Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 27

Allgemeine Situation:

Klimawandel hin oder her. Ein solcher Jahrgangsunterschied 2021 gegenüber 2020, ist schon sehr ungewöhnlich, erstaunlich und erfordert von allen auch auf dem wichtigen Schlussspurt alles ab.

Bei typischer Herbstwitterung – so wie „früher“ – kam die Traubenreife in den vergangenen 7 Tagen zumeist mit moderater bis normaler Geschwindigkeit voran. Das bedeutet Mostgewichtssteigerungen in den vergangenen 7 Tagen von 3 – 4 °Oe. Die Säurewerte sind noch recht hoch. Die Bandbreite bezüglich Reife- und insbesondere Gesundheitszustand ist so groß, wie schon viele Jahre nicht mehr. Die Lese gewinnt an Fahrt. Viele Müller-Thurgau Anlagen sind bereits geerntet und auch bei Spät- und Grauburgunder hat in vielen Betrieben/Anlagen die Hauptlese bereits begonnen oder steht in den kommenden Tagen an. Ertragssicherung und fortschreitende Fäulnis sind in diesem Jahr die ausschlaggebenden Faktoren für den Lesestart, der übrigens ähnlich ist wie der langjährige Durchschnitt.

Meine Mostgewichtsmessungen vom 20. September zeigen folgende Werte:

Müller – Thurgau

wurde/wird derzeit geerntet mit Tankdurchschnitten zwischen 72 und 75 °Oe

Gutedel

spätere Lage bei hohem Ertrag, erst Ende 50°Oe

zumeist 62° bis 65°Oe,

bei moderaterem Ertrag, Ende 60°Oe

Spätburgunder

Sektgrundweinlesen oft um Mitte 70°Oe

das Gros liegt 75 - 82°Oe

Selektionsanlagen, Ende 80 bis Anfang 90°Oe

Weißburgunder

Entwickelt sich gut; 80 – 85°Oe,

Ruländer

80 bis 86 °Oe; Selektionsanlagen bis Ende 80°Oe

Sauvignon Blanc

tut sich in diesem Jahr schwer, große Bandbreite zwischen 68 und 82 °Oe

Bis zum Wochenende gibt, laut Wettervorhersage, der Altweibersommer noch mal Gas. Die kommende Woche soll dann aber eher wechselhaft und zunehmend kühler werden. Der Reifeverlauf dürfte mit normaler Geschwindigkeit vorankommen.

Insbesondere die Spätburgunderanlagen zeigen oft einen unbefriedigenden, teilweise auch kritischen Gesundheitszustand. Die Ursachen sind vielfältig. Grauburgunder steht etwas besser da. Bei Weißburgunder, Gutedel und auch bei den anderen Sorten ist der Gesundheitszustand oft noch zufriedenstellend. Auffallend in diesem Jahr ist der erhöhte Befall durch Stiellähme, aber auch durch Traubenwelke, vor allem beim Spät- und Weißburgunder. Denken Sie daran, dass der Reifeunterschied zwischen den welken Beeren und den „normalen“ Beeren bis zu 10 °Oe betragen kann.

Fruchtfliegen:

Insbesondere in den strukturreichen Randgebieten konnte man bei den empfindlichen roten Sorten in den vergangenen zwei Wochen Flug durch KEF und HEF beobachten. Die verbreiteten Fäulnisschäden (Einzelbeeren und Nester) sind aber nicht ausschließlich durch die Fruchtfliegen verursacht. Fäulnisauslösend/-fördernd waren auch Saftaustritt durch Abdrücken, Mikrorisse, Wunden durch Ameisen und Vögel. Organische Rückstände von Blütenresten und Ohrwurmkot haben Botrytisbefall aus dem Traubeninnern gefördert.

Die aktuellen Ergebnisse der Eibonitur vom Montag zeigen keinen merklichen Anstieg der Eiablage. Wir wissen, dass die kühlen Nächte die Aktivität der KEF dämpfen. Da sich, aufgrund des raschen Herbstverlaufs, das Behandlungsfenster gegen KEF und HEF nun schließt, stellen wir das Eiablagemonitoring im Markgräflerland ein. Ich möchte mich, im Namen aller Markgräfler Winzerinnen/er, bei den Probenehmern und dem Kurierdienst der Markgräfler Winzer eG in Efringen-Kirchen für den Einsatz bedanken. Sollten im Einzelfall noch Maßnahmen nötig sein, bitte dies mit dem Vermarkter absprechen.

Entblätterung der Traubenzone: In solch späten Jahren wie 2021 mit langsamer Reife, hoher Säure und Fäulnisdruck bringt die Entblätterung der Traubenzone nicht nur indirekten Pflanzenschutz, sondern auch eine deutliche Reifeunterstützung mit sich. Höhere Beerentemperaturen fördern in den Beeren den Säureumbau zu Zucker. Wo also noch Arbeitskapazität frei ist bringt die vollständige Entblätterung der Traubenzone für Sorten, wo noch etwas hängen, eine bessere physiologische Reife.

Ich wünsche einen guten Herbstverlauf.

Das nächste Weinbauinfo erfolgt bei entsprechendem Bedarf.

 

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