Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 19

Allgemeine Situation:

So unterschiedlich können die Jahre sein. Habe ich letztes Jahr Mitte Juli von Wasserdefizit, braunen Böschungen und hängende Ranken geschrieben, so verzeichnen wir in diesem Jahr ein/en außergewöhnlich nasses/en Frühjahr, bzw. Frühsommer. Um die 120mm im Mai, 140 mm im Juni und bis jetzt im Juli auch schon zwischen 90 mm und 120 mm (südliches Markgräflerland). Üppiges Wachstum der Reben und Begrünung, Auswaschungen, Erosion, schlechte Befahrbarkeit und als schlimmstes Übel einen ungeheuren Infektionsdruck durch Peronospora sind die Folgen und eine immense Aufgabe für Euch Winzer.

Insgesamt gesehen sind die Laubwände derzeit vital und das Beerenwachstum ist erfreulich. Die Entwicklungsunterschiede an den Trauben sind, bedingt durch die spätfrostbedingten vielen Nachzüglertriebe, sehr unterschiedlich. In den früheren Lagen beobachtet man an den Normaltrieben, bei kompakten Sorten/Klonen das Stadium „Traubenschluss“. Viele Trauben sind aber auch ausgesprochen locker. Die Meteorologen machen uns Hoffnung. Tief „Bernd“ wird nach Osten abgedrängt, so dass ab Samstag von Nordwesten her Hochdruck die Wetterlage stabilisieren kann. Ab Samstag und für die kommende Woche soll es wahrscheinlich trocken und zunehmend wärmer werden. Hoffen wir das Beste, wir können es dringend gebrauchen.

Rebschutz:

Peronospora: Der Peronosporadruck war zurückliegend und ist derzeit weiterhin sehr hoch. Nur mit hohem Rebschutzaufwand konnte auf den meisten Gemarkungen schlimmerer Pilzbefall verhindert werden. Die Toleranz gegenüber Peronosporabefall darf in diesem Jahr höher sein. Zwei bis drei befallene Trauben und 5-10 Peroflecken pro Stock sind in diesem Jahr kein „Beinbruch“. Viele Winzer berichten in den letzten Tagen auch von Traubenbefall bei gleichzeitig gesunder Laubwand. Das hatten wir auch in zurückliegenden Jahren. Ein Ausschneiden der befallenen Traubenteile ist nicht notwendig. Die befallenen Beeren, bzw. Traubenteile werden eintrocknen. Ab Stadium „Erbsengröße“ nimmt die Empfindlichkeit gegen Peronospora und auch gegen Oidium ab.

Auf vielen Gemarkungen, insbesondere dort wo es am 23. Juni extreme Unwetter/Starkregenereignisse mit Hagel gab, ist die Peronosporasituation kritisch, fast schlimmer als 2016. Besonders die Ökobetriebe, aber auch nachlässige konventionelle Winzer kämpfen hier teilweise einen fast aussichtslosen Kampf. Traubenzone und obere Laubwandhälfte sehen verheerend aus. Wie unter solchen Witterungsbedingungen die Vorgaben des Biodiversitätsgesetzes eingehalten werden können ist mir schleierhaft.

Oidium: Aus Württemberg kommen erste Meldungen von Traubenbefall. Grundsätzlich nimmt der Befallsdruck durch Oidium langsam ab. Durch die vorhergesagte schwülwarme Witterung der kommenden 10 Tage und auch auf Grund der Nachzüglertrauben müssen wir bei empfindlichen Sorten (Chardonnay, Müller-Thurgau) und in letztjährigen Befallsanlagen trotzdem noch aufpassen. Deshalb sollten bei diesen empfindlichen Sorten, in letztjährigen Befallsanlagen und in gefährdeten Lagen jetzt unbedingt Befallskontrollen durchgeführt werden. Melden sie eventuellen Befall umgehend dem Weinbauberater.

Tierische Schädlinge: Derzeit kein Schädlingsdruck. Insbesondere außerhalb der Pheromongebiete ist jetzt die regelmäßige Fallenkontrolle wichtig.

Rebschutzempfehlung: Die 60 bis 70 mm Regen/Starkregen, seit der letzten Behandlung (10./11. Juli), haben den Spritzbelag verdünnt. Trotz nachlassender Niederschläge werden wir in nächster Zeit aber täglich sehr starke Taubedingungen und deshalb, besonders in Befallsanlagen, weiterhin kräftigen Befallsdruck haben. Darüber hinaus ist der Geiztriebzuwachs weiterhin enorm. Ab Samstag ist trocken vorhergesagt und damit sollte für Samstag (18. Juli) die nächste Rebschutzmaßnahme eingeplant werden um den Belag zu erneuern und den Neuzuwachs zu schützen. Wo am Samstag die Befahrbarkeit nicht möglich ist, oder wer an einem Tag nicht durchkommt, kann auch auf Montag geschoben werden.

