Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 12

Allgemeine Situation:

Eine hervorragende Wasserversorgung und warme Tages- und Nachttemperaturen haben, nach wochenlanger „Stagnation“, das Rebenwachstum stark beschleunigt. Der Zuwachs in den vergangenen 6 Tagen ist enorm. Vitimeteo weist seit 2. Juni einen Blattzuwachs von 600cm² auf. Dies wird auch in den kommenden 7 Tagen so weitergehen, da die Temperaturen Richtung Wochenende und auch über das Wochenende hinaus, deutlich ansteigen werden. Vom Kaiserstuhl werden aus frühen Lagen, bei frühen Sorten erste blühende Gescheine gemeldet. Für das Markgräflerland rechne ich in frühen Lagen bis Mitte der kommenden Woche ebenfalls mit ersten blühenden Gescheinen. Laut Wettervorhersage wird ab Donnerstag das Hoch Xenia eine deutliche Wetterbesserung mit sich bringen.

Rebschutz:

Peronospora: Seit vergangenem Freitag (4. Juni) werden aus verschiedenen Gemarkungen, quer durch das Markgräflerland, erste Öl-/Peroflecken mit Pilzrasen, oft an Stammaustrieben, ganz vereinzelt auch befallene Gescheine gemeldet. Die Infektionen stammen von den Infektionsereignissen vom 27., bzw. 21. Mai. Die feuchtwarme Witterung, oft mit ergiebigen Niederschlägen bei gleichzeitig sehr starkem Zuwachs hat den Infektionsdruck stark ansteigen lassen. Ab sofort sind, zusätzlich zu den Bodeninfektionen, nun auch Sekundärinfektionen möglich. Die Gescheine sind derzeit sehr empfindlich. Es heißt deshalb aufgepasst!

Viele Winzer im Markgräflerland haben zwischen dem 1. und dem 4. Juni ihre zweite Rebschutzmaßnahme durchgeführt. Damit dürften die Infektionen der vergangenen Tage weitestgehend abgedeckt worden sein. Dort wo die letzte Behandlung vor dem 1. Juni lag ist der Zuwachs und damit der ungeschützte Blattzuwachs so groß, dass die heftigen Gewitter der vergangenen zwei Tage voraussichtlich zu weiteren Infektionen geführt haben.

Einzelne Winzer berichten von 5-10mm großen gelben Flecken. Es handelt sich dabei nicht um Ölflecken, sondern um Herbizidabdrift von sulfonylharnstoffhaltigen Mitteln. Sowohl der Wirkstoff Flazasulfuron von Katana, aber auch Wirkstoffe einige Ackerbauherbizide gehören zur Wirkstoffgruppe der Sulfonylharnstoffe. Bei einzelnen gelben Punkten sind, nach Erfahrungen früherer Jahre, keine negativen Auswirkungen auf die Reben zu erwarten.

Oidium: Auf Grund der feuchtwarmen Witterung und im Hinblick auf die nahende Rebblüte ist der Infektionsdruck durch Oidium sehr stark angestiegen.

Tierische Schädlinge: Der Mottenflug des Bekreuzten Traubenwicklers scheint beendet. Vom Einbindigen Traubenwickler gab es keine/kaum Fanzahlen. Eine Wurmbekämpfung ist nicht notwendig.

Rebschutzempfehlung: Auf Grund des stark angestiegenen Infektionsrisikos für Peronospora und auch für Oidium sollte der Spritzabstand derzeit bei 10 Tagen liegen. Die meisten Winzer haben zwischen dem 1. und dem 4. Juni ihre zweite Rebschutzmaßnahme durchgeführt. Aus fachlicher Hinsicht und auch aus Gründen der günstigen Witterung stünde für den 11./12. Juni die nächste Rebschutzmaßnahme an. Ein Schieben auf die kommende Woche ist zu risikobehaftet.

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora, bei befallsfreien Beständen, ein Kontaktmittel wie z.B. Dithane Vino WG (1,07 kg/ha), Folpan 80 WDG (0,8 kg/ha), Folpan 500 SC (1,2 l/ha), oder Delan WG (0,4 kg/ha). Um den starken Neuzuwachs besser zu schützen wird der Zusatz von Phosphonaten wie z.B. Veriphos, Foshield (jeweils 2,0 l/ha) oder Frutogard (3,0 l/ha) zur Spritzbrühe empfohlen. Alternativ können auch die Kombinationsmittel Delan Pro (2,4l/ha), oder Profiler (1,5 kg/ha) eingesetzt werden.

Wo die letzte Behandlung vor dem 1. Juni lag und in Anlagen mit festgestelltem Perobefall wird der Einsatz eines tiefenwirksamen Mittels, wie Aktuan 1,0 kg/ha), Forum Gold/Star (0,96 kg/ha), oder Melody Combi (1,1 kg/ha) empfohlen. Da die tiefenwirksamen Mittel nur zwei Tage nach hinten kurativ wirken, sollte die Behandlung umgehend, sobald die Befahrbarkeit es zulässt, durchgeführt werden.

Gegen Oidium wird auf Grund des stark ansteigenden Infektionsdruckes und der angekündigten hohen Temperaturen der Einsatz eines organischen Mehltaumittels, wie Prosper Tec (0,66l/ha), Spirox (0,4 l/ha), Vivando (0,16 l/ha) oder Kusabi (0,15 l/ha) empfohlen. Der Einsatz von Netzschwefel Solo (3,6 kg/ha) kann nur bei entsprechend kurzen Spritzintervallen (Wirkungsdauer bei hohen Temperaturen nur 6-7 Tage) überlegt werden. Ansonsten bringt Netzschwefel, zusätzlich zum organischen Mehltaumittel, eine gute Wirkung bei festgestelltem Befall durch die Pockenmilben.

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 17. Juni.

 

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