Weinbauinfo-Nr. 15-2021


Vegetationsstand und Witterung
In den frühen und mittleren Lagen am Kaiserstuhl ist überwiegend das Entwicklungsstadium „Traubenschluss BBCH 77“ erreicht. Teilweise kann man aber noch Entwicklungsstadien zwischen Schrotkorn- und Erbsengröße BBCH 73-75 beobachten. Besonders auffällig ist das dieses Jahr bei der Rebsorte Weißburgunder und natürlich in den frostgeschädigten Anlagen.
Haben die Trauben das Entwicklungsstadium „Traubenschluss erreicht, so nimmt Ihre Anfälligkeit gegenüber dem Echten und Falschen Mehltau deutlich ab. Hingegen sind die Trauben im Entwicklungsstadium BBCH 73-75 weiterhin sehr empfindlich bezüglich möglicher Peronospora- und Oidiuminfektionen. Letztendlich führen weiterhin anhaltende hohe Niederschläge und über Tage anhaltende Blattnässe zu einer extrem angespannten Situation im Pflanzenschutz. Aktuell haben wir seit der letzten Behandlung vor dem Wochenende, zwischen 60-70 mm Niederschlag bekommen. D.h. die Pflanzenschutzbeläge sind verdünnt, es können Wirkungslücken entstehen. Die aktuell sehr aggressive Peronospora mit sehr kurzen Inkubationszeiten von aktuell um die 5 Tage kann sehr schnell zu starken Infektionen an den Blättern (ungeschützter Neuzuwachs, Geiztriebe) und an den Nachzügler Trauben führen.
Diese Wetterbedingungen fordern nochmals einen kurzen Behandlungsinterball von 6-7 Tagen. Es gilt bei der nächsten trockenen Phase bzw. wenn die Befahrbarkeit es zulässt, die nächste Pflanzenschutzmaßnahme durchzuführen.
Die Wettervorhersage meldet nochmal kräftige Regengüsse am Donnerstag und Freitag. Ab Samstag soll es trocken, sonniger und wärmer werden. Diese Sommerphase soll auch noch nächste Woche anhalten. Das hoffen wir!
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler

Der Flug der beiden Traubenwicklerarten hat auf niederem Niveau begonnen. Bitte kontrollieren Sie ab jetzt Ihre Pheromonkontrollfallen 3 x pro Woche.
Pilzkrankheiten
Peronospora und Oidium

Wenn die Wettervorhersage recht hat bleibt der Peronosporainfektionsdruck auf höchstem Niveau. Deshalb sollte aus Gründen der Wirkungssicherheit bei der nächsten Behandlung ein tiefgenwirksames/kuratives Peronosporafungizid bevorzugt eingesetzt werden. Achten Sie bitte auf Wirkstoffgruppenwechsel und das Resistenzmanagement. Da schon einige Mittel nicht mehr verfügbar (ausverkauft) sind, sollte Sie sich von Ihrem Fachhändler betreffend verfügbarer Mittel beraten lassen.
Gegen Oidium empfehlen wir nochmal ein potentes organisches Oidiumfungizid.
Rebschutzempfehlung
Peronospora:
Zum Einsatz kommen gegen Peronospora z.B. Aktuan 2,0 Kg/ha, Zorvec Zelavin Bria 0,32 L/ha und 1,6 Kg/ha Flovine (2 Komponenten), oder Ampexio 0,48 Kg/ha, oder Melody Combi 2,2 Kg/ha, oder Vino Star 2,0 Kg/ha, oder Folpan Gold 2,4 Kg/ha, oder Fantic F 2,4 Kg/ha, oder Sanvino 1,5 Kg/ha.
Der Einsatz eines Kontaktfungizid wie z.B. Folpan 80 WDG 1,6 Kg/ha oder Folpan 500 SC 2,4 L/ha oder Enervin F 2,4 L/ha (2 Komponenten) oder Delan Pro 4 L/ha oder Videryo F 3,0 Kg/ha kann bei kurzen Spritzintervallen kleiner 6 Tagen und ausschließlich befallsfreien Reben überlegt werden.
Längere Spritzabstände sind aktuell ein hohes Risiko. Erfolgte Neuinfektionen können an den Trauben nicht mehr und an den Blättern nur bedingt zurückgeholt werden!
Gegen Oidium empfehlen wir ein organisches Oidiumfungizid wie z.B. Talendo 0,375 L/ha oder Vivando 0,32 L/ha oder Kusabi 0,3 L/ha oder Dynali 0,8 L/ha oder Collis 0,64 L/ha. Bitte beachten Sie auch hier das Resistenzmanagement.
Stiellähme

Zur Verbesserung der Magnesiumversorgung empfehlen wir 2-3 Behandlungen mit einem magnesiumhaltigen Blattdünger. Mit der nächsten Behandlung kann der Blattdüngerzusatz zur Spritzbrühe z.B. Zugabe von Bittersalz 12-15 Kg/ha erfolgen. Dies empfiehlt sich besonders bei stiellähmeempfindlichen Sorten wie z.B. Riesling, Cabernet und deren Kreuzungen, Gewürztraminer, Muskateller und auch Burgundersorten.
Pilzwiderstandsfähige Rebsorten
Auch bei den pilzwiderstandsfähigen Reben ohne Pflanzenschutzbehandlungen kann aktuell starker Peronosporabefall beobachtet werden.
Deshalb wird eine PS-Behandlung der PIWI`s, z.B. Solaris, Souvignier gris, Johanniter, Cabernet …, insbesondere gegen Peronospora und Oidium wird zum jetzigen Zeitpunkt empfohlen!
Das Fahren jeder Gasse wird aus Gründen verbesserter Applikationsqualität empfohlen.
Der Wasseraufwand beträgt 1000-1400 L/ha im Spritzverfahren bzw. 400-600 L/ha im Sprühverfahren. Mittelkonzentration Basis x 4,0. Bitte benutzen Sie antidriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. Bitte befolgen Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz. Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
 
Bodenpflege

Um die Stickstoffmineralisation etwas zu bremsen empfehlen wir das Mulchen oder Walzen jeder 2. Gasse. Bodenbearbeitungen verstärken die Stickstoffmineralisation und erhöhen das Fäulnisrisko der Trauben. Falls erforderlich sollten weitere Bodenbearbeitungen erst nach der Lese in Verbindung mit einer Wintereinsaat vorgenommen werden.
 
Termin Abschlussspritzung
Die aktuelle Vegetationsentwicklung der Reben am Kaiserstuhl könnte einen voraussichtlichen Lesebeginn ab dem 20. September bedeuten. Entsprechend sollte die Abschlussspritzung bis spätestens 07. August 2021 erfolgen. Bei geplanten Sonderlesen (Neuer Süßer) und ertragsreduzierten Rebanlagen entsprechend 1 Woche früher (31. Juli).
Empfehlungen zur Abschlussspritzung folgen in den nächsten Weinbauinfos.
 
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl
                  

 

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