Weinbauinfo-Nr. 17-2021


Vegetationsstand und Witterung
Anhaltend feucht warme Witterung fördert die Rebenentwicklung. Das Ende des Traubenschlusses BBCH 79 ist erreicht. Es ist damit zu rechnen, dass im Verlauf der nächsten Woche die Beeren der Sorte Müller-Thurgau, in frühen Lagen, beginnen sich hell zu verfärben. D.h. die beginnende Reife steht bevor. Damit wird es immer wahrscheinlicher, dass wir ab Mitte September mit der Lese beginnen. Der geplante Abschlusstermin für den Pflanzenschutz bis zum 07. August passt und sollte bis Ende nächste Woche umgesetzt werden.
Der enorme Infektionsdruck 2021 durch Peronospora und Oidium ist witterungsbedingt anhaltend und sorgt bei den Winzern immer wieder für neue Überraschungen. Seit dieser Woche ist verstärkt Oidium bei empfindlichen Sorten, allen voran Müller-Thurgau und Chardonnay und in besonderen Befallslagen (Waldrandnähe, Talgängen…) zu finden. Kontrollieren Sie bitte ihre Rebanlagen. Falls Sie „Echten Mehltau“ in ihren Rebanlagen beobachten, sollten sie umgehend eine Stopp-Spritzung (siehe Rebschutz) durchführen.
Eine gute Teilentblätterung der Traubenzone von der sonnenabgewandten Seite (Ostseite) ist eine wichtige Prävention um eine schnelle Abtrocknung zu fördern und das Infektionsrisiko durch Oidium zu reduzieren. Hierzu gehört auch das Ausbrechen oder Abschneiden der Geiztriebe in der Traubenzone!
Betreffend Rebenperonospora ist vereinzelt Beerenbefall (Lederbeeren) aus der regenreichen Woche zwischen dem 10.07. bis 16.07. seit Anfang dieser Woche zu sehen. Niederschlagsmengen zwischen 70-100 mm haben den Spritzbelag sehr stark verdünnt. Selbst bei 7 Tage Spritzabstand sind Lücken entstanden, die die Peronospora nutzen konnte. Auch beim Neuzuwachs treten fortlaufend neue Infektionen auf. Ein großer Teil wird beim Gipfeln herunter geschnitten. Teilweise müssen wir den Befall 2021 tolerieren und hinnehmen!
Die Wettervorhersage meldet mögliche Schauer und Niederschläge für Morgen und am Sonntag. Nächste Woche unbeständig mit weiteren Niederschlägen. Wetterbedingt stabiles Spritzfenster am Samstag!
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler

Der Flug der beiden Traubenwicklerarten verläuft weiterhin auf niederem Niveau. Einige Pheromonfallen in Nicht-Pheromongebieten bilden höhere Fangzahlen ab. In einigen Fallen ergibt sich kein Flug. Informieren Sie sich bitte an den Aushängtafeln in ihren Gemarkungen. Oder unter www.monitoring.vitimeteo.de
In den gemeinschaftlichen Pheromongebieten ergeben sich keine Fallenfänge in den BASF- Kontrollfallen. Die Verwirrung verläuft stabil. Nächste Woche werden wir stichprobenweise Trauben auf Sauerwurmbefall kontrollieren.
An alle Pheromongemeinschaften: Bitte kontrollieren Sie Anfang bis Mitte nächste Woche fortlaufend in verschiedenen Rebanlagen 25 Trauben auf mögliche Eiablage des Traubenwicklers bzw. auf Einbohrstellen des Sauerwurms. Bitte melden Sie auftretenden Befall an die Weinbauberatung!
 
 
 
 
 
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Der hohe Anspruch des diesjährigen Pflanzenschutzes und die kurzen Spritzintervalle haben die Winzerinnen und Winzer Kraft und Nerven gekostet. Einige Betriebe planen noch zwei Behandlungen. Andere Betriebe planen nächste Woche bis spätestens 07.08.2021 die Terminierung der Abschlussspritzung.
Teilweise besteht die Notwendigkeit kurzfristig auf aktuell festgestellten Oidiumbefall zu reagieren. Hier sollte umgehend eine Stoppspritzung mit einem „Kaliumhydrogenkarbonat“ wie z.B. Kumar oder Vitisan erfolgen.
1. Empfehlung Traubenwäsche:

Z.B. Kumar 5 Kg/ha in ca. 600-800 L Wasser/ha oder alternativ Vitisan 6 Kg/ha und Netzmittel Wetcit 0,2L/100 L Brühe.
Mit großen Düsen die Traubenzone tropfnass spritzen. Jede Gasse fahren.
2. Empfehlung volle Laubwand:

Z.B. Kumar 5 Kg/ha in ca. 800 L Wasser/ha oder alternativ Vitisan 8-10 Kg/ha und Netzmittel Wetcit 0,2L/100 L Brühe.
Jede Gasse fahren und tropfnass spritzen!!!
Die Stopp-Behandlung sollte innerhalb 5-7 Tagen wiederholt werden!!!

Bitte beachten Sie bei der Anwendung, dass bei Temperaturen über 25°C und starker Sonneneinstrahlung Blattverätzungen entstehen können!
 
