannt. Behandlungen machen nur noch Sinn, sofern der Lesezeitpunkt über der Wartezeit liegt. Das wird bei Regent kaum noch der Fall sein. Achten Sie auf die Wartezeit von 14 Tagen, bei Minecto One von 10Tagen und planen Sie dies für den Leseverlauf ein. Im Vordergrund steht das bewährte Kombinationsverfahren, da hier keine Rückstände entstehen. Die Mittelliste wurde vorausgehend im Info schon bekannt gegeben. Beachten Sie unbedingt die Hinweise zum Bienenschutz.

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben.

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.

Für den Tuniberg – Bodensee erscheint ein letztes Weinbauinfo mit Hinweisen zum Reifeverlauf und zur Lage bei der KEF Ende der 37. KW und wird für das Markgräflerland mitveröffentlicht. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

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