Weinbauinfo-Nr. 10-2021


Agenda      Hoher Infektionsdruck der Rebenperonospora
                   Steigende Infektionsgefahr bei Oidium
                  
Vegetationsstand und Witterung

Feucht warme Tage führen zum rasanten Wachstum der Reben. Es sind 2-3 Blätter zugewachsen. Wir zählen 10-11 Blätter, die Gescheine vergrößern sich BBCH 55. Erste blühende Gescheine bei frühen Sorten und frühen Lagen sind zu finden. Im Verlauf der nächsten Woche ist mit Blütebeginn am Kaiserstuhl zu rechnen.
Der Zuwachs ist enorm. Vitimeteo weist einen Zuwachs von mehr als 600 cm² Blattfläche aus. Das Heften und Pflanzenschutz bestimmen den Arbeitskalender in dieser Woche.
Aufgrund feuchtwarmer Witterung, sehr hoher Luftfeuchtigkeit mit anhaltender Blattnässe, besteht aktuell ein sehr hohes Peronosporainfektionsrisiko. Einige Ölflecke mit weißem Pilzrasen sind per Fotos bei mir gemeldet. Auch erste befallenen Gescheine wurden gefunden.
Jetzt heißt es aufgepasst! Die Spritzintervalle sind auf maximal 8-10 Tage zu verkürzen!
Die Wettervorhersage meldet ab Donnerstag Wetterbesserung, sonnig, trocken und warm. Ein Hoch das über England kommt bringt zunehmend höhere Tagestemperaturen 30°C und mehr. Dies wird die Rebenentwicklung weiter beschleunigen! Witterungsbedingt ergibt sich ein Spritzfenster von Donnerstag bis Samstag bei mäßigem bis temporär stärkerem Wind.
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Traubenwickler

Der Flug der ersten Generation beider Traubenwicklerarten scheint zu Ende zu sein. Es sind keine Zuflüge in den Pheromonfallen mehr zu verzeichnen. Bitte kontrollieren Sie Ihre Fallen im wöchentlichen Rhythmus um den weiteren Flugverlauf aufzunehmen.
Pilzkrankheiten
Peronospora

Die ersten gefundenen Ölflecke ergeben Fragen. Wann war das Infektionsereignis und Warum kamen die Infektionen zustande? Laut Vitimeteo führten Bodeninfektionen vom 27.05. nach abgelaufener Inkubation ab dem 03.05. zu sichtbaren Ölflecken. Dies deckt sich mit den bei mir eingegangenen Meldungen ab dem 04.06! Viele Winzer sind der Empfehlung der Weinbauberatung gefolgt und haben zwischen dem 20.-22.05. die 1. Belagsspritzung durchgeführt. Trotzdem sind vereinzelte Ölflecke (weißer Pilzrasen) zu finden. Das Problem ist meiner Einschätzung nach in der Belagsqualität zu suchen. Am Termin 20-22.05. war es mehr oder weniger sehr windig und damit die Applikation sehr schwierig bzw. ungenau. Die   gefundenen Ölflecken zeigen die Belagslücken, die die Pero genutzt hat.
Aktuell führen starker Zuwachs bei feuchtwarmer Witterung, teilweise ergiebigen Niederschlägen und durchgängige Blattnässe zu sehr hohem Infektionsrisiko. Gerade im Vorblütebereich können wir solchen Wachstumsphasen nur mit verkürzten Spritzintervallen von 8 Tagen meistern. Die Gescheine sind aktuell sehr empfindlich und müssen gut geschützt werden. Somit sollte eine nächste Behandlung (3. Vorblüte) ab Donnerstag 10.06. eingeplant werden.
Oidium
Mit dem Blick in Richtung Rebblüte und der vorhergesagten sonnig warmen Wettervorhersage steigt das Oidiuminfektionsrisiko sehr stark an. Besonders letztjährige Befallsanlagen und bei gefundenen Zeigertrieben sollte besonders aufgepasst werden!
 
Rebschutzempfehlung

Zum Einsatz kommt gegen Peronospora ein tiefenwirksames Peronosporafungizid wie z.B. Aktuan 1,0 Kg/ha oder Forum Gold 0,96 Kg/ha oder Melody Combi 1,2 kg/ha. Um die kurative Wirkung dieser Mittel auszunutzen sollte baldmöglichst nach den Infektionsereignissen (Wirkung bis max. 48 Stunden nach Infektion) die Behandlung durchgeführt werden.
Um den weiter zu erwartenden Neuzuwachs besser zu schützen wir der Zusatz von Phosphonaten wie z.B. Veriphos 2,0 L/ha, oder Foshield 2,0 L/ha oder Frutogard 3,0 L/ha zur Spritzbrühe empfohlen.
Gegen Oidium sollte ein organisches Oidiumfungizid wie z.B. Prosper TEC 0,66 L/ha oder Spirox0,4 L/ha oder Vivando 0,16 L/ha oder Kusabi 0,15 L/ha zum Einsatz kommen.
Der Einsatz von Netzschwefel (Wirkungsdauer 6-7 Tage) kann nur bei entsprechend kurzen Spritzintervallen überlegt werden. Beachten Sie bitte die Anhänge (Resistenzmanagement und VM Oidium Spritzabstandstabelle!)
Der Wasseraufwand beträgt 600-800 L/ha im Spritzverfahren bzw. 250-300 L/ha im Sprühverfahren. Mittelkonzentration Basis x 2,0. Bitte benutzen Sie antidriftmindernde Applikationstechnik (Injektordüsen) und achten sie auf eine zielgenaue Einstellung der Spritze. Beim Sprühen sollte eine reduzierte Gebläsedrehzahl gewählt und Abdrift verhindert werden. Bitte befolgen Sie die Auflagen und Anwendungsvorschriften in dem Beipackzettel der eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Insbesondere die Vorschriften zum Gesundheits- und Anwenderschutz. Wenden Sie nur entsprechend der Indikation zugelassene Pflanzenschutzmittel an.
 
Weinbauliche Arbeiten

Mit dem Heften sollte auch das Ausbrechen am Kopf nun erfolgen werden. Aufgrund der Frostschädigung mussten diese Arbeiten zurückgestellt werden. Nun führen aber hohe Triebzahlen am Kopf zu ersten Laubverdichtungen, die jetzt korrigiert werden sollten.
 
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

 

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