Weinbauinfo Bodensee Nr. 15

Allgemeiner Entwicklungsstand

Seit vier Wochen haben wir eine Wetterphase, die so noch nie in unseren Pflanzenschutzanalen steht. Alleine diese Woche brachte zwischen 70 bis 90 mm Regen, Stand Donnerstagmorgen. Die Wetterstation Opfingen verzeichnet 185 mm in diesen Wochen, es geht noch mehr, am Bodensee meldet die Station Meersburg 286 mm Regen. Die Regenphasen kommen in enger Folge, 2016 zum Vergleich brachte wenigstens immer wieder wöchentliche Pausen. Generell ist festzustellen, dass die Intensität der starken Peronosporajahre steigend ist, immer mit der Aussage verbunden: So war es noch nie! Dementsprechend hoch ist der Druck der Rebenperonospora, die zunehmende Unbefahrbarkeit der Anlagen in den Bereichen mit schweren Böden und Hanglagen, teilweise laufen mancherorts Quellen in den Fahrgassen. Der Gesundheitszustand ist für diese Bedingungen immer noch gut, unter hohem bis sehr hohem Aufwand und zusätzlichem menschlichem Risiko in den Hanglagen. 2016 stand dem Aufwand wenigstens ein sehr guter Ertrag entgegen, 2021 ist dieser von Anfang an geringer. Das Jahr stellt die Frage: wie geht es weiter? Ist in zwei Jahren schon alles wieder vergessen? Und wer trägt das Risiko, wenn sich Produktionsbedingungen von Natur gegeben sich nicht so einstellen, wie man es nach Wunsch mancher gerne hätte? Für kommende Woche wird eine Entspannung erwartet, sofern die Wettervorhersage zutrifft, es wäre dringend nötig, auch um andere Arbeiten umsetzen zu können. Durch die hohe Feuchtigkeit bleibt es dampfig, Gewitterrisiko besteht. Auf Ende kommender Woche soll die Pause eventuell enden.

Zu den tierischen Schädlingen und sonstigen Schadbildern

Die Kontrollfallen der Traubenwickler sind für die zweite Generation zu kontrollieren. Ausserhalb der Pheromongebiete ist der Flug der Traubenwickler bisher gering. Ansonsten gibt es keine Besonderheiten.

Zu den Pilzkrankheiten

Bei der Bestandsaufnahme des Tuniberges zu Wochenbeginn war der grosse Teil der Anlagen unter den Bedingungen des Jahres sehr sauber in der Laubwand, Neuinfektionen im Gescheinsbereich nicht zu finden. Die erste grosse Welle von Anfang Juni konnte gehalten werden. Im Bodenseebereich ist, nicht verwunderlich, etwas mehr Gipfellaubbefall zu finden, der Gescheinsbefall unterscheidet sich nicht. Es gibt aber auch Einzelfälle mit höherem Gescheinsbefall, trotz nach Analyse gutem fachlichen Handeln mit besten Mitteln. Unter besseren Bedingungen wären solche Spritzfolgen völlig unauffällig. Dieses Jahr ist so extrem, dass kleinste Lücken grosse Folgen haben können, besonders wenn diese noch in Verbindung mit sehr hohen und intensiven Schlagregen stehen. Davon ist der Bodenseeraum wesentlich häufiger betroffen wie das westliche Beratungsgebiet. Die Hagelgebiete konnten mit Behandlungen im Vier- Tagesrhythmus bisher stabil gehalten werden. Schwierig ist die Mittellage bei den tiefenwirksamen Produkten, erste Mittel sind völlig vergriffen oder es gibt nur noch kleine Restpartien. Das Antiresistenzmanagment kommt wie in 2016 an seine Grenzen. Die sehr hohen Niederschläge dieser Woche bringen ideale Bedingungen für eine weitere Verbreitung der Peronospora. In den gegipfelten Anlagen entwickelt sich nun stark neues Laub und es gilt, neue Wellen der Peronospora möglichst in kleinem Rahmen zu halten, alles zu unterbinden, ist unter den Bedingungen unmöglich. Der wöchentliche Behandlungsrhythmus ist nach wie vor erforderlich. Im Beratungsgebiet kommen zum Einsatz: ein tiefenwirksames Mittel nach Verfügbarkeit mit Basisaufwand x 3,5, sobald die Befahrung der Bestände es zulässt. Nur bei top gesunden Anlagen ein Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG mit 1,4 kg / ha, Folpan 500 SC mit 2,1 l / ha Mittelaufwand. Polyram WG mit 2,8 kg / ha kann nur eingesetzt werden, sofern die Wiederbetretungsauflagen von der betrieblichen Grösse eingehalten werden können. Ein weiteres gutes Kontaktmittel mit zwei Wirkstoffen, aber zu deutlich höherem Preis ist Videryo F mit 2,2 l / ha Mittelaufwand. Enervin F mit 2,1 l / ha, Partner Vinifol SC mit 2,1 l / ha nur, sofern noch nicht bisher eingesetzt. Der Resistenzschutz ist unbedingt zu beachten. Das empfindliche Blütefenster bei Oidium schliesst sich rasch, durch die engen Behandlungsintervalle wurde und wird dies gut abgedeckt. Im westlichen Beratungsgebiet gegen Oidium ein Mittel wie Systhane mit 0,21 l / ha oder Topas mit 0,28 l / ha Mittelaufwand. Bei wöchentlichem Behandlungsrhythmus ist auch Netzschwefel mit 3,0 kg / ha möglich, um die Triazolgruppe zu entlasten. Im Bodenseeraum gegen Oidium in Richtung Traubenschluss ein organisches Mehltaumittel im Übergang wie z.B. Kusabi mit 0,263 l / ha oder Dynali mit 0,7 l / ha Mittelaufwand. Gegen Peronospora sind dafür empfindliche Pilzfeste Sorten wie Regent, Johanniter oder Cabernet blanc nochmals mit zu behandeln, selbst stabilere Sorten zeigen Befall trotz Behandlungen. In sich gut entwickelnden Junganlagen können Phosphonate weiterhin verwendet werden, auf der Basis von Veriphos mit 0,2 l auf 100 l Spritzbrühe. In der weiteren Strategie ist einzuplanen, dass bei eintretender Gut - Wetterpause vor den nächsten Niederschlägen auf Kontakt vorgelegt werden sollte, auch wenn der Abstand um fünf Tage liegt. Noch ein Mittelhinweis: Da für Mancozeb ab Januar 2022 ein Anwendungsverbot besteht, sollten alle Mittel, welche Mancozeb enthalten (Dithane Vino, Electis, Fortuna Gold, Ridomil Gold MZ, usw.), in diesem Jahr aufgebraucht werden.

