Weinbauinfo-Nr. 20-2021


Vegetationsstand und Witterung
Die vergangene Woche brachte zunehmend sonnige Tage und warme Tages- und teilweise auch Nachttemperaturen. Die Reife kommt gut voran. In der ersten Septemberwoche sind die Mostgewichte, basierend auf den Beerenproben vom WBI um durchschnittlich 10,5°Oechsle angestiegen. Mittlerweile bewegen sich die Mostgewichte in Abhängigkeit vom Ertrag bei:
 

Rebsorte
°Oechsle
Müller-Thurgau
66-75
Grauburgunder
78-82
Weißburgunder
75-80
Spätburgunder
75-80
Muskateller
66-70
 
Die ungleiche Entwicklung der Trauben, die wir schon seit Ende der Blüte beobachten, ist nach wie vor sichtbar. Besonders bei Grauburgunder und Spätburgunder. Auffallend ist die teilweise starke Stiellähme und auch Traubenwelke beim Weißburgunder. Auch die beginnende Essigfäulnis und das Vorhandensein der Fruchtfliegen (Heimische und Kirschessigfliege KEF) findet man verstärkt in rotfärbenden Sorten.
Damit ergibt sich in 2021 ein Spagat zwischen „physiologische Reife“ und ansteigendem Fäulnisrisiko durch kompakte oder aber auch teilgeschädigte Trauben.
Die Beobachtung der Reben und die Terminierung des optimalen Reifezustands bzw. der Lesereife ist 2021 eine sehr wichtige Aufgabe um bestmögliche Qualität und Quantität zu ernten. Dies ist sehr viel anspruchsvoller als in den letzten 3 Jahren!
Die Wettervorhersage meldet Morgen sommerliche Tagestemperaturen bis 29°C. Am Mittwoch kommt es zu Abkühlung und ab abends sind Gewitter bzw. Niederschläge auch für den Donnerstag gemeldet. Ab Freitag wieder Wetterbesserung, zunehmend sonniger bei Tagestemperaturen um die 22°C.
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Kirschessigfliege
Die vorangeschrittenen Reife schränkt die Bekämpfung der Kirschessigfliege ein, da die zugelassenen Insektizide, Wartezeiten zwischen 10-14 Tage haben. Einzig der Einsatz von Surround ist ohne Einhaltung von Wartezeiten derzeit möglich.
 

Beste Erfahrungen in solchen Jahren wurden mit der späten Entblätterung und dem nahezu totalen Freistellen der Traubenzone gemacht. Die schnelle Abtrocknung der Trauben wird gefördert und das Risiko der Besiedelung durch die Kirschessigfliege deutlich reduziert.
Deshalb empfehlen wir jetzt, insbesondere bei rotfärbenden Rebsorten nochmals die Traubenzone deutlich zu entblättern. Wichtig ist es darauf zu achten, dass man die Trauben bei den Entblätterungsarbeiten nicht verletzt. Deshalb sollten die Blätter abgezupft oder abgeschnitten werden!
 
 
 
 
 
 
Kirschessigfliegenbekämpfung, Zulassung 2021:
 

 
 
 
Nochmals zur Erinnerung, die vorbeugenden Maßnahmen gegen KEF:

 
 
 
Die Ergebnisse der Eibonituren KEF, des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg, können Sie unter:

www.monitoringvitimeteo.de
nachsehen.
 
 
Insektenschutzgesetz
 

Die 5. Verordnung zur Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung ist im Rahmen des Insektenschutzgesetzes am 08.09.2021 in Kraft getreten.
Mit dieser Novellierung werden auch die Anwendungsbestimmungen für den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln geändert und die Anwendung in bestimmten Gebieten weiter eingeschränkt.
Verboten wird die Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln in Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten und Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten, sowie die Spätanwendung vor der Ernte.
Für Flächen, die nicht in diesen Gebieten liegen gilt: Die Anwendung ist bis Ende 2023 nur im Einzelfall zulässig, wenn andere Maßnahmen nicht geeignet oder zumutbar sind. Hier zählt laut BMEL die Unterstockbehandlung im Wein- und Obstbau dazu.
Ein generelles Glyphosat-Verbot wird für den 1. Januar 2024 verfügt, soweit die beiden Wirkstoffe nicht bereits vorher EU-seitig gefallen sind.
 
In Naturschutzgebieten und Nationalparks, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen gemäß § 30 BNatschG, sowie FFH-Gebieten, sind Herbizide sowie Insektizide mit den Anwendungsbestimmungen B1 bis B3 und NN410 verboten. Ausgenommen ist der Trockenmauerweinbau.
Das Verbot gilt nicht für Flächen im FFH-Gebiet im Gartenbau, Obst- Weinbau, Sonderkulturen, Vermehrungsflächen für Saat- oder Pflanzgut.
Ebenso sind Ackerflächen, die nicht als NSG, Nationalpark oder Naturdenkmal ausgewiesen sind, ausgenommen.
Aber: Die Landes-Regelungen zum Einsatz/Verbot von Pestiziden in Naturschutzgebieten bleiben mit ihren Ausnahmeregelungen erhalten.
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Wünsche allen Winzerinnen und Winzer, sowie den verarbeitenden Kellereien eine gesunde und erfolgreiche Ernte!!!
 

Diese Weinbauinfo wird nicht auf den Anrufbeantworter gesprochen.
 
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

 

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