Rebschutzempfehlung
Peronospora:

Für die jetzt anstehende Belagsspritzung vor den angekündigten Niederschlägen folgende Empfehlung:
Gegen Peronospora z.B. Folpan 80 WDG 1,6 Kg/ha oder Folpan 500 SC 2,4 L/ha. Alternativ Mildicut 4 L/ha oder bei Rebanlagen, z.B. Frostanlagen oder in späten Lagen (verschiedene Traubenstadien) kann auch ein tiefenwirksames Peronosporafungizid mit kurzer Wartezeit überlegt werden. Dies macht aber nur noch Sinn, wenn das Resistenzmanagement eingehalten wird und falls überhaupt noch entsprechende passende Wirkstoffe und Mittel am Markt erhältlich sind!
Gegen Oidium empfehlen wir ein organisches Oidiumfungizid aus der Wirkstoffgruppe der Azole wie z.B. Systhane 20 EW (Aufbrauchfrist bis 2022) oder Misha 0,24 L/ha oder Sarumo 0,75 L/ha oder Topas 0,32 L/ha.
Alternativ kann gegen Peronospora und Oidium, bei 100% gesunden Anlagen, im Sinne einer reduzierten Pflanzenschutzstrategie, ein Kupferpräparat wie z.B. Funguran progress 2,0 Kg/ha oder Cuprozin progress 1,6 L/ha oder Airone SC 2,6 L/ha oder Coprantol Duo 2,5 L/ha in Kombination mit Cumar 5 Kg/ha oder Vitisan 6-8 Kg/ha und Wetcit 0,2 L/je 100 L Spritzbrühe zum Einsatz kommen. Hier sollte der Spritzabstand nicht länger als 8-9 Tage gewählt werden!
Botrytis

Die letzten Jahre wurde überwiegend nur noch eine Botrytizidbehandlung zum wichtigen Termin „Vor Traubenschluss“ empfohlen. In den meisten Rebanlagen sind die Trauben 2021 locker und bei angepasster Kulturführung (pneumatisches Ausblasen, Teilentblätterung der TZ) besteht ein geringeres Fäulnisrisiko. Teilweise gibt es aber Sorten und Klone mit sehr kompakten Trauben. Auch die anhaltend feuchtwarme Witterung erhöht das Botrytisinfektionsrisiko. Ein nochmaliger Einsatz mit einem Spezialbotrytizid sollte überlegt werden. Zum Einsatz kommen bei separater Behandlung der Traubenzone z.B. Teldor 0,8 Kg/ha oder Cantus 0,6 Kg/ha oder Kenja 0,75 L/ha. Bei Behandlung der vollen Laubwand sind die Aufwandmengen zu verdoppeln.
 
 
Empfehlungen zur Abschlussspritzung (WZ = Wartezeit)

Die aktuelle Vegetationsentwicklung der Reben am Kaiserstuhl könnte einen voraussichtlichen Lesebeginn ab dem 20. September bedeuten. Entsprechend sollte die Abschlussspritzung bis spätestens 07. August 2021 erfolgen. Bei geplanten Sonderlesen (Neuer Süßer) und ertragsreduzierten Rebanlagen entsprechend 1 Woche früher (31. Juli).
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora ein Kupferpräparat wie z.B. Funguran progress 2,0 Kg/ha (WZ 21 Tage) oder Cuprozin progress 1,6 L/ha (WZ 21 Tage) oder Airone SC 2,6 L/ha (WZ 21 Tage) oder Corpantol Duo WG 2,5 Kg/ha (WZ 21 Tage).
Gegen Oidium empfehlen wir den Einsatz eines Hydrogencarbonat wie z.B. Cumar 5 Kg/ha (WZ 1 T) oder Vitisan 6 Kg/ha (WZ F) und Wetcit 0,2 L/100 L (Netzmittel für Vitisan). Bitte beachten Sie bei der Anwendung, dass bei Temperaturen über 25°C und starker Sonneneinstrahlung Blattverätzungen entstehen können!
Alternativ gegen Oidium ein Azol wie z.B. Systhane 20 EW (WZ 28 T) oder Misha 0,24 L/ha (WZ 14 T) oder Topas 0,32 L/ha (WZ 35 T) oder Sarumo 0,75 L/ha (WZ 28 T).
Das Fahren jeder Gasse wird aus Gründen verbesserter Applikationsqualität empfohlen.
Der Wasseraufwand beträgt 1000-1400 L/ha im Spritzverfahren bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Mittelkonzentration Basis x 4,0. Bitte benutzen Sie antidriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. Bitte befolgen Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz. Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
 
Bodenpflege

Im Obstbau wird aktuell von einem hohen Populationsaufbau der Kirschessigfliege berichtet. Ob sich das im Weinbau fortsetzt kann aktuell nicht eingeschätzt werden. Entsprechend empfehlen wir zum Reifebeginn der Trauben (August) die „vorbeugenden Maßnahmen zur Reduzierung des Populationsaufbaus KEF in den Rebanlagen. Wie empfehlen die Anlagen sauber zu Mulchen und den Unterstockbereich relativ Unkrautfrei zu halten. Erhöhter Bewuchs kann bei feuchtwarmer Witterung den Populationsaufbau der KEF im Weinbau fördern.
 
 
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

 

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