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora, in weitestgehend befallsfreien Anlagen/Gemarkungen, ein Kontaktmittel wie z.B. Folpan 80 WDG (1,4 kg/ha), Folpan 500 SC (2,1 l/ha), Delan WG (0,7 kg/ha), Videryo F (2,2l/ha), oder Enervin F (2,1 l/ha Enervin SC + 2,1 l/ha Vinifol SC).

In Anlagen mit deutlichem Befall, aber auch auf Gemarkungen, wo viele Befallsanlagen vorhanden sind, ist ein kuratives Mittel fachlich sinnvoll. Die eigenen Bestände sind oft leer und auch im Landhandel sind nur noch wenige Kurativprodukte erhältlich. Wenn, dann ist noch Melody Combi, Ampexio, Folpan Gold, oder Vino Star begrenz verfügbar. Bedenken Sie, Profiler und Mildicut sind keine Kurativmittel. Beachten Sie unbedingt die Vorgaben zur Resistenzvermeidung. Präparate auf Basis der phosphorigen Säure werden ab dem Stadium Erbsengröße nun nicht mehr empfohlen

Da für Mancozeb ab Januar 2022 ein Anwendungsverbot besteht sollten alle Mittel, welche Mancozeb enthalten (Dithane Vino, Electis, Fortuna Gold, Ridomil Gold MZ, usw.) in diesem Jahr aufgebraucht werden.

Gegen Oidium ein organisches Mittel aus der Azolgruppe, wie z, B. Topas (0,28 l/ha), Systane 0,21 l/ha), oder Sarumo (1,05l/ha). In letztjährigen Befallsanlagen oder bei empfindlichen Sorten bringt der Einsatz eines potenteren Mittels, wie Kusabi (0,26l/ha; Resisitenzgruppe K), oder Dynali (0,7 l/ha; Resistenzgr. R + G) mehr Sicherheit..

Die oben angegebene Mittelmenge errechnet sich aus dem Basisaufwand x 3,5. In Anlagen mit dichter, geschlossener Laubwand ist Basisaufwand x 4 fachlich richtig.

Auch die PIWIS stehen derzeit unter hohem Perodruck und zeigen teilweise auch leichte Befallssymptome. Deshalb wird eine Behandlung der PIWIS für diesen Termin ebenfalls empfohlen.

Die derzeit wechselhafte Witterung begünstigt die Neigung von Stiellähme. Der Zusatz von Magnesiumhaltigen Blattdüngern zur Stiellähmevorbeugung (z.B. Epso-Top; 3kg/100l fertige Spritzbrühe) ist bei empfindlichen Sorten und Anlagen sinnvoll.

Nicht wenige Junganlagen zeigen mehr oder weniger starken Perobefall. Passen sie auf! Junganlagen sollten wöchentlich mit einem Peronosporafungizid und Netzschwefel behandelt werden. Der Zusatz eines phosphonathaltigen Mittels wird empfohlen. Dabei darf aber keinesfalls überdosiert werden um Überschussreaktionen zu vermeiden. Bei Veriphos sollte die Konzentration von 0,2% (0,2l/100l) nicht überschritten werden. Junganlagen zeigen derzeit im oberen Drittel gelbliche Aufhellungen. Dabei handelt es sich um leichten Stickstoffmangel. Ursache sind die starken Niederschläge, welche einerseits Nitrat aus der Wurzelzone ausgewaschen haben und andererseits um Luftmangel im Wurzelraum, welcher die Nährstoffaufnahme behindert. Das wird sich auswachsen, wenn hoffentlich nächste Woche eine Befahrbarkeit und damit eine Bodenbearbeitung im Stockbereich wieder möglich ist. Gegebenenfalls kann man auch mit einem stickstoffhaltigen Blattdünger, z. B Aminosol (1l/100l), oder Harnstoff (0,5kg/100l) helfend eingreifen.

Termin Abschlussspritzung

Die aktuelle Vegetationsentwicklung der Reben im Markgräflerland könnte einen voraussichtlichen Lesebeginn ab dem 22. September bedeuten. Entsprechend sollte die Abschlussspritzung bis spätestens 07. August 2021 erfolgen. Bei geplanten Sonderlesen (Neuer Süßer) und ertragsreduzierten Rebanlagen entsprechend 1 Woche früher (31. Juli).

Stockarbeiten:

Durch den vielen Regen ist die Kutikula in diesem Jahr deutlich dünner. Damit ist bei einem schnellen Wechsel auf hohe Temperaturen die Gefahr von Sonnenbrand in diesem Jahr höher. Eine Entblätterung auf der Süd-/Südwestseite sollte besser unterbleiben.

Umstrukturierung 2022:

Auf Grund von EU-Vorgaben müssen Rebflächen, die über die Umstrukturierung im Frühjahr 2022 angelegt und gefördert werden sollen, ab diesem Jahr bereits bis spätestens 31.08.2021 beantragt werden. Antragsformulare gibt es voraussichtlich erst ab der letzten Juliwoche. Sobald wir die neuen Antragsformulare haben werden wir sie verschicken.

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 22. Juli.

 

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