Warm – feuchte Bedingungen sind sehr gute Voraussetzungen für die Entwicklung von Frühbotrytis. Dazu kommen die dichteren Traubenzonen und nicht immer optimal verlaufende Entblätterungsarbeiten. Wohl sind die Trauben vielfach lockerer, aber in solchen Jahren zeigt sich der Wert von Botrytisbehandlungen. Die wichtige „Vor – Traubenschlussbehandlung“ hat den höchsten Wirkungsgrad. Zum Einsatz kommen: zur Traubenzonenbehandlung ein Botrytismittel wie z.B. Teldor mit 0,8 kg / ha, Switch mit 0,48 kg / ha oder Cantus mit 0,6 kg / ha Mittelaufwand. Als Mittel aus der Wirkstoffgruppe von Teldor Prolectus mit einem Mittelaufwand von 0,6 kg / ha. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Gutes Handwerk bei dieser Massnahme bedeutet das Fahren jeder Gasse.

Bitte beachten Sie die Hinweise und Anwendungsvorschriften in den Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie möglichst Abdrift mindernde Applikationstechnik und achten Sie auf eine zielgenaue Einstellung der Geräte.

Weinbauliche Hinweise

Durch die teilweisen kühleren Temperaturen ist beim Pflanzenschutz der Zusatz von 12 – 15 kg / ha Bittersalz, Produkt EpsoTop, vorteilhaft. Nach wie vor sollte die Feuchtigkeit von Begrünungen nach unten verlegt werden, sei es durch walzen und / oder mulchen. Selbst bei besseren Bodenbedingungen sollte auf Bearbeitungen verzichtet werden, um späte Stickstoffschübe zu vermeiden. Bei schlecht wachsenden Junganlagen sollte der Lieferant und / oder die Beratung kontaktiert werden.

Sonstige Hinweise

Bei der Umstellung und Umstrukturierung wurde der Termin für die Antragstellung ab diesem Jahr auf den 31.08. vorverlegt. Nach wie vor stehen die Anträge aus, wir bitten um Geduld. Die Entwicklung lässt für das westliche Beratungsgebiet einen Lesebeginn um den 20. September erwarten, im Bodenseeraum auf Ende September. In Absprache mit dem Weinbauinstitut wurde der Abschlusstermin auf den 07. August festgelegt, in späteren Gebieten auf den 14. August. Für die Lese von Saft – und Federweisser ist der Termin am Tuniberg auf den 31. August einzuplanen, ansonsten entsprechend später. Bitte beachten Sie die Vorgaben der Vermarktungsbetriebe.

Sofern nicht anderst erforderlich, erfolgt das nächste Weinbauinfo zum 22.07.2021.

